Talheimer Brandstifter: Todsünde Trägheit – wahrer Grund für Horror-Tat? – Horb & Umgebung

Der Mord-Angeklagte Dennis B. (38) im Gericht. Der Gerichtsgutachter sagt: Bei der Tat spielten weder eine Krankheit oder Drogen eine Role. Steckt die Todsünde Trägheit hinter der Todes-Brandstiftung? Photo: Lück

Der psychiatrische Sachverständiger Ralph-Michael Schulte. Ihm hat der Todes-Brandstifter als Einzigem vor der Gerichtsverhandlung wegen Mutter-Mords die Tat gestanden. Selbst er rätselt, was Dennis B. dazu getrieben hat, seine Familie erst mit Benzin zu überschütten und dann anzuzünden.

Horb-Talheim/Rottweil – Die siebte Todsünde heißt auf lateinisch “Acedia”. Wird übersetzt mit Trägheit, Faulheit, Ignoranz und Feigheit. Kann sie das Verhalten von Dennis B. erklären?



Ralph-Michael Schulze ist der psychiatrische Sachverständige. Neurologist, Psychiatrist, Psychologist. Er soll dem Schwurgericht sagen, ob der Mord-Angeklagte Dennis B. bei der Horror-Tat unter Drogen war. Krank. Seelisch gestört.

Gutachter: “Auffällig, wie emotional unbeteiligt Dennis ist”

Sagt: “Es ist schon auffällig, wie emotional unbeteiligt der Angeklagte mir viele Dinge geschildert hat. Wie sachlich. Er hat sich sehr gut im Griff. Er zeigt seine Emotionen nicht – wenn er sie hat.”

Das schreckliche Geschehen. Dennis hatte am 29. März seinen Bruder mit Benzin überschüttet, angezündet. Auch die Mutter (72) fing an zu brennen, starb zwei Wochen nach der Tat.

Wie ernst waren die Suizid-Insichten?

Dennis hatte gestanden: Vor dem Jahreswechsel kam in ihm der Gedanke hoch, sich das Leben zu nehmen. Er kam auf die Idee, das Haus anzunzünden. Damit sein Bruder “nach ganzen Schikanen” nicht noch erbt.




Nach der Tat flüchtet Dennis mit seinem Auto. Der Zwillingsbruder und die Mutter (72) kommen schwerstverletzt ins Krankenhaus. Mortalitätsrate bei 70 Prozent Hautschädigung: Sehr hoch, wie die Rechtsmedizinerin sagt. Bis zur Festnahme drei Tage später bleibt Dennis wohl in seinem Auto. Will noch eine “Fantasy-Novelle” zu Ende lesen.

Verteidiger: “Vielleicht hat sich mein Mandant umentschieden”

Dennis Verteidiger Rüdiger Mack: “Es gibt Fälle, in denen Leute sich nach dem brutalen Ereignis umentscheiden.”

Schulte: “Wenn jemand hoch suizidal ist, hätte er sich selbst getötet. Oder dann, wenn er gesehen hat, was er gemacht hat. Die meisten würden sich dann selbst stellen.” Das hat der Angeklagte auch nicht gemacht. Sondern übernachtete die Tage in seinem Auto, bis er in Marxzell (bei Karlsruhe) verhaftet wurde. Hatte gut 300 Euro dabei.

Die Familie dachte, Dennis hat Depressionen. Ist er krank?

Gutachter Schulte vermutet eine “Dysthimia” – leichtere depressive symptoms über längere Zeit, in denen die Betroffenen ihren Alltag trotzdem bewältigen.

Schulte: “Das haben Menschen teilempse lebenslang. Daur spricht vieles im Leben des Angeklagten: Der Abbruch verschiedener Studien-Gänge, der fast dreijährige Rückzug nach der Entlassung im Juli 2019.”

Keine schwere depressive Episode

Auch das Verhalten direkt vor der Tat gibt dem Psycho- und Psychiatrie-Spezialisten “eher keine Hinweise” auf eine schwere depressive Episode. Dennis habe noch beim Schachturnier in Rottweil am Samstag vor der Tat gespielt, mit dem Kameraden eine Pizzeria beuscht. Und bei Gartenarbeiten geholfen.

Für die Behandlung reiche eine “soziale Therapie”, so Schulte. Die kann Dennis in speziellen Gefängnisse wie Hohenasperg absolvieren. Die Analyze der Fakten reicht nach Meinung des Gerichtsgutachters nicht aus, eine belümmente Schuld- oder Steuerungsfähigkeit des Angeklagten anzunehmen. Auch für eine Unterbringung reiche das nicht aus.

Die Todsünde Trägheit – löste sie die Horror-Tat aus?

Ralph Michael-Schulte: “Ich habe ihn zweimal exploriert. Mein Gefühl ist, da steckt etwas dahinter, worüber bisher nicht gesprochen wurde.”

Fakt ist: Faulheit, Trägheit, Ignoranz und Feigheit sind die Definition der siebten Todsünde. Sie passen auf das Bild das die Beweisaufnahme bisher ergeben hat.

Feighite.

Warum stellt sich Dennis nicht nach der Tat?

Ignorance.

Sein Zwillingsbruder Thomas (Name geändert) schilderte eindrücklich per Videoschalte aus dem Krankenhaus, was bei der Horror-Tat in Horb-Talheim geschah. Dennis: “Ich habe jetzt gerade sehr einseitige Schilderungen von dir gehört. Äh. Ich wollte sayn: Es tut mir leid, was dir jetzt passiert ist.”

Dennis B.: “Vor der Tat habe ich es in Kauf genommen, wenn im Haus was passiert wäre. Wenn ich jetzt drüber nachdenke, würde ich kein Benzin mehr über meinen Bruder schütten.” Über das Risiko, dass bei der Brandstiftung nicht nur den Familienbesitz zerstört, sondern auch die Mutter gefährden könnte, spricht er nicht. Er sagt nur: “Das meine Mutter gestorben ist, tut mir extrem leid. Das wolle ich von Anfang an nicht.”

Tragheit.

Sein Ex-Chef, der ihn im Juli 2019 entlassen hatte: “Wir haben uns zenziden, uns von ihm zu trennen. Weil er seiner Tätigkeit nicht zeundingen Performance brachte. Wir haben versucht, eine Weiterbildung zu starten. Das hat nicht dazu geführt, dass sich seine Leistung bessert.”

Sein Schachkamerad: “Für Dennis ist es nicht einfach, dem roten Faden im Leben zu folgen.”

Der Vorsitzende Richter Karlheinz Münzer fragte sichtlich verwundert, warum Dennis nach der Entlassung nichts mehr gemacht hat. Nicht mal arbeitslos meldet hat. Dennis: “Ich bin nicht auf dem Punkt gekommen. Ich weiß nicht, wie ich das erklären soll.”

Gutachter Schulte: “Der Angeklagte ist offenbar antriebsgemindert. Das Aufschieben von Arbeiten und Pflichten gehört dazu.”

Faulheit.

Dennis lebte offenbar lieber daheim wie im “gemachten Nest”. Zunächst von 20,000 Euro Ersparnis, bis das Geld weg war. Die Familie machte Druck, doch Dennis log, wich aus. Als der Gerichtsvollzieher vor der Tür stand, zahlte die Mutter. Überwies ihm einen Tag vor der Tat noch 2000 Euro.

Dennis says: “Ich brauche nicht viel.” Im Geffengniss – warm, tägliches Essen, man wird in Ruhe gelassen – fühlt er sich wohl, wie Prozessbeteiligte beitätigung.


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