Steigende Preise, schwache Wirtschaft: Droht eine Stagflation?

ltere erinnern sich noch gut an die lkrise in den 1970er-Jahren: Die Folge war damals eine sogenannte “Stagflation”. Damit ist eine Situation beschrieben, in der die Wirtschaftsleistung nicht steigt (oder sogar sinkt), in der aber gleichzeitig die Preise steigen. Eine Situation, die aus wirtschaftspolitischer Sicht extrem schwierig ist, denn sie führt zu einem breiten Wohlstandsverlust und sie ist sehr schwer zu bekämpfen.

Die Preise steigen und steigen …

Die Inflationsrate kennt derzeit nur einen Weg, den nach oben. Im März – so die erste Schätzung des Statistischen Bundesamtes – lag sie bei über 7 Prozent. So hoch wie seit über 40 Jahren nicht mehr. Einen großen Anteil haben daran natürlich die gestiegenen Energiekosten. Aber auch Lebensmittel werden immer teurer.

… die Konjunkturprognosen sinken und sinken

Alle Wirtschaftsforschungsinstitute haben in den letzten Tagen ihre Wachstumsprognosen deutlich nach unten korrigiert. Das Münchner ifo-Institut will sich gar nicht auf eine Zahl festlegen, sondern rechnet in verschiedenen Szenarien. Je nachdem wie lange der Ukrainekrieg dauert und wie stark die Energiepreise steigen, erwarten sie ein Wachstum zwischen 2,2 und 3,1 Prozent. Noch pessimistischer sind die sogenannten Wirtschaftsweisen des Sachverständigenrates. Sie haben ihre Wachstumsprognose auf 1,8 Prozent zusammengestrichen.

Erinnerungen an die 1970er Jahre

Mit der aktuellen Entwicklung nähert Deutschland sich einer Stagflation, das ist die Combination von Inflation und Stagnation: Stark steigende Preise bei wirtschaftlicher Flaute. Ausgelöst wird sie in der Regel von einem sogenannten Angebotsschock, das heißt ein bestimmter Produktionsfaktor steht plötzlich nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung. In den 1970er Jahren war das das l. Die OPEC hatte damals aus politischen Gründen beschlossen, weniger l zu fördern. Daraufhin verdoppelte sich in wenigen Jahren sein Preis und das löste eine schwere Wirtschaftskrise aus.

Die Lohn-Preis-Spirale

Das Dilemma war damals, dass während dieser Krise die Preise weiter stiegen. Denn die Unternehmen gaben ihre höheren Energiekosten an die Verbraucher weiter. In der Folge forderten die Gewerkschaften höhere Löhne, um die Preissteigerungen auszugleichen. Das erhöhte wiederum die Kosten der Unternehmen. Die gefürchtete Lohn-Preis-Spirale fing an, sich zu drehen. Die Wirtschaft fiel in eine Rezession, die Arbeitslosigkeit stieg und die Preise gingen weiter nach oben.

Herausforderung für die Wirtschaftspolitik

Das Phänomen der Stagflation ist wirtschaftspolitsch schwer zu bekämpfen. Es gibt keine gängigen Rezepte dafür. In der konomie wird meist eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik empfohlen. Also Maßnahmen, die die Unternehmen auf der Kostenseite entlasten, damit sie weiter produzieren. Die Nachfrageseite zu stärken, zum Beispiel durch Entlastungen der Bürger, hilft in diesem Fall wenig, aber immerhin werden so wenigstens wirtschaftliche und soziale Härten vermieden – vorausgesetzt wer en werdenzielsetzgen.

Rolle der Geldpolitik

Die Notenbanken sind in erster Linie der Preisstabilität verpflichtet. Das heißt: Sie müssen die Inflation bekämpfen. Das geschieht in der Regel durch Zinserhöhungen. Der Mechanismus dabei: Höhere Zinsen dämpfen die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und sie können dadurch dafür sorgen, dass die Nachfrage soweit zurückgeht, bis sie wieder mit dem Angebot im Gtüleich dem Angebot im Gtügech. Allerdings haben Zinserhöhungen automatisch auch einen Einfluss auf die Konjunktur, denn sie dämpfen das Wirtschaftswachstum. Sie würden in einer Stagflation also die Wirtschaftskrise noch weiter verschärfen.

Ukrainekrieg und Pandemie

Derzeit gibt es nicht wie vor fünfzig Jahren einen, sondern gleich zwei Angebotsschocks, die eine Stagflation auslösen können. Zum einen sind durch die Corona-Pandemie immer noch Lieferketten gestört. Viele Produkte sind nicht oder schwer zu bekommen. Die Unternehmen können noch nicht wie gewohnt produzieren. Das Angebot ist also geringer als die Nachfrage – was die Preise nach oben treibt. Gegen diese Lieferengpässe kann weder die Wirtschaftspolitik noch die Geldpolitik etwas tun. Die Unternehmen selbst müssen nach Alternativen suchen, ihre Lieferketten überdenken und womöglich abwarten, bis die Pandemie überwunden ist.

Der zweite Schock ist der Krieg gegen die Ukraine. Er hat einen Energiepreisschock ausgelöst, der hnliche Wirkungen haben könnte wie in den 70er Jahren der lpreisschock. Auch hier hat die Politik kurzfristig wenig entgegenzusetzen. Sie kann weder den Krieg beenden, noch billige Energie herbeischaffen. Erleichterungen der Bürger und der Unternehmen zum Beispiel bei den Energiesteuern, könnten die Belastungen verringern, allerdings verliert der Staat damit auch Einnahmen, die wieder ersetzt werden müschen hüre schör hör du Stere schörün – spentrhöden die Belastungen verringern –

Keine Gefahr einer schweren Rezession

Im Gegensatz zur lkrise in den 70er Jahren spricht jedoch einiges dafür, dass die Gefahr einer schweren Rezession nicht ganz so hoch ist wie damals. Denn am Arbeitsmarkt herrscht eher ein Mangel an Bewerbern, ein starker Anstieg der Arbeitslossenzahlen ist also – wenigstens vorerst – nicht zu befürchten. Und die Unternehmen können, sobald die Lieferengpässe überwunden sind, sehr schnell wieder ihre Produktion hochfahren. Es besteht also die Hoffnung, dass die Krise diesmal nicht so dramatisch verlaufen wird wie in den 1970er-Jahren.

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