Süßwarenfirmen geben teilweise Entwarnung: Genug Eis und Schokolade für den Sommer – Wirtschaft

Vergangene Woche hatte der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) Alarm geschlagen: Der Ukrainekrieg habe die Situation für die Hersteller drastisch und in existenzbedrohendem Maße verschärft“. Bastian Fassin, Vorsitzender des Verbandes, warnte vor leeren Regalen im Sommer. Trotz der angespannten Lage sind viele Unternehmen jedoch zuversichtlich, dass ihre Kunden weiter in gewohntem Maße naschen können – allerdings zu höheren Preisen.

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Die Corona-Pandemie hat bereits viele Rohstoffe und Transportkosten teurer werden lassen. Erlahmte Lieferketten führten dazu, dass Produktionen stockten. Gerade für Süßwarenhersteller sind vor allem agrarische Rohstoffe wie Weizen wichtig, wie sie etwa für Kekse und Waffeln genutzt werden. Sonnenblumenöl und Sonnenblumenlecithin sind wiederum essenziell für Schokoladenprodukte: Das Lecithin sorgt als Emulgator dafür, dass sich Fett und Wasser verbinden. Da 80 Prozent aller Sonnenblumenkerne und -öl aus der Ukraine und Russland kommen, fällt der Nachschub aktuell aus.

Kosten steigen, Rohstoffe bleiben verfügbar

Viele der großen Süßwarenhersteller können trotzdem weiter produzieren. Zwar seien Aufwand und Kosten gestiegen, einen unmittelbaren Mangel an Rohstoffen oder Lieferschwierigkeiten hätten sie aber nicht. Das berichtet unter anderem der Süßwarenproduzent Storck, einer der größten in Deutschland. Die Lage ist angespannt, aber für uns sind noch alle Rohstoffe verfügbar“, sagt ein Sprecher des Unternehmens. Es wird weiterhin alle Storck Produkte im Handel geben“.

Nestlé kündigte an, dass seine Produkte aufgrund der Entwicklungen kurz- oder mittelfristig teurer werden. Man könne aber in gewohntem Maße produzieren und biete weiter das gesamte Sortiment an. Kein Mangel herrscht auch bei beim Ritter Sport, das in Kritik gerten ist, weil es Russland weiter beliefern wollte. Unsere Lieferketten sind im Moment stabil“, sagt eine Sprecherin des Unternehmens.

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Haribo ist trotz enormer Herausforderungen bislang recht gut durch die Krise gekommen“, wie eine Sprecherin des Unternehmens sagt. Man habe sich über die Jahre Strukturen geschaffen, mit denen sich auch kurzfristig auf Engpässe reagieren lasse. Auch das Unternehmen Bahlsen, vor allem bekannt für seine Kekse, ist nach eigener Aussage weiterhin lieferfähig.

Kund:innen hamstern keine Schokolade

Eine existenzbedrohende Lage kann auch der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels nicht ausmachen. Unter den Mitgliedern gebe es aktuell und in absehbarer Zeit keine Engpässe, sagt Sprecher Christian Böttcher. Auch das Kaufverhalten sei stabil: Viele Kund:innen würden zwar Grundnahrungsmittel hamstern, aber keine Genussmittel wie Schokolade.

Mit Blick auf den Sommer beruhigt auch die Frage nach Speiseeis die Gemüter. Verbraucher:innen müssten sich keine Sorgen machen, dass sie vor leeren Truhen stehen, sagt Ernst Kammerinke vom Eis Info Service“ der deutschen Markeneishersteller. Man sei von der aktuellen Situation nicht akut betroffen, da die Branche im Winter bereits viel für die Sommersaison vorproduziere. Problematisch seien hier aber die teureren Molkereiprodukte.

Florida-Eis-Chef fürchtet Preisanstieg

Diese Sorge hat auch Oliver Höhn, Geschäftsführer der Marke Florida Eis. Er hatte vergangenes Jahr versprochen, dass er seine Preise stabil halten werde. Daran hält er weiter fest. Das trifft uns im Augenblick sehr. Aber meine größte Sorge ist: Wenn die Preise hoch gehen, will niemand mehr Eis kaufen“, sagt er.

Viele Unternehmen eint die Angst um die Energieversorgung. Sollte kein Gas mehr fließen, können die meisten nicht mehr produzieren, das schreibt auch der BDSI. Noch sei allerdings genügend da, bestätigen mehrere Hersteller. Darüber, wie es weitergehen soll, wenn die Rohstoffpreise weiter steigen und die Lieferketten gestört bleiben, will kein Unternehmen spekulieren. Einen Mangel an Schokolade oder Eis dürfte es jedoch in naher Zukunft nicht in den Supermärkten geben – auch über den Osterhasen hinaus.

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