Wie die Türkei um russische Touristen wirbt | Wirtschaft | DW

Die Türkei muss ihre krisengeschüttelte Wirtschaft wieder ankurbeln. Dafür will sie unter anderem die Einnahmen aus dem Tourismus auf das Niveau vor Beginn der Corona-Pandemie anheben. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn in den Bereichen Energie, Handel und Tourismus ist die Türkei stark von Russland abhängig. Im Jahr 2019 erreichte das Handelsvolumen zwischen den beiden Ländern 25,7 Milliarden Euro. Zudem ist Russland einer der wichtigsten Energielieferanten der Türkei.

Auch deshalb lehnt das NATO-Mitglied Türkei die westlichen Sanktionen gegen Russland ab und beteiligt sich nicht an ihnen. Angesichts der sich verschärfenden Wirtschaftskrise und einer Inflationsrate, die aufgrund steigender Energie- und Getreidekosten ein 20-Jahres-Hoch erreicht hat, möchte das Land seine guten züster Beziehungen sowohl Ukraine a zu aals Ruszur Beziehungen sowohl a.

Einnahmen aus dem Tourismus gelten als unverzichtbar, um das klaffende Defizit in der Leistungsbilanz zu reduzieren. Die durch die Sanktionen gegen Russland verursachten Einschränkungen beim Zahlungs- und Flugverkehr wecken allerdings die Befürchtung, dass die Zahlen russischer Touristen in der Türkei einbrechen könnten. Doch es scheint, als habe die Türkei eine Lösung gefunden.

Ein eigenes russisches Zahlungssystem

Die US-amerikanischen Kartenriesen Mastercard und Visa haben ihr Geschäfte mit Russland im Rahmen der auf Wladimir Putin zielenden US-Sanktionen eingestellt. Doch die Türkei hat einen Weg gefunden, über den russische Touristen in der Türkei diese Sperrung umgehen können: Sie können über das russische Zahlungssystem Mir auf ihr Geld zugreifen, das Russland hat eingerichtet 2014.

Bereits damals befürchtete man in Moskau wegen der Annexion der Krim, dass westliche Sanktionen gegen russische Banken und Geschäftsleute Transaktionen mit Mastercard und Visa unmöglich machen könnten. Später wurde Mir auch in einigen anderen Ländern eingeführt, in denen besonders viele Russen unterwegs sind oder leben.

Eine große Zahl der Urlauber in der Türkei kommt aus Russland

Die für berweisungen genutzten Mir-Karten werden laut russischer Zentralbank in der gesamten Russischen Föderation und zwölf weiteren Ländern verwendet, darunter Armenien, Kirgistan, Kasachstan, Belarus, Vietnam und Zypern. Ende 2021 belief sich die Zahl der ausgestellten Mir-Karten auf 113,6 Millionen.

Zahlungen mit Mir-Karte werden in der Türkei zurzeit von drei Banken akzeptiert: Isbank, Ziraat Bankasi und VakifBank. Isbank begann mit Verweis auf die Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern bereits 2019, Mir-Karten anzunehmen. Die Banken arbeiten daran, die Nutzung auszuweiten, obwohl die ukrainische Zentralbank die Türkei aufgefordert hat, sämtliche Transaktionen mit Karten des russischen Zahlungssystems einzustellen.

Aufgrund der westlichen Sanktionen haben Russen in der Türkei gegenwärtig nur die Option, mit Mir-Karte oder Bargeld zu bezahlen. Berichten zufolge sind türkische Banken zögerlich, wenn es darum geht, Konten für neu in der Türkei angekommene Russen zu eröffnen, aus Furcht, gegen Sanktionen zu verstoßen. Seit Beginn des Krieges sind Tausende Russen in die Türkei gekommen, um den Sanktionen zu entgehen.

Das Dilemma des Krieges

Fachleute warnen, das Vorgehen der Türkei könnte als Versuch gewertet werden, die Sanktionen zu umgehen. Die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen des Landes, das wie Russland und die Ukraine am Schwarzen Meer liegt, seien kompliziert, sagte die in Istanbul ansässige Wirtschaftsexpertin Güldem Atabay im Gesprch na Deutsch der der dass sich die Türkei mit ihrer Haltung gegenüber Russland selbst schützen will.”

Gleichzeitig warnt sie, die Türkei müsse vorsichtig sein: “Sollte versucht werden, Energie von Russland zu kaufen und an den Westen weiterzukaufen, ist diese Haltung nicht mehr richtig. gekauft und verarbeitet und dann an den Westen weiterverkauft werden, könnte das zu einem Problem werden, wenn Russland damit das westliche Embargo unterläuft.” Das zeige auch die strafrechtliche Verfolgung des staatseigenen türkischen Kreditinstituts Halkbank durch die USA, so Atabay.

Auch Timothy Ash, Strategieberater bei BlueBay Asset Management in London, ußerte sich auf Twitter kritisch zum türkischen Vorgehen hinsichtlich der Sanktionen gegen Russland: Ukrainer profitieren zu wollen.

Wie realistisch sind mehr Touristen aus Russland?

Die türkische Regierung hofft, dass der Tourismus nach der COVID-19-Krise in diesem Jahr einen Aufschwung erlebt und die Einnahmen wieder auf ein vorpandemisches Niveau von 35 Milliarden US-Dollar steigen. Atabay ist jedoch überzeugt, dass die Türkei dieses Ziel nicht erreichen wird. Sie geht davon aus, dass die russische Wirtschaft in diesem Jahr um zehn Prozent einbrechen wird: “Die russische Währung hat an Wert verloren, die Inflation steigt. “

Von den 24,7 Millionen Touristen, die im vergangenen Jahr in der Türkei Urlaub machten, kamen etwa 4,7 Millionen aus Russland. Sie machten damit laut Zahlen des türkischen Ministeriums für Kultur und Tourismus mit 19 Prozent der Touristen insgesamt die größte Gruppe aus, gefolgt von deutschen Touristen mit 12,5 Prozent und ukrainischen Touristen mit 8,3.

Adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo.

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