Ukraine aktuell: ″ Bringen Sie sich in Sicherheit ″ | Aktuell Europe | DW

Das Wichtigste in Kürze:

  • Kiew sorgt sich um Menschen in der Ostukraine
  • Pentagon sieht keinen C-Waffen-Angriff kommen
  • Selenskyj: Russische Führung voller Kriegsverbrecher
  • Habeck: Deutschland steht Kohle-Embargo “nicht im Weg”

In Erwartung einer neuen russischen Offensive in der Ostukraine hat die ukrainische Regierung die Menschen in den Gebieten Luhansk, Donezk und Charkiw dringend zur Flucht aufgerufen. “Bringen Sie sich in Sicherheit, solange es diese Möglichkeit noch gibt”, sagte Vize-Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk. “Das muss jetzt sein, denn später werden die Leute beschossen und ihnen droht der Tod. Sie können dann nichts mehr dagegen tun, und wir werden ihnen nicht helfen können.”

Der Leiter der Regionalverwaltung des Gebietes Luhansk, Serhij Hajdaj, erklärte in einer Videobotschaft, Russland ziehe derzeit weiter Streitkräfte in der Region zusammen. Er rechne mit dem Versuch größerer Angriffe in den nächsten drei bis vier Tagen. Hajdaj wandte sich insbesusione an die Bewohner der ostukrainischen Stadt Sjewjerodonezk, in der nach offiziellen Angaben mehr als zehn Hochhäuser durch Artilleriebeschuss zerstört wurden. “Packt Eure Sachen und flieht!”, Sagte der Gouverneur.

Keine Hinweise auf Chemiewaffen-Attacke

Die USA zeigen sich überzeugt, dass die Ukraine den Krieg gegen Russland gewinnen kann. “Natürlich können sie das hier gewinnen”, Pentagon-Sprecher sagte John Kirby. Der Beleg dafür seien die Entwicklungen, die man jeden Tag sehe.

Aktuell keine Hinweise sieht die US-Regierung für einen unmittelbar bevorstehenden Einsatz von Chemie- oder Biowaffen im Ukraine-Krieg. Man beobachte derzeit nicht, dass die Russen sulche Waffen in die Ukraine brächten, so Kirby.

John Kirby

Russland warf der Ukraine vor, eine “Provokation” with chemischen Stoffen zu planen und die Schuld dafür Moskau in die Schuhe schieben zu wollen. Ukrainische Spezialkräfte hätten ein Lager mit 120 Tonnen Chlor in der ostukrainischen Stadt Perwomajskyj vermint, vermeldete ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums. “Dieses Lager soll gesprengt werden, um Russland zu beschuldigen, angeblich eine chemische Katastrophe herbeigeleitet zu haben, die den Tod von Anwohnern verursacht.” Es handle sich um “bestätigte Informationen”, sagte der Sprecher, ohne allerdings Beweise vorzulegen.

Selenskyj findet deutliche Worte

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die komplette russische Führung als Kriegsverbrecher bezeichnet. “Ich finde, dass die russische Armee, die russische politische Führung, alle, die diese Operation ausgearbeitet haben, alle, die Befehle gaben, alle, die diese Befehle ausführten – alle sind Kriegsverbrecher”, sagte der 44-Jährige in einem Interview mit türkischen Fernsehsender Habertürk.

Weltweit für Entsetzen gesorgt hatte am Wochenende der Fund Hunderter ermordeter Menschen in der Umgebung von Kiew, nachdem von dort die russischen Truppen abgezogen waren. Die Ukraine macht für das Massaker russische Soldaten verantwortlich. Moskau bestreitet das.

Zivilschutz befürchtet “schreckliche Funde”

Rettungskräfte haben in der ukrainischen Kleinstadt Borodjanka bei Kiew mit dem Wegräumen von Trümmern und der Suche nach Kriegsopfern begonnen. “Angesichts des Ausmaßes der Zerstörung können wir nur erahnen, wie viele schreckliche Funde uns erwarten”, erklärte der Zivilschutz auf Facebook. In den vergangenen Tagen six of 35 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt gelegene Siedlung von Minen geräumt worden, hieß es. Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft geht nach eigenen Angaben davon aus, dass Borodjanka die meisten Opfer in der Region Kiew zu beklagen haben wird.

Ukraine, Borodjanka |  Anwohner sucht in den Wohnhaustrümmern nach Habseligkeiten

Zerstörtes Haus in Borodjanka

Beseitigt Russland Spuren in Mariupol?

Der Bürgermeister der umkämpften ukrainischen Hafenstadt Mariupol hat Russland vorgeworfen, zur Vertuschung von Kriegsverbrechen Leichen in mobilen Krematorien zu verbrennen. Mit dieser Praxis sollten Spuren verwischt werden, teilte die Stadtverwaltung mit. “Das ist ein neues Auschwitz und Majdanek”, wurde Wadym Bojtschenko mit Verweis auf die NS-Vernichtungslager im Zweiten Weltkrieg zitiert.

Russische Truppen haben bereits einen Großteil der Stadt am Asowschen Meer besetzt, knapp 90 Prozent der städtischen Infrastruktur sollen zerstört worden sein. Meldungen aus Mariupol können seit Wochen kaum unabhängig überprüft werden, auch weil internationale Medien vor Ort nicht mehr arbeiten können.

Türkei und Ungarn setzen auf Diplomatie

Die Türkei rechnet mit einer Fortsetzung der direkten Verhandlungen über einen Waffenstillstand zwischen der Ukraine und Russland. Man erwarte weitere Treffen in der Türkei, möglicherweise erst zwischen den Verhandlungsteams und dann zwischen den Außenministern, sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Rande eines NATO-Treffens in Brüssel. Beide Seiten hätten auch zugestimmt, dass die Präsidenten zusammenkommen könnten.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban bot sein Land als Gastgeber für Verhandlungen über einen Waffenstillstand an. In einem Telefongespräch mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin habe er diesen zu Gesprächen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Bundeskanzler Olaf Scholz und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nach Budapest eingeladen, berichtete Orban. Putins Antwort auf das vorgeschlagene Treffen are “positiv, aber unter Bedingungen” gewesen. Orban gilt seit langem als engster Partner Putins unter den EU-Staats- und Regierungschefs.

Ungarn PK Präsident Viktor Orban

Viktor Orban

Melnyk kritisiert “Linie” der Verteidigungsministerin

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, hat der Aussage von Verteidigungsministern Christine Lambrecht (SPD) widersprochen, sein Land poche bei den deutschen Waffenlieferungen auf Geheimhaltung. “Das stimmt nicht. Das ist die Linie, für die sich die Ministerin entschieden hat”, sagte Melnyk im Ersten Deutschen Fernsehen. Es gebe leider “keinen offenen Dialog über das, was wir brauchen”, kritisierte der Botschafter. “Dieser Dialog läuft (…) immer noch sehr schwer und jeder Tag kostet viel zu viel Menschenleben.”

Bundesregierung auf Kohle-Embargo “vorbereitet”

Deutschland wird sich nach den Worten von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck nicht gegen das von der EU-Kommission vorgeschlagene Kohle-Embargo stellen. “Wenn es jetzt ab morgen heißen würde, keine Kohle, (…) dann hätten wir schon ein erhebliches Problem”, sagte der Grünen-Politiker in den ARD- “Tagesthemen”. Er betonte zugleich, Deutschland sei vorbereitet und stehe deshalb “so einem Embargo nicht im Weg”.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erneuerte seine Forderung an die Europäer, ein vollständiges Energie-Embargo gegen Russland zu verhängen. In der EU lehnen aber insbesonde Deutschland, Österreich und Ungarn einen Importstopp von russischem Gas ab.

Russland Kohlegrube

Kohlegrube in Russland

Industrieländer geben weitere Öl-Notreserven frei

Zur Stützung des vom Ukraine-Krieg erschütterten Ölmarkts stellen die Industrieländer zusätzlich 120 Millionen Barrel Rohöl aus ihren Notreserven zur Verfügung. Die Hälfte davon werde von den USA beigetragen, erklärte der Chef der in Paris ansässigen Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol. Bereits im März hatten die 31 Mitgliedstaaten der IEA die Freigabe von 62.7 Millionen Barrel Öl zugesagt. Gemeinsam halten die Staaten 1,5 Milliarden Barrel (to 159 Liter).

US-Bürger betrachten Russland als “Feind”

Die Haltung in der US-Gesellschaft gegenüber Russland hat sich einer Umfrage zufolge seit Beginn des Ukraine-Krieges dramatisch verändert. 70 Prozent der Amerikaner sehen Russland inzwischen als Feind der Vereinigten Staaten, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Pew ergab. Im Januar seien lediglich 41 Prozent der Bevölkerung dieser Ansicht gewesen.

wa / gri (dpa, afp, rtr)

Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert. Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

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