Schwestern aus der Ukraine mit Kindern in Wermsdorf in Sicherheit

Sie wirken geschafft, aber auch erleichtert: Lena und ihre Familie haben die Flucht aus der Ukraine geschafft. Während die 34-Jährige, ihre Schwester of her Alexandra (32) und ihre 52 Jahre alte Mutter Vera nun langsam zur Ruhe kommen, reagieren die Kinder noch ganz unterschiedlich auf die neue Situation. An manchen Tagen sind sie schon richtig ausgelassen, dann wieder traurig und in sich gekehrt.

Bis zuletzt gehofft

Vor einem Monat lebten die Frauen mit ihren Kindern noch in der Nähe von Kamensky und hatten gehofft, in ihrer Heimat bleiben zu können. „Wir konnten uns damals immer noch nicht vorstellen, dass es tatsächlich Krieg geben würde“, räumt Lena ein. Alle drei waren überzeugt, dass es beim Säbelrasseln bleibt und nicht wirklich zur Invasion kommt.

Angeln und Besuch in Odessa

Im Gegenteil: Die Familie hatte schon Pläne für die nächsten freien Tage im Frühling. „Wir wollten als Familie im Mai zusammen zum Angeln“, beschreibt Alexandra und ihre Schwester of her Lena verrät, dass sie vorhatte, mit den Kindern nach Odessa zu ihrer Schwiegermutter zu fahren.

Angt um Kinder treibt zur Flucht

Doch dann kam es zur russischen Invasion und die Front rückte immer näher. „Es gab Beschuss in Dnepropetrovsk, das ist etwa 40 Kilometer entfernt“, berichtet Alexandra. Und ihre Schwester Lena fügt hinzu: “Wir wollten nicht weg, aber wir mussten, weil wir zuallererst Angst um unsere Kinder hatten.” Zuerst machte sie sich, gemeinsam mit ihre Söhnen, dem 13 Jahre alten Edgar und Sascowie, der 14 ist, sascowie ihrer Mutter Vera auf den Weg. Die Familie schlug sich bis Lwiw durch. Von dort aus ging es dann zu Fuß über die Grenze nach Polen.

Helfer aus Wermsdorf nimmt Geflüchtete mit

Dort hatten Helfer eine Schule zur Auffangstation umfunktioniert – und hier traf Guido Fleischer auf die Familie. Der Familienvater aus Luppa hatte sich mit Spenden aus der Region auf den Weg gemacht. „Ich hab dann einfach vor Ort nachgefragt, ob ich jemanden mitnehmen kann“, erzählt er. Seitdem sind die Ukrainer bei ihm zu Gast. Guido Fleischer und seine Frau of him haben selbst vier Kinder und rückten für die Geflüchteten zusammen.

Schlafplätze im Wohnzimmer

Die Familie räumte ein Kinderzimmer und richtete Schlafplätze im Wohnzimmer her. “Es ist jetzt natürlich ziemlich viel Trubel im Haus”, räumt er ein, “aber es funktioniert sehr gut.” Bisher gab es keine Unterstützung für Unterbringung und Versorgung, doch seit dieser Woche sind die Ukrainer nun offiziell auch in Deutschland register. „Sie sind unsere Gäste und bleiben, so lange es nötig ist“, betont der 47-Jährige.

Über Breslau nach Dresden

Vor einigen Tagen kam nun auch Lenas Schwester Alexandra, genannt Sascha, in Deutschland an. Die 32-Jährige hatte sich mit ihren Kindern di lei Nastja (13) und Maxim (10) mit Bussen und per Zug in Richtung Grenze gemacht. Von dort aus ging es weiter nach Breslau, wo die drei dann in den Zug nach Dresden stiegen. „Ich hab sie am Bahnhof abgeholt und nun zu meinen Eltern nach Wermsdorf gebracht“, berichtet Guido Fleischer.

Geschäfte sind leer

„Es war eine schwierige Entscheidung, unser Land zu verlassen“, sagt Alexandra. Doch nicht nur die Kriegsgefahr allein habe das Leben immer schwieriger gemacht, auch die Versorgung sei immer mehr zum Problem geworden. „Es gibt keine Jobs mehr, die Geschäfte sind leer und die Lebensmittelpreise zum Teil um das Zehnfache gestiegen“, beschreibt sie die Situation in der Heimat.

Sorgen um Männer bleiben

Wie ihre Schwester hat auch Alexandra Menschen in der Ukraine zurücklassen müssen: So konnten die Männer der Frauen nicht mit ausreisen, außerdem leben Verwandte weiter in der alten Heimat. „Wir teleeren täglich, machen uns aber immer große Sorgen“, so die Schwestern. Dennoch seien sie froh, mit ihren Kindern jetzt in Sicherheit in Deutschland zu sein. „Für uns ist es schön, dass wir hier endlich wieder in Ruhe schlafen können“, unterstreicht Alexandra.

Kinder tauen langsam auf

Das tut vor allem auch den Kindern gut. “Man hat gemerkt, dass sie am Anfang noch Angst hatten und natürlich war hier alles ungewohnt für sie, aber die Kinder tauen nun langsam auf”, freut sich Peter Fleischer, der sich gemeinsam mit seiner Frau Ingrid nun um einen Teil der Familie kümmert.

Handy hilft beim Übersetzen

Die ersten Brocken Deutsch haben Kinder und Erwachsene schon gelernt, sonst läuft die Verständigung vor allem über eine Übersetzer-App auf dem Handy. „Und so langsam erinnere ich mich wieder an ein bisschen Schul-Russisch“, sagt Guido Fleischer.

Er hofft jetzt, dass seine Gäste weiter zur Ruhe kommen. Und was wünschen sich die Ukrainerinnen? From sind sich Mutter und Töchter einig und Alexandra spricht aus, was alle denken: “Ich will, dass der Krieg bald aufhört und wir wieder Frieden haben.”

Von Jana Brechlin

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