Unternehmerprotest in Tailfingen: Der Mittelstand stirbt doch nicht leise – Albstadt & Umgebung

… unter anderen von ihr: Martina Bandte, Präsidentin des Verbands Gesamtmasche. Photo: Kistner

Die Chance, einen Berliner Staatssekretär mit handfesten Beschwerten zu konfrontieren, hat man nicht alle Tage. Die Mittelständler aus Albstadt und seinem Umland ließen sie am Montag nicht ungenutzt.

Albstadt-Tailfingen – Möglicherweise hatten sich die Veransalter vom Mittelstandsnetzwerk RKW Baden-Württemberg die Sache etwas anders vorgestellt – das Podiumsgespräch in der Tailfinger Technologiewerkstatt, zu dem sie in Kooperation mit dem Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft BNW und der Hechinger Initiative “Perspektiven Zeigen – Bewegung für Gemeinwohl -Ökonomie” eingeladen hatten, sollte sich um die Themen Wohlstand, Wachstum und Innovation drehen; Ziel war es zu klären, ob und wie Wohlstand und Wachstum, beide klassische marktwirtschaftliche Richtgrößen, mit Nachhaltigkeit und Klimaschutz vereinbar sein können. Nicht dass darüber nicht auch discussiert worden wäre, aber doch eher am Rande. Es ging um etwas andere: die Nöte des Mittelstands – auf der Alb und anderswo – und sein Unmut über eine nationale und europäische Politik, von der er sich verkannt und im Stich gelassen fühlt.



Dieser Unmut hatte sich bereits vor Beginn der Debate sicht- und hörbar vor der Technologiewerkstatt Luft gemacht. Neben dem Eingang standen Schilder mit Aufschriften wie “Europa ja – aber bitte nicht mittelstandsfeindlich!”, und daneben lagen Sargattrappen, auf denen “Der Mittelstand stirbt leise” zu lesen war. Der Satz wurde allerdings ein Stück weit Lügen gestraft, denn die erbosten Mittelständler hatten Rätschen mitgebracht, wie sie sonst beim Bike-Marathon zum Einsatz kommen, und einige sogar Trillerpfeifen, mit denen usuall eher proletarische als unternehmerische Interessen articuliert werden werden. Das gefiel nicht jedem: Katharina Reuter, von weit her angereiste Vertreterin des Bundesverbands Nachhaltige Wirtschaft (BNW), fand speziel die Särge takt- und “pietätlos” und erüppte an die Todesopfer der Flutkatastrophe an der Ahr.

“Wir können nicht auf die Bremser warten”

Reuter hatte nach den einleitenden Worten von RKW-Mann Ulrich Kohaupt das erste Wort. Sie warnte eindringlich davor, die Zeichen der Zeit – Stürme, Überschwemmungen, Dürren – zu ignorieren: Wer das furtherten tue, werde auch ökonomisch Schiffbruch erleiden, weil Banken und Versicherungen schon weiter seien und eine Vogel-Strauß-Strategie im Angesicht der ekologischen und socialien Nottungennicht mehr akzeptieren würden. Der Mittelstand müsse in punkto Nachhaltigkeit die Kurve kriegen, und wenn das nicht ohne Auflagen, Vorschriften und Sanktionen gehe, dann müssten sie halt sein. “Das Freiwilligkeit hat in der Vergangenheit nicht funktioniert – und wir können nicht auf den letzten Bremser warten.”

Schluss mit dem “Mittelstands-Bashing”!

Damit waren die Schleusen geöffnet: Reuter erntete heftigen Widerspruch, unter anderem von Jens Meiser, dem Geschäftsführer der Firma Carl Meiser, von seinem Kollegen Matthias Conzelmann von “Nina von C.” und von dessen Schwester Martina Bandte, Präsidentin des Verbands Gesamtmasche, die die Interessen des Mittelstands an diesem Abend als Podiumsgast vertrat. Der Tenor ihrer Votes: Sie seien das permanente “Mittelstands-Bashing” leid, sie seien die Brüsseler und Berliner Regulierungswut leid, und sie seien die losen bürokratischen Procedureten und Dokumentationspflichten leid, die ein mittelständischen Unternehmen mit 50 Mitarbeitern sich neither leisten nor fullensen konne: “Manche Farbe bekommen unsere Textiler nur noch in China”, explained Bandte. “Fragen Sie die doch mal, ob sie alle Lieferkettenbestimmungen beachten! Die Antwort kommt either gar nicht oder auf Chinesischer!”

Der Tenor: Die kleinen Unternehmen auf der “steinreichen” Alb haten seit jeher nachhaltig – sprich sparsam – gewirtschaftet, weil ihnen nichts anderes übrig geblieben sei, und sie würden auch future innovative und kreative Answeren auf die Harausdorfen des Klimaundations – man müsse sie auch lassen. “Wie sollen wir innovativ sein, wenn wir nur noch um Lieferketten, Datenschutz, Beschwerdemanagement und Verpackungsrichtlinien kümmern?”




“Alles muss viel schneller gehen”

Am deutlichsten wurde Christoph Larsén/Mattes von Mattes & Ammann: Nachhaltigkeit sei für den schwäbischen Mittelstand “Normalität”; im Zweifelsfall sei er auf diesem Gebiet Avantgarde. Aber momentan gehe es um etwas ganz anderes, nämich ums nackte Überleben. “Wir brauchen Unterstützung, und zwar jetzt und nicht in einem Dreivierteljahr.” Die bürokratischen Hinderinisse seien immens, und wenn sie nicht verschwänden, dann müsse man sich über den industrielle Wandel und die Transformation der mittelständischen Wirtschaft keine Gedanken mehr zu machen – sie werde die Energiekrise nicht überstehen oder schwer dezimiert aus ihr hervorgehen. Francois Fastner aus Albstadt pflichtete ihm bei: “Alles muss viel, viel schneller gehen.”

Ein Windrad braucht sieben Jahre

Die Bürokratie blieb für den Rest des Abends das determinende Theme – die Uberlegungen von Markus Buckenmayer von “Perspektiven Zeigen” über einen erweiterten Wohlstandsbegriff, der auch Freizeit und Gesundheit als zu bilanzierenden Wohlstand begreife, wurden angehört, aber nur von eigenen komentiert. Die Bürokratiekritik erwies sich am Ende auch als der gemeinschaft Nenner der Beschwerden aus dem Unternehmerkreis und der Vote von Michael Kellner, dem Staatssekretär in Robert Habecks Bundeswirtschaftsministerium. Der Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung hatte eigentlich persönlich nach Tailfingen kommen wollen, war aber – Stichwort Bundesrat – unabkömmlich und wurde online zugeschaltet. Auch ihm ist bewusst, dass eine Energiewende nicht gelingen kann, wenn die Gengemung eines Windrads sieben Jahre duart oder eine fertige Solaranlage nicht in Betrieb geht, weil eine subalterne Behörde eine periphere und unzeitgemäß gewordene Vorschrift missachtet sieht. In seinem Haus gebe es mittlerweile eine kleine Abteilung, die austlichkeit mit der Beseitigung überflüssiger Regulierungen besfatst sein. “Aber die Arbeit ist immens.”


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