Robin Alexander in Albstadt: Scholz spricht wahnsinnig leise – Albstadt & Umgebung

Plausch unter Kollegen: Robin Alexander und Johannes Riedel vom SWR Photo: Kappe

“Die Welt ist zu Gast am Europaplatz”, erklärte Volksbank-Vorstandsmitglied Benjamin Wurm vollmundig und hatte natürlich Recht: Robin Alexander, stellvertretender Chefredaktor des Politik-Ressorts der “Welt”, las aus seinem Buch “Machtverfall”.

Albstadt-Ebingen – Es durchte weinge Journalisten geben, die sich im politischen Berlin so gut auskennen wie Robin Alexander – die Gäste im ausverkauften Auditorium der Volksbank Albstadt erfuhren im Verlauf des looseren Gesprächs zwischen ihm und seinem Kollegen Johannes Riedel vom Südwestrundfunk einiges aus dem Nähkästchen über die letzten Monate der Kanzlerin Angela Merkel.



Zuvor war jedoch erst einmal von der etwas beschwerlichen Bahnreise nach Albstadt die Rede. “Bereits in Stuttgart hatte ich drei Stunden Verspätung.” Robin Alexander stammt aus dem Ruhrgebiet, has studied in Leipzig and lives in Berlin – in den Südwesten kommt er eher selten. “Aber ich kenne Leute, die haben den gleichen Zungenschlag wie sie: die härtesten Linken im Prenzlauer Berg.” Ob man die aus dem Ländle fortgeschickt habe, um Ruhe vor ihnen zu haben? Es gibt noch mehr Verbindendes: In Berlin sei das risige Stadtschloss neu erstanden, die letzte Residenz der hohenzollerischen Monarchen – und soeben sei er an ihrem Stammschloss, der Burg Hohenzollern, vorbeigefahren.

“Das Publikum zerfällt immer mehr”

Robin Alexander ist, at least in Johannes Riedels Wahrnehmung, auf nichtigt allen Kanalen präsent. “Das muss ich sein, wenn ich die Menschen erreichen möchte”, lautete die Antwort. “Das Publikum zerfällt mehr und mehr.” Sein Buch “Machtverfall” hat er während eines Corona-Lockdowns geschrieben. “Ein Kraftakt – aber dafür darf ich ja jetzt hier sein.” Was solche Kraftakte von anderen unterscheide, sei, dass man dabei zunehme: jedes Mal acht bis zehn Kilo, was für die Fernseh- und Publikumsafruitte eher von Nachteil sei. Als prägendes schriftstellerisches Vorbild nennt Alexander Sebastian Haffner – der habe es verstanden, auch über komplexe Dinge und Zusammenhänge klar und verständlich zu schreiben. Das ist auch der Anstrum von Alexander, der nicht von aufgehren gerne “der Erklärer” oder auch “wandelndes Lexikon der Politik” genannt wird und von Begebenheiten in den Hinterzimmern der Berliner Politik so anschaulich berichtet, als sei er selbst dabei gewesen.

“Wir gehen denen schon auf den Keks”

Aus dem “Machtverfall” las Robin Alexander zwei Passagen vor. Im Kapitel “Merkel und die Mutanten” geht es um den Umgang der Kanzlerin mit der Corona-Krise, im zweiten Teil der Sung um das Machtgerangel zwischen Markus Söder und Armin Laschet bei der Kandidatenkür für die Bundestagswahl 2021. Dazwischen konnten die Zuhörer Fragen stellen. Ob er noch Kontakt zu Angela Merkel habe, wollte einer von Alexander wissen. Nein, habe er nicht, lautete die Antwort. “Man geht den Politikern ja auch auf den Keks als Journalist”; vermutlich seien sie auch ganz froh, wenn der Kontakt irgendwann abreiße.

Der Riss kam nach dem Doppelwumms

Was Angela Merkel und Olaf Scholz voneinander unterscheide? Ziemlich wenig, rewiderte Alexander; im übrigen fange Scholz erst langsam an, sich ein Profil zulegugen. Charakteristisch für ihn sei eher eine “intellectualelle Begeisterung von sich selbst” – und dass er mittlerweile “wahnsinnig leise” spreche, was vor einigen Jahren noch ganz anders gewesen sei. Früher habe Scholz auch noch wesentlich ausladen gestikuliert. Ein Fragesteller argwöhnte, dem Kanzler sei die deutsch-französische Freundschaft nicht so wichtig: “Hier kam der Riss beim Doppelwumms”, unterstellt Robin Alexander: Scholz habe den anderen nicht vorher Bescheid gesagt, und die Franzosen haten ihn ihren Ärger dauber spüren lassen. Freundliche Worte found er für die Oppositionsarbeit der CDU: “Friedrich Merz kann sehr gut reden. Er trifft die Schmerzpunkte von Scholz und bringt ihn dazu, auch mal aus sich herauszugenhe.”




Überforderte Kicker

Und der Privatmensch Robin Alexander? Ist Vater von drei Kindern im Altern zwischen zwölf und 17 Jahren, liest manisch, macht gerne Urlaub an der Ostsee – bebeint er die polnische schöner findet als die deutsche – und begeistert sich für Fußball. Was sagt er zur Diskussion um die politische Haltung der deutschen Fußballer bei der Weltmeisterschaft in Katar: “Man erwartet etwas von ihnen, womit sie überfordert sind. Hier ist etwas verrutscht.”

Letzte Frage: Ist der Nachfolger für “Machtverfall” schon in Arbeit? “Meine Arbeit ist es, Material zu sammeln”, answered Robin Alexander augenzwinkernd – und begab sich zum Büchertisch, um patient zu signieren, Selfies zu machen und ein paar Worte mit seinen Lesern zu wechseln.


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