Zufriedenheit und Optimismus in Leipzig sinken

Der Verkehr in der Messestadt ist aus Sicht der Leipziger Bürgerinnen und Bürger inzwischen das größte Probleme an der Pleiße. Das zeigen die aktuellsten Ergebnisse der repräsentativen Bürgerumfrage, die am Dienstag vorgestellt wurden. Die häufiger stockende Dynamik auf den Straßen und Schienen der Stadt hat den jahrelangen Dauerbrenner Sicherheitsgefühl inzwischen überholt und den Sprung nach ganz vorn auf die Dringlichkeitsliste gemacht. 53 Prozent der etwa 10.000 Leipzigerinnen und Leipziger, die ihre Fragebögen im November 2021 beantwortet zurückgeschickt hatten, bemängeln Defizite in diesem Bereich – ein Plus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Gegensatz dazu hat die Angst vor Kriminalität leicht an Relevanz verloren.

Ein Grund, warum der Verkehr nun noch häufiger als zuvor genannt wird, lasse sich in der Corona-Situation finden, sagt Leipzigs oberste Stadtforscherin Andrea Schultz. „Wir hatten 2020 mehrere starke Lockdowns, die zur Reduzierung des Verkehrs geführt haben. Das konnte man unter anderem an der Unfallstatistik sehen. Das ist im zweiten Jahr der Pandemie nun nicht mehr so ​​der Fall gewesen, sodass die Problemwahrnehmung noch einmal anstieg “, sagt die Abteilungsleiterin im Amt für Statistik und Wahlen.

Sorgen auch bei Wohnen, Armut und medizinischer Versorgung

In der quantitativen Betroffenheit leicht abgeschlagen, aber kaum weniger dringlich empfunden als die beiden Top-Probleme, sind die Themen Wohnen, Sauberkeit und Ordnung sowie Armut und Einkommen. Jeweils etwa ein Drittel der Befragten äußerte hier Unbehagen. Interesting and womöglich ebenfalls mit der Pandemie zu erklären sind fast doppelt so häufig genannte Probleme bei der medizinischen Versorgung in der Messestadt, die inzwischen zwölf Prozent der Befragten kommunizieren. Auch der Umweltschutz (13 Prozent) und das gesellschaftliche Zusammenleben (21 Prozent) wurden zuletzt mehr als zuvor als Leipziger Problem identifiziert.

Natürlich ist nicht alles schlecht in Leipzig, ganz im Gegenteil. Noch immer geben 73 Prozent der Menschen an, mit dem Leben in der Messestadt insgesamt zufrieden zu sein, 62 Prozent blicken dabei optimistisch in die Zukunft. Dafür gibt es mehrere Gründe, am häufigsten sammeln die vielseitige Kunst und Kultur in Leipzig (75 Prozent Zuspruch), die Parks und Grünanlagen (73 Prozent) und die Naherholungsmöglichkeiten (67 Prozent) Pluspunkte. In allen drei Bereichen gab es zuletzt trotz allem etwas weniger Gunst als noch 2020. „Die Pandemie frisst da offenbar auch etwas weg“, sagt die Stadtforscherin. Insgesamt muss sie auch eine tendenziell weiterhin sinkende Gesamtzufriedenheit in der Stadt und einen weniger optimistischen Blick in die Zukunft konstatieren.

Einkommen steigt kontinuierlich – vor allem für Leipzigs Männer

Etwas überraschend sei, dass die Angebote von Ausbildungsplätzen und die Jobsituation in Leipzig trotz Pandemie wieder positiver bewertet wurden. Fast two Drittel der Befragten sind damit insgesamt zufrieden. Dabei könnte eine Rolle spielen, dass das durchschnittliche Nettoeinkommen in Leipzig um 150 Euro auf 1590 Euro / monatlich angestiegen ist. Laut Christian Schmidt, Chef des Statistikamtes, hätte der Betrag auf dem Lohnzettel im vergangenen Jahr allerdings vor allem nur bei Männern zugelegt. Frauen arbeiteten dagegen häufig in Branchen, bei denen es in den Corona-Monaten häufig Lohnkürzungen gab.

Beim Blick in den Spiegel, sagt Christian Schmidt, bewerten die Menschen ihre eigene Situation zumindest deutlich besser als die der Messestadt insgesamt. Fast two Drittel empfinden ihren eigenen wirtschaftlichen Status als gut oder sehr gut, während die Lage in der Stadt nur von einem Drittel als mindestens gut angesehen wird. Auffällig: Seit 2018 haben sich beide Werte immer weiter auseinander entwickelt.

Mietbelastung im Schnitt bei 29 Prozent des Einkommens

Relativ konstant bleiben die Mietbelastungen für die Leipzigerinnen und Leipziger. Im Schnitt müssen hier etwa 29 Prozent des Einkommens aufgewendet werden, um die eigene Wohnung bezahlen zu können. Steigt die Mietbelastung über 30 Prozent, bleibt laut Experten zu wenig Geld zum Leben übrig. „Es ist natürlich je nach Einkommen auch ganz unterschiedlich, was die Haushalte für ihre Wohnungen aufwenden müssen“, sagt Stadtforscherin Schultz. Bei Haushalten, die von Armut gefährdet sind, liege die Mietbelastung bei 45 Prozent, bei Menschen mit einem Einkommen jenseits von 3200 Euro dagegen nur bei 18 Prozent.

Die zuletzt zum Teil regelrecht explodierten Mietpreise für neuen Wohnraum in Leipzig ziehen die Bestandswohnungen offenbar noch nicht so stark nach oben. „Auch aufgrund der wohnungspolitischen Reglements – qualifizierter Mietspiegel, Kappungsgrenze – zeigt sich der Anstieg der Bestandsmieten deutlich milder“, sagt Andrea Schultz. Laut Auskunft der Bürgerinnen und Bürger lag die durchschnittliche Nettokaltmiete zuletzt bei 6.47 Euro per Quadratmeter. Das ist eine Steigerung um 29 Prozent innerhalb von zehn Jahren.

Viele befürchten negative Auswirkungen auf Zusammenhalt

Die Ergebnisse der aktuellen Bürgerumfrage entstanden im vergangenen Herbst, als die Delta-Welle gerade in Sachsen noch einmal viele Opfer forderte und die Politik deshalb mit schärferen Maßnahmen reagierte. Die Verwaltung nutzte die Erhebung auch, um persönliche Empfindungen dazu abzufragen. Mit zum Teil erstaunlicher Erkenntnis: 76 Prozent der Leipzigerinnen und Leipziger fürchten, dass die Pandemie negative Auswirkungen auf den sozialen Zusammenhalt habe. Auch die wirtschaftlichen Folgen für die Stadtgesellschaft werden mehrheitlich negativ bewertet. Dagegen sehen die meisten Befragten im persönlichen Bereich kaum negative finanzielle Auswirkungen. Etwa die Hälfte empfindet auch den Zusammenhalt innerhalb der Familie mindestens als positiv.

Mehr Fakten aus Leipzig und Sachsen: www.lvz.de/fakten

Von Matthias Puppe

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