Warum das Geschäftsmodelll am Ende ist

Erfolgreiche Verkäufer stellen sich mit möglichst allen potenziellen Kunden gut. Dieser Maxime folgten alle Bundesregierungen der vergangenen Dekaden – und so waren Produkte „made in Germany“ in den untereinander verfeindeten Golfstaaten genauso hochangesehen wie bei deren gemeinsamem Gegner Israel; die deutsche Wirtschaft lieferte hochwertige Autos und Maschinen gleichermaßen nach China und Amerika wie nach Indien und Pakistan. Zudem pflegten Deutschlands Politiker nach dem Zweiten Weltkriegs gute Kontakte zum Energielieferanten Sowjetunion und später zu Russland – ganz gleich, wie martialisch die Töne aus dem Kreml auch waren.

So gelang es, über weltumspannende Lieferketten günstige Rohstoffe und Vorprodukte zu importieren, daraus im Hochlohnland Deutschland hochwertige Endprodukte zu produzieren und diese dann mit gutem Gewinn wieder. Keine andere der großen Volkswirtschaften weist heute einen hnlich hohen Offenheitsgrad auf wie die deutsche. Ex- und Importe summieren sich auf über 80 Prozent in Relation zur wirtschaftlichen Gesamtleistung. Zum Vergleich: In Japan und China liegen diese Quoten bei gut einem Drittel und in den USA sogar nur bei etwas mehr als einem Viertel.

Dieses exportorientierte Geschäftsmodelll wurde nicht am Reißbrett entworfen. Vielmehr haben sich der hohe Industrieanteil und die damit verbundene Exportorientierung in den vergangenen 150 Jahren urwüchsig entwickelt. Die mehrfachen Aufwertungen der D-Mark im Nachkriegsdeutschland wirkten als Produktivitätspeitsche. Und so wurde die deutsche Volkswirtschaft zu einer der wettbewerbsfähigsten der Welt.

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Dieses Geschäftsmodell funktionierte am besten, als der Welthandel wie in den Jahren 1990 bis Mitte des vergangenen Jahrzehnts boomte – und die Handelspartner die Grundregeln des Welthandels beachteten. ber Menschenrechtsverletzungen konnte man zumeist hinwegschauen, solange sie auf das Inland begrenzt blieben. Schließlich bestand die Hoffnung, mit steigendem Wohlstand nach westlichem Vorbild würden sich auch westliche Werte verbreiten.

Mit dem völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine wurde nun von Russland aber eine rote Linie überschritten, die ein Wegschauen unmöglich macht. Folgerichtig schloss sich die Bundesregierung den harten Wirtschaftssanktionen gegen den Aggressor an. Freilich erweist sich nun der hohe Offenheitsgrad als Nachteil. Bereits während der Coronapandemie fielen Lieferungen von Vorprodukten aus Fernost aus, und einige Bänder standen vorübergehend still. Doch würden auf einen Schlag Gas, Kohle und l aus Russland ausbleiben, drohte der gesamten Industrie eine veritable Rezession. Der grüne Wirtschaftsminister Robert Habeck Brachte das Dilemma auf den Punkt:

China strebt eine autarke konomie an

China hat die Gefahr solcher Abhängigkeiten erkannt. Unter Staatschef Xi Jinping strebt das Land offensichtlich an, sich in eine weitgehend autarke konomie zu verwandeln, die immer weniger von Importen und ausländischen Konzernen abhängig sein soll. Neue Absatzmärkte, billige Produktionsstätten und junge Arbeitskräfte erschließt sich China entlang seiner Neuen Seidenstraße“. Ausländische Produzenten wären nur dann noch willkommen, wenn sie Güter anbieten, die das Land (noch) nicht selbst herstellen kann. Der bis 2025 geltende Fünfjahresplan sieht vor, heimische Unternehmen zu stärken und sie möglichst autark zu machen – was nichts anderes ist als America first“ auf Mandarin.

Der Autor

Prof. Bert Rürup ist Präsident des Handelsblatt Research Institute (HRI) und Chefökonom des Handelsblatts. Er war viele Jahre Mitglied und Vorsitzender des Sachverständigenrats sowie Berater mehrerer Bundesregierungen und ausländischer Regierungen. Mehr zur Arbeit von Professor Rürup und seinem Team finden Sie unter research.handelsblatt.com.

Kontrolle der Rohstoffe ist für China ein zentrales Instrument, um die globale technologische Vorherrschaft zu erreichen. Ein international isoliertes rohstoffreiches Russland würde bestens in solch ein chinazentriertes Netzwerk passen, da es China an Energie und Nahrungsmitteln mangelt. Zudem verbindet diese beiden Riesenreiche eine tiefe Abneigung gegen die USA und den freiheitlich-demokratischen Lebensstil des Westens.

Noch scheint die Pekinger Führung unsicher zu sein, ob sie sich offen an Russlands Seite stellen soll – und damit Gefahr liefe, selbst zum Ziel von Wirtschaftssanktionen zu werden. Schlielich wäre eine Abkoppelung von der Weltwirtschaft für China mit massiven Risiken verbunden.

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Ohne den noch immer wichtigen Technologietransfer aus dem Westen dürfte es kaum möglich sein, bis zum Jahr 2049, dem 100 Ein sofortiger Strategiewechsel wäre zudem für Xi gefährlich, da der Machtanspruch der KP an der Glaubhaftigkeit des Wohlstandsversprechens an die Bevölkerung hängt.

Selbst wenn es nur zu einer informellen Allianz zwischen Peking und Moskau käme, wäre eine Teilung der Welt in zwei Blöcke wie während des Kalten Kriegs die Folge. Dies wäre nicht nur für einzelne Unternehmen mit starkem Chinafokus ein Super-GAU, sondern für die gesamte deutsche Volkswirtschaft. Schlielich basierte ein beachtlicher Teil des deutschen Wirtschaftswachstums in den vergangenen Dekaden direkt oder indirekt auf dem rasanten Wachstum in Fernost.

Ohne Seltene Erden läuft hierzulande nichts

Geriete der Handel mit China in Stocken, würden nicht nur wichtige Auslandsumsätze wegbrechen, sondern auch die Produktionskosten wegen höherer Rohstoff- und Vorproduktpreise in die Höhe schnellen. Ohne Seltene Erden aus China dreht sich kein Windrad, funktioniert kein Handy und kein Elektroauto. Welch scharfes Schwert China mit diesem Monopol besitzt, zeigte sich 2020, als Peking wegen eines Territorialstreits vorübergehend keine Seltenen Erden an Japan lieferte und so die drittgrößte konomie der Welt ins Schleudern brachte.

In einer neuen bipolaren Welt würde zwangsläufig auch die wirtschaftliche Macht der USA wachsen. Dem steigenden Druck, immer mehr Investitionen und Arbeitsplätze in die USA zu verlagern, könnten sich auch deutsche Unternehmen nicht entziehen. Wer in solch einer Welt seine Produkte auf dem weltgrößten Markt vertreiben will, der wird die dortigen Spielregeln akzeptieren und mit der Wertschöpfung auch Investitionskapital in die USA verlagern müssen.

Für den großen Globalisierungsgewinner Deutschland wäre diese Entwicklung fatal. Das Schrumpfen des industriellen Sektors würde die in der Bevölkerungsalterung ohnehin angelegten Wohlstandseinbußen verstärken und die für Energiewende, Digitalisierung, Landesverteidigung und nicht zuletzt schlernözialnözialn Refinnözielnözielnellere mnnrnellen verstärken und die für Energiewende Großflächige Staatshilfen, wie etwa das jüngste Energiekosten-Entlastungspaket oder stetig steigende Zuschüsse an die Sozialkassen, können auf Dauer nicht über diese Wachstumsschwäche hinweghelfen. Die Soziale Marktwirtschaft drohte zu scheitern.

Bekanntermaßen stirbt die Hoffnung zuletzt: Die deutsche Wirtschaft hat den Kalten Krieg gut verkraftet. In der Vergangenheit hat sich die deutsche Industrie sehr anpassungsfähig gezeigt. Zudem hat sich eine chinesisch-russische Freundschaft nie als nachhaltig erwiesen. Auch heute fällt es noch schwer, sich Wladimir Putin in der Rolle eines Juniorpartners vorzustellen.
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