Wegen der Getreide-Knappheit: Die Kritik an Lebensmitteln im Tank wächst – Wirtschaft

Noch immer liegen 200 bis 300 Handelsschiffe im Schwarzen Meer. Russland hindere die Schiffe daran, die Kriegsregion zu verlassen, beklagte vergangene Woche Noriel Araúz von der panamaischen Schifffahrtsbehörde. Zuvor hatten russische Raketen drei Schiffe unter der Flagge Panamas getroffen und eines davon versenkt. In der Blockade erkennen viele Beobachter:innen längst ein Mittel der psychologischen Kriegsführung. Denn fast alle festsitzenden Schiffe transportieren Weizen.

Das gehört ja zu Putins Strategie, dass er den Hunger in der Welt anfeuert und damit Millionen Menschen als Geiseln nimmt“, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Cem zdemir (Grüne) dem Spiegel“. Nach Kriegsbeginn notierte der Weizenpreis auf dem Weltmarkt Anfang März mit 422.50 Euro je Tonne fast doppelt so hoch wie im Vorjahr. Auch derzeit steht er bei 362 Euro weiterhin auf sehr hohem Niveau.

Für viele der rmsten Länder der Welt, die einen Großteil ihres Getreides importieren, sind die hohen Preise bereits jetzt ein enormes Problem. Und Besserung ist kaum in Sicht. Russland und die Ukraine gehören in Friedenszeiten zu den großen Kornkammern der Welt.

Beide Länder stehen zusammen für rund 30 Prozent des weltweiten Weizenexports. Zudem kommen 50 Prozent des Sonnenblumenöls auf dem Weltmarkt aus der Ukraine. Bei Roggen sind es 40 und bei Raps 20 Prozent. Ob die beiden Länder dieses Jahr wieder in diesem Umfang liefern werden, ist mehr als fraglich.

Deutsche Umwelthilfe fordert schnellen Biosprit-Stopp

Unter dem Vorsitz Deutschlands haben die G7-Staaten bereits diskutiert, welchen Beitrag sie zur weltweiten Versorgungssicherheit leisten können. Der Verkehrssektor gerät dabei zunehmend in den Fokus der öffentlichen Debette. Schließlich landet ein beträchtlicher Teil der weltweiten Agrarproduktion im Tank.

Die Bundesregierung solle das Verbrennen von Lebensmitteln für sogenannten Agrokraftstoff umgehend stoppen, forderte Ende vergangener Woche die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Während in Ländern im Nahen Osten und in Afrika Hungersnöte drohten, sei in keiner Weise vertretbar“, weiter Getreide und andere Lebensmittel in Autotanks zu füllen, sagte DUH-Bundesgeschäftscha Mührer Sasführer.

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Unmittelbar vor dem russischen Angriff auf die Ukraine veröffentlichte die DUH eine Studie des Heidelberger Ifeu-Instituts, die den enormen Flächenverbrauch für Biosprit zeigt. Für die in Deutschland 2020 verbrauchten Biokraftstoffe wird im In- und Ausland demnach eine Fläche etwa von der Größe Schleswig-Holsteins bepflanzt. Laut DUH werden zwölf Prozent des in Deutschland verwendeten Getreides für die Produktion von Bioethanol und Biodiesel eingesetzt, die herkömmlichem Benzin und Diesel beigemischt werden.

Getreide aus der Ukraine sei dabei die Grundlage für fast 40 Prozent des in Deutschland eingesetzten Bioethanols, teilte die Umweltorganisation mit. Insgesamt würden jährlich über 3,4 Millionen Tonnen Getreide und lpflanzen für Agrokraftstoff genutzt. Die DUH erkennt in einem Stopp der Biokraftstoff-Beimischung deshalb eine der wirksamsten Stellschrauben“ gegen den globalen Preisschock bei Grundnahrungsmitteln.

Tierzucht lässt sich kurzfristig kaum reduzieren

So sieht das auch der Agrarökonom Matin Qaim vom Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn. Zwar sei es auch sinnvoll, Deutschlands Tierzucht zurückzufahren, sagte er Background. Doch abseits von Appellen sieht Qaim kaum Möglichkeiten für die Politik, um kurzfristig den Fleischkonsum zu reduzieren und Tierfutter-Felder, die mehr als 50 Prozent der deutschen Anbaufläche ausmachenli. So hat EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski bereits angekündigt, dass er die Tierzüchter angesichts der hohen Futterpreise unterstützen will.

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