Wirtschaft in Sachsen: Einkommensvergleich; Folgen eines Gas—Embargos; Deutsche Werkstätten mit Erfolg bei Nachwuchsgewinnung; Street um IPO

Wirtschaft in Sachsen – Das Wochen-Briefing

Einkommen: Ost-West-Gefälle kleiner als gedacht + Gas-Embargo träfe Ost-Wirtschaft weniger hart + Deutsche Werkstätten bauen Nachwuchs-Projekt aus


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Ostdeutsche haben im Durchschnitt weniger Geld im Portemonnaie als Westdeutsche. Die Lohnunterschiede sind aber geringer als gedacht – wenn man bestimmte Faktoren bedenkt.
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Guten Morgen,

die deutsche Wirtschaft ist im Dauerstress, balanciert auf dem schmalen Grat zwischen Erholung und Rezession. In ihrem gestern veröffentlichten Frühjahrsgutachten haben die Wirtschaftsforscher ihre Prognosen für das Wachstum der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr halbiert. Und der Ukraine-Krieg trifft die ostdeutsche Wirtschaft hnlich hart wie die gesamtdeutsche.

Klar ist, teurere Energie wird das Wachstum bremsen. Aber wenn das russische Gas weiter fließt, werden die höheren Preise nicht zu einer Rezession führen. Die Unternehmensgewinne werden schmaler ausfallen, dennoch haben deutsche Hersteller es in der Hand, Maßnahmen zu ergreifen, um Energie zu sparen. Die Opfer sind nach jetzigem Stand also noch verkraftbar.

Doch die schlechte Nachricht ist: Entscheidungsträger in europäischen Unternehmen und Politik haben keinen Einfluss darauf, ob sich die Erholung der Wirtschaft fortsetzt. Denn ob die Gaslieferungen aus Russland ausgesetzt werden, hängt allein von Putin ab. Er könnte beschließen, den Gashahn als Vergeltung für die westlichen Sanktionen zuzudrehen. Oder er zwingt Europa dazu, ein Gas- und Erdölembargo zu beschließen, wenn er nicht die Gräueltaten seiner Armee an der Zivilbevölkerung in der Ukraine stoppt. Angesichts ihrer Geschichte können sich die Deutschen nicht in ihren mit russischem Gas beheizten Wohnungen zurücklehnen und dies geschehen lassen. Wenn es weitere Gräueltaten geben sollte, wird Deutschland einem Embargo zustimmen müssen.

Das Osterfest steht vor der Tür, für Christen ein Fest der Hoffnung. Wir können hoffen, dass der Gashahn offenbleibt. Wir sollten aber auch darüber debattieren, ob und zu welchen vorübergehenden Wohlstandsopfern wir bereit sind, damit der Krieg beendet wird.

Ich wünsche Ihnen hoffnungsvolle Ostertage.

Herzlichst,

Ihre Nora Miethke, Leiterin Wirtschaftsredaktion sächsische.de

Das Wichtigste aus Sachsens Wirtschaft

+++ Study: Ost-West-Gefälle kleiner als gedacht +++

Nirgendwo in Sachsen ist das durchschnittliche verfügbare Pro-Kopf-Einkommen so niedrig wie in der Stadt Leipzig. 19.574 Euro sind es in der Messestadt, wie aus einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervorgeht. Schlusslicht unter den Landkreisen ist Görlitz mit 20.200 Euro. Bundesweit lag das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen bei 23.706 Euro. Die regional unterschiedlichen Preisniveaus tragen der Studie zufolge jedoch zu einer gewissen Angleichung der Einkommen zwischen Ost und West bei. Rechnet man auch staatliche Umverteilungen hinzu, beträgt das Ost-West-Gefälle statt 33 Prozent nur noch zwölf Prozent. Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) sprach sich in einem Statement für eine Lohnangleichung über Tarifverträge aus.

+++ Gas-Embargo träfe Ost-Wirtschaft weniger hart +++

Nachdem sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) gegen ein Gas-Embargo ausgesprochen hat und dafür undiplomatische Kritik des ukrainischen Botschafters, Andrij Melnyk, erntete, Christian Harkommt er Zuspruch land. “Weniger oder eine Beendigung der Abhängigkeit von russischem Gas, l und Kohle ist ein entscheidender, richtiger Weg”, sagt er im Podcast von schsische.de. Doch von einem sofortigen Embargo hält Hartmann nichts. Und man müsse aufpassen: “Sanktionen sollen Russland treffen, nicht uns selber bestrafen.” Wie ein Embargo Sachsens Wirtschaft treffen würde, wird am Beispiel der energieintensiven Industrie im Landkreis Meißen deutlich. Auch die Metallindustrie warnt vor dem Schritt. Allerdings, so rechnen Experten vor, wäre Ostdeutschland weniger von einem Gas-Embargo betroffen als der Westen. Führende Wirtschaftsforschungsinstitute korrigierten ihre Prognosen für 2022 am Mittwoch nach unten.

+++ Werkstätten bauen Nachwuchs-Projekt aus +++

In den Deutschen Werkstätten Hellerau erlernen seit vergangenem Herbst Schüler in der Freizeit Grundlagen des Tischlerns – von Azubis. Das Dresdner Unternehmen hat nun eine erste Bilanz des einzigartigen Projekts gezogen und spricht von einem “vollen Erfolg”, der sich auch in Zahlen ausdrückt. Für die zehn Tischlerausbildungsplätze gebe es 180 Bewerbungen, darunter “signifikant mehr aus dem Dresdner Umland als in den Vorjahren”, heißt es. Das Projekt soll fortgeführt werden, dann mit 90 statt bisher 60 Minuten pro Woche.

+++ Wie eine Gewerbegebiet eine Region spaltet +++

Für die einen ist der geplante Industriepark Oberelbe (IPO) bei Pirna ein Stück Zukunft. Für die anderen steht er für die Zerstörung von Heimat. Das Projekt, das 270 Hektar groß werden und etwa 3.000 Arbeitsplätze bringen soll, spaltet eine Region. Das Vorhaben vernichte wertvollen Ackerboden, Kaltluftschneisen und Erholungsräume, sagen die Kritiker. Heidenaus Bürgermeister Jürgen Opitz, Vorsitzender eines für das Vorhaben geschaffenen Zweckverbands, verweist auf ein aufwändiges Verfahren mit größtmöglicher Transparenz.

Die Entscheidung über den Start der Erschließung, die 140 Millionen Euro kosten soll, könnte auch in der Landesregierung für Ungemach sorgen. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte bereits früher erklärt: “Ich schätze es so ein, dass es die Berechtigung für ein so großes Industriegebiet gibt.” Das SPD-geführte Wirtschaftsministerium finanzierte die Machbarkeitsstudie zum IPO. Sachsens grüner Umweltminister Wolfram Günther indes geht auf Distanz. Sächsische.de-Reporter Ulrich Wolf mit allen Einzelheiten der hart geführten Auseinandersetzung.

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