Wirtschaft in Bisingen: Ukraine-Krieg bringt Bäcker in schwierige Situation – Zollernalb

Ukraine-Amerikaner bei der Bckerei Schweizer Foto: Gern

Der Krieg in der Ukraine bringt auch Bäcker in eine schwierige wirtschaftliche Situation. Werden Brot und Brötchen bald kaum bezahlbar sein? So sieht Alfred Schweizer, Chef der Bäckerei Schweizer, die Lage.

Bisingen – Die Rohstoffpreise steigen, die Energiekosten ebenfalls. Der Mindestlohn wird im Herbst weiter nach oben klettern. Und: Die Suche nach Personal ist derzeit in zahlreichen Branchen quasi die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Auch für Bäckereien ist die Lage momentan alles andere als einfach. Weizen regional zu kaufen, ein Filialnetz engmaschig zu betreiben: Das kann sich in diesen Zeiten lohnen. Ein Gespräch mit Jutta und Alfred Schweizer, Inhaber der gleichnamigen Bisinger Bäckerei.



Die Rohstoffe

Zehn Euro pro Brotlaib: Diesen Preis warf Klaus-Peter Lucht, Vizepräsident des Bauernverbands Schleswig-Holstein, vor Kurzem in einem Interview mit “Bild” in den Raum. Realistic? “Nein, das glaube ich nicht. Das wäre ein Unding”, sagt Alfred Schweizer. Sicher: Die Preise für Weizen kletterten nach oben. Und ja, die Ukraine sei ein Hauptlieferant. “Wir kaufen aber in Deutschland ein”, erklärt Schweizer. “Unser Lieferant aus Horb kauft Weizen und Dinkel aus Baden-Württemberg.”

Insgesamt sei Deutschland außerdem ein Weizenexportland, betont Schweizer. Aktuelle Lieferengpässe seien nicht zu befürchten, bestätigt auch der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks. Der Selbstversorgungsgrad an Getreide liegt laut Zentralverbandsprsident Michael Wippler bei teils mehr als 100 Prozent.

Jutta Schweizer erklärt, letztlich könne genug produziert werden. Andererseits solle am Ende des Tages nicht zu viel Ware liegen bleiben. “Abends haben wir eben nicht mehr 20 verschiedene Brötchen”, sagt sie und hofft auf das Verständnis der Kunden. “Aber immer noch genug, um etwas zu finden.” Dennoch bleibe – über die Woche und die Filialen hinweg gesehen – eine Menge übrig. Alfred Schweizer betont mit Blick auf die Wegwerfgesellschaft und Verschwendung: “Im Handwerk sind wir Vorreiter, da sind die Läden eben abends fast leer.” “Häufig machen wir auch Brot- oder Brötchenspenden”, sagt Jutta Schweizer und erzählt unter anderem von ukrainischen Flüchtlingen in Balingen – acht Kinder und drei Betreuer. “Dann wird davon noch jemand satt.”

In Bisingen wird jedenfalls so schnell niemand auf die Brezel zum Frühstück verzichten müssen. “Die Mengen der letzten Ernte sind bereits im Silo, da wird sich nicht viel ndern”, sagt Alfred Schweizer. Werde der Sommer nicht extrem nass oder extrem trocken, sei das Auskommen weiter gesichert. “Da braucht keiner Angst zu haben – zumindest bei uns nicht.”




Anderswo auf der Welt könnte sich die Lage allerdings zuspitzen. ber den Weizen, der auch an der Börse gehandelt wird, sagt er: Am Ende erhalte ihn jener Käufer, der am meisten bezahlt. Ein Fiasko für rmere Länder: “Sie können den Preis nicht mehr zahlen, das wird diese Länder hart treffen.”

Die Energie

Den Blick wieder auf Bisingen gerichtet, sagt Alfred Schweizer: “Mehr Sorgen macht mir das Thema Gas.” Die Kosten seien bereits gestiegen – “und damals war der Krieg noch gar nicht eingepreist”. Also wird gespart: “Wir halten beispielsweise unsere Mitarbeiter dazu an, dass es keine Leerläufe in den Backöfen gibt, und wir versuchen, die fen voll zu haben.” Die Restwärme des Brotbackens könnten wiederum die Konditoren für ihre Kuchen nutzen. Wird das Brot bei 240 Grad gebacken und anschließend aus dem Ofen geholt, bleiben für süße Backwaren immer noch um die 200 Grad. Doch Schweizers tun noch mehr: ber Wärmetauscher werde beispielsweise Warmwasser für die Spülmaschine bereitgestellt. In Kürze werde außerdem eine Fotovoltaikanlage installiert.

Die kletternden Preise an den Zapfsäulen machen den Bäckerei-Chefs indes weniger Sorgen: Die Kosten für die Auslieferung an die einzelnen Filialen halten sich in Grenzen, weil die Entfernungen überschaubar sind. “Wir haben uns schon immer als Nahversorger gesehen”, sagt Alfred Schweizer und spricht damit die beiden Filialen in Bisingen sowie jeweils eine in Hechingen, in Grosselfingen und in Balingen an.

Das Personal

Neue Mitarbeiter zu finden, sei zurzeit schwierig – wie in zahlreichen anderen Branchen auch. Hinzu kommt Corona: Durch die Pandemie habe es immer wieder Fälle von Quarantäne oder Krankheit gegeben. Und dann noch das Thema Mindestlohn. “Die meisten unserer Mitarbeiter arbeiten schon über dem Mindestlohn”, berichtet er. Steigt der Mindestlohn – wie für den Herbst geplant –, “wollen sie den Abstand aber weiter gewahrt haben, das ist verständlich”, betont Schweizer und nennt die Stichworte Ausbildung und Berufserfahrung.

Die Preise

Jutta Schweizer fasst es so zusammen: “Die Energiekosten, die Rohstoffe, die Lohnkosten: Das ist alles Teil einer Spirale. Und das ist mein Appell an die Kunden”, betont sie: Dies alles gelte es zu bedenken. Under die Preise? “Es wird ein Auf und Ab geben”, erwartet Alfred Schweizer. “Wir werden schauen, dass wir es erträglich hinbekommen.”


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