Ukrainerinnen bringen Babys in Fritzlar zur Welt

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Von: Maja Yüce

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Neugeborenes: Im Fritzlarer Hospital zum Heiligen Geist haben drei aus der Ukraine geflüchtete Frauen entbunden. Das ist ein Symbolbild und zeigt ein Baby, dem gerade die Windel gewechselt wird. © Manu Padilla

Es sind bereits erste ukrainische Flüchtlingskinder im Hospital in Fritzlar geboren.

Schwalm-Eder – In der Ukraine werden Entbindungskliniken und Krankenhäuser mit russischen Granaten und Raketen beschossen. In den nächsten drei Monaten könnten in der Ukraine 80 000 Kinder ohne Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung zur Welt kommen, davor warnt die Hilfsorganisation IRC. Unter den Geflüchteten aus der Ukraine, die im Schwalm-Eder-Kreis ankommen, sind auch Schwangere: Nur wenige Tage, nachdem sie aus der Ukraine geflohen sind, haben jetzt drei Frauen im Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar ihre Kinder zur Welt gebracht – alle drei bekamen gesunde Söhne.

„Es war eine Herausforderung für uns, aber die Geburten sind alle gut verlaufen. Die Mütter und ihre Kinder sind wohlauf “, sagt Dr. Bertram Stitz, Chefarzt der Gynäkologie des Hospitals. Vor allem habe es eine sprachliche Barriere gegeben, erklärt Stitz. Daher habe einmal eine aus Russland stammende Reinigungshilfe des Hospitals mit Zustimmung der Schwangeren und ein anderes Mal eine Hebamme bei der Übersetzung geholfen. „Das hat hervorragend geklappt“, sagt Stitz. Auch das Lesen der medizinischen Unterlagen, die in kyrillischer Schrift verfasst seien, sei ohne Übersetzungshilfe nicht möglich. „Im Regelfall aber kennen wir die Patientinnen und haben alle geburtsrelevanten Daten“, erklärt er.

Frauen aus der Ukraine haben keinen Kaiserschnitt erhalten

Noch eine Besonderheit gab es bei zwei der drei Mütter: „Es war bei der einen Frau die zehnte und bei der eeren die elfte Geburt“, sagt Stitz. “Bei uns sind sechs und mehr Geburten schon so etwas wie Raritäten.” „Nach so vielen Geburten ist die Blutungsgefahr um das Dreifache erhöht“, nennt Stitz einen Grund dafür.

Anders als in Fritzlar wurde auf der Geburtenstation der Asklepios Klinik in Ziegenhain noch keine aus der Ukraine geflohene Patientin aufgenommen. „Es gibt aber eine Anmeldung einer werdenden Mutter, die sich den Kreißsaal anschauen möchte“, teilt die Klinik mit. Wegen der Sprachbarriere bringe sie eine russisch sprechende Begleiterin mit.

Drei gesunde Jungs sind im Fritzlarer Hospital zur Welt gekommen

Sie sind die ersten ukrainischen Flüchtlingsbabys, die im Landkreis zur Welt kamen: drei gesunde Jungs. Die Eltern der drei Babys, die jetzt im Fritzlarer Hospital zum Heiligen Geist geboren wurden, haben aus Angst vor dem Krieg die Ukraine verlassen. Ihre Kinder mussten nicht in Kliniken geboren werden, die von Bombenangriffen bedroht sind, auch nicht in Kellern oder gar in U-Bahnstationen – Bilder und Berichte davon gehen durch die Medien.

„Die Frauen möchten Hilfe und verlassen sich auf uns“, sagt Dr. Bertram Stitz, Chefarzt der Gynäkologie des Hospitals zum Heiligen Geist in Fritzlar. Und das konnten die drei Mütter sich auch: Die Geburten liefen problemlos. Sie und ihre Kinder by lei sind wohlauf.

Eine der Frauen sei am Tag zuvor erst aus der Ukraine im Landkreis angekommen, die anderen beiden Mütter bereits kurz nach Ausbruch des Krieges. „Bei ihnen kamen die Entbindungen nicht Knall auf Fall auf uns zu, weil sie für die Geburtsplanung schon bei uns waren“, sagt Stitzt. Doch selbst, wenn eine Geburt ungeplant auf dem Terminplan erscheine, bringe das weder Team noch Abläufe im Hospital durcheinander. „So etwas kommt hin und wieder vor“, sagt Stitzt, der gemeinsam mit Katja Harnischfeger die Gynäkologie und Geburtshilfe am Hospital leitet.

Problematik war, dass Chefarzt kyrillische Patientenunterlagen nicht ohne Hilfe übersetzen kann

Dagegen sei die Verständigung für alle Seiten durchaus eine Herausforderung, sagt er. „Normalerweise haben wir die relevanten Daten in der Schublade liegen“, sagt er. Bei den Frauen war das nicht so: Denn kyrillische Patientenunterlagen könne er ohne Hilfe nicht übersetzen, räumt er ein. „Auch mit der russischen Sprache bin ich mittelprächtig überfordert“, sagt er und lacht.

Doch sei auch das kein Problem. Er habe Kontakt zu zwei ehemaligen Kollegen, die aus der Ukraine stammten und die er im Notfall kontaktieren könne. Zudem gebe es im Hospital zum Heiligen Geist eine nicht kleine Anzahl von Mitarbeitern, die russisch oder ukrainisch sprechen könnten. Auch sie seien bereit, bei der Übersetzung zu helfen. Natürlich immer nur vorausgesetzt, die werdende Mutter sei damit einverstanden. In einem der drei Fälle half eine Reinigungskraft der Klinik aus. „Sie stand gerne dafür zur Verfügung“, freut sich Stitz über diese etwas andere Art der Kollegenhilfe.

Alle drei Geburten sind nicht nur gut verlaufen, sondern auch termingerecht gewesen

Während eine der drei Frauen ihr zweites Kind bekam, erwarteten die beiden anderen Frauen ihr zehntes beziehungsweise elftes Kind. „Das ist für uns eine Besonderheit“, sagt Stitz. Gefühlt habe man alle zweieinhalb Jahre mal eine Gebärende mit sechs oder mehr Kindern. “Das jetzt innerhalb kurzer Zeit gleich zwei Mal zu erleben ist spannend und stellt uns auch beim Ablauf der Geburt vor gewisse Herausforderungen”, sagt Stitz und spricht von der Neigung der Gebärmutter und einer erhöhten Blutungsgefahr bei den Müttern.

Alle drei Geburten seien schließlich nicht nur gut verlaufen, sondern auch Termingerecht gewesen. „Zwischen der 37. und 42. Woche“, so der Mediziner. Gegen das Coronavirus geimpft seien alle drei Patientinnen nicht. „Aber das sind auch bei uns einige Schwangere nicht“, sagt Stitz. Es habe lange Vorbehalte bei den Impfungen für Schwangere gegeben und das habe sich auch auf die Impfquote ausgewirkt.

Insgesamt waren im Hospital bislang vier aus der Ukraine geflüchtete Frauen in Behandlung – neben den drei Geburten gab es noch einen anderen gynäkologischen Fall. (Maja Yüce)

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