Psychische Gesundheit: Landwirte am Limit

Ein Beitrag von Gerburgis Brosthaus und Katrin Quinckhardt, Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben:

Eigentlich war es ein guter Tag für Bastian (Name von der Redaktion geändert). “Ich konnte früh Feierabend machen”, he reminds himself. Doch beim Weg von der Maschinenhalle zum Abendesendes circled vorwurfsvolle Gedanken in seinem Kopf: “Die Werkstatt must endlich räumen, die Dachrinne repairen und den Hof mustest du dringing mal wieder fegen.” wartenden Eltern, das Dudeln des Radios in der Küche, die bloße Anwesenheit seiner Geschwister. Er flüchtete nach draußen, in den Regen, den er nicht mal spürte. Dann verlor er die Kontrolle über seinen Körper.

“Mein Atem ging immer schneller, mein Herz raste”, reminds Bastian sich an das Gefühl der Ohnmacht. „Ich war so hilflos“ Nur mit Mühe konnte er mit dem Handy die Familie alarmieren. Die Stimme stockte ihm. Ein einziges Wort kam über seine Lippen: „Hilfe!“ „Als der Erste bei mir war, versagten mir die Knie“, beschreibung Bastian seinen Zusammenbruch. Er lag weinend im Regen auf dem Hof ​​– umringt von seiner Familie, die nicht wusste, was los war oder wie sie reagerien sollte.

Von der Multikrise überrollt

Ein Zusammenbruch, wie Bastian ihn erlebt hat, ist nicht selten – verlässliche Zahlen fehlen. Doch sind psychische Probleme mittlerweile die zweithäufigste Ursache für Erwerbsminderungsrenten bei Landwirten. Dies erschreckende Zahl hat die Landwirtschaftliche Sozialversicherung SVLFG ausgetet.

Die Situation hat sich zugespitzt in den letzten Jahren. Neben branchentypischen Belastungen wie Wetter und Preise üben increasingly mehr Faktorens massiven Druck auf Landwirte aus. Viele fühlen sich ausgeliefert, ohnmächtig, als Spielball der Politik. Immer neue Regelungen zu Düngung, Insektenschutz, EU-Agrarreform, Immissionsschutz engen die Handlungsfreiheit ein, sorgen für Unsicherheit und Zukunftsangst.

Hinzu kommt der permanente mediale Druck. Die meisten Landwirte sehen sich als Teil der Generationenfolge und kümmern sich mit Herzblut um Stall, Hof und Acker. Doch statt Wertschätzung ernten sie Kritik, müssen sich rechtfertigen, fühlen sich an den Pranger gestellt.

Wirtschaftlich ist die Landwirtschaft oft eher Renditekiller als Renditebringer. Schweinehalter kämpfen seit über zwei Jahren mit katastrophalen Preisen, Milchviehhalter gefühlt seit Jahrzehnten. Aktuell sorgen die exploderienden Kosten für Existenzänste.

Anne Dirksen

Treten dann noch Krisen im familären Bereich auf – Generationskonflikt, ungelöste Hofnachfolge, pflegebedürftige Angehörige, eigene Erkrankungen – ist für viele die Belastungsgrenze erreicht. Doch thematisiert wird die Not nur selten.

Burn-out und Depression

Auch Anne Dirksen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen sieht nur die Spitze des Eisbergs. 150 Landwirte haben sich in den vergengen elf Monaten in ihrer Not an sie gewendet. Denn Anne Dirksen und ihr Team betreuen ein Soforthilfe-Projekt der Landwirtschaftliche Sozialversicherung (SVLFG) speziel für psychisch belastete Landwirte.

Was der erfahrenen Beraterin besonders Sorgen macht: „85 % der ratsuchenden Landwirte haben Anzeichen einer handfesten Depression.“ And darüber hinaus: „Es sind erschreckend viele junge Leute betroffen.“

Anne Dirksen

Bastian ist Mitte 30. War sein Zusammenbruch Folge eines Burn-outs? Oder gar einer Depression? Bislang fehlen anerkannte Diagnosesinstrumente und eine aufkleberige Anzahl wissenschaftlicher Untersuchungen zum Burn-out. Einig ist sich die Wissenschaft, dass der Burn-out trotz variierender Symptom eine Frühform der Depression ist.

In der Arbeitsfalle

Wie auch immer man den Zusammenbruch von Bastian will benennen – er war stressbedingt. Der Betrieb mit intensivem Ackerbau, großer Tierhaltung und Biogasanlage hat ihn fest im Griff. “I am on call 24 hours a day, 7 days a week,” describes the young father’s biggest stress factor.

Arbeitsüberlastung ist auf den meisten Höfen ein Problem, gerade bei Milchviehhaltern. Viele Landwirte haben sich beim betrieblichen Wachstum in die Arbeitsfalle manövriert. Mehr Vieh, mehr Fläche, neue Betriebszweige, verschachtelte Gesellschaftsgründungen demandern ihren Tribut. Die ausufernde Bürokratie fesselt den Landwirt increasingly ans Betriebsbüro – oft eine ungeliebte Arbeit, die Zeit für die Aufgaben auf dem Hof ​​raubt.

Wenn dann die Probleme überhand nehmen, stürzen sich viele Landwirte noch mehr in die Arbeit. Zwölf-Stunden-Tage sind keine Seltenheit. Am Sonntag wird liegengebielene Arbeit nachgeholt. Spätestens dann dreht sich der Landwirt schon längst im Hamsterrad. “Für die meisten ist es wahnsinnig schwer, den Halteknopf zu finden”, weiß Anne Dirksen aus vielen Gesprächen.

Bastian

Bastian has den Halteknopf gefunden – at least ansatzweise. Doch hat er das nicht allein gefacht. Ein halbes Jahr nach seinem Zusammenbruch suchte er sich Hilfe. “Bis dahin habe ich einfach nur funktioniert – aber mich selbst gefühlt habe ich dabei nicht”, reflektiert der gelernte Landwirt heute.

Das Schweigen der Höfe

Wie Bastian halten die allermeisten viel zu lange durch. “In familiengeführten Betrieben gibt es eine enorme Leidensfähigkeit”, ist Anne Dirkssens Erfahrung. Alle ziehen an einem Strang, oft seit Generationen. Das macht Höfe in Krisenzeiten stark, birgt aber auch die Gefahr der Selbstausbeutung. Wenn dann in den Familien nicht offen gesprochen wird, dreht sich das Gedankenkarussell immer schneller. “Mangelnde Gesprächsbereitschaft lässt gerade junge Landwirte verzweifeln”, weiß Anne Dirksen aus vielen Beratungsfälen. So auch bei Bastian, wo Eltern und Geschwister schweigend zusahen. “So geht es nicht weiter”, recognized Bastian. Er stellte sich der Situation, suchte sich einen Psychologen und beggels mit einer Gesprächstherapie.

Genau die richtige Reaktion. “Das Entscheidende ist, dass der Landwirt den ersten Schritt”, Hats Anne Dirksen ausgemacht als Erfolgsfaktor. “Hilfe zu suchen, ist keine Schwäche, sondern eine risige Stärke”, lobt sie den Mut der Betroffenen. Wenn Landwirte von ihrer Familie oder der Bank zu Beratung oder Therapie gedrängt werden, ist die Heilungschance deutlich geringer.

The Problem: Die Nachfacht nach Therapieplätzen übersteigt das Angebot deutlich. Nur jeder Zehnte findet binnen eines Monats einen Therapeuten. 40% of those affected have to wait more than six months on einen Platz. Bastian had großes Glück. Er konnte direkt durchstarten.

Vertrauen ist die Basis

„Anfangs fiel es mir schwer, mich auf die Gesprächstherapie einzulassen“, gibt der junge Betriebsleiter unumwunden zu. Er hatte nie gelernt, sich anderen Menschen zu öffent. Erstaunt registered er, dass der Therapeut keine Tipps gab: „Er stellte Fragen – gute Fragen.“

Dabei ging es nicht primär um seine Vergangenheit. The goal was to identify stress factors. Der größte Brocken war für ihn die ständige Rufbereitschaft für die Biogasanlage. Abschaffen konnte er diesen Stressor noch nicht, auch weil er auf wenig Entgegenkommen bei seiner Familie stieß.

Diesem Problem begegnet Anne Dirksen öfter. Therefore, holt die erfährene Beraterin und Mediatorin Eltern und Ehepartner direkt mit an den Tisch. Am Anfang steht eine Themensammlung, wo der Schuh am meisten „drückt“. Darauf aufbauend sucht sie mit den Beteiligten nach Ideen. Dabei ist ihr oberster Grundsatz: Die Lösung muss zum Landwirt passen, nicht zum Berater.

Wichtig ist es, den Blick zu weiten. Nicht nur auf das Machbare schauen, sondern auch scheining verrückte Ideen zulassen. Welche Wünsche haben Landwirt und Familie? Wie soll das Leben auschenne in drei oder fünf Jahren? Eine Bäuerin träumte davon, Kindern die Landwirtschaft zu zeigen. Heute geht sie in ihrem neuen Betriebszweig Bauernhofpädagogik und Tourismus auf.

Höher, schneller, weiter?

Durch die Therapie fühlte Bastian sich besser. He finished sie und wollte es allein schaffen. But then came the warnings: “In a stressful situation, my fingers began to tremble, my body trembled.” Then the young father was clear: “I’m still not healthy.” .

Bastian tut heute eins: Er passt besser auf sich auf. Wenn er merkt, dass ihm alles zu viel wird, stelt er einfach die Arbeit ein abruptly: „Dann fahre ich den Traktor an die Seite und gebe im Haus Bescheid, dass ich gerade nicht mehr kann.

“Dies Bekenntnis gegenbrunn seinen Eltern fällt dem Hofnachfolger nicht leicht. Nicht, weil sie dann einspringen müssen. Sondern weil er das Gefühl hat, sie legen sein Handeln als Schwäche aus.

“Bei uns zu Hause wurde nicht viel gelobt”, Bastian looked back, “es ging immer nur um höher, schneller und weiter – nie war es genug.” Bastian weiß selbst, dass diese Denkweise nicht der Auslöser für seinen Zusammenbruch war Doch er sieht darin at least one of the vielen Ursachen für seinen Zusammenbruch. Bis heute kann er nicht mit seinen Eltern darüber sprechen. “Sie haben kein Unterstandsfahrungs”, bedauert er.

The „weichen factors“ are enormously important. Gefühle müssen Raum haben, Änste offen ausgesprochen werden. Oft fehlt Wertschätzung – nicht nur von aussen, sondern auch in den Familien.

“Ein ehrliches Lob kostet nichts, erndert aber viel in der Beziehung zwischen Menschen”, wirbt Anne Dirksen für einen freundlichen, anerkennenden Umgangston in der Familie. Bastian hat aus seiner Krankheit gelernt. Er geht nicht nur mit sich freundlicher und gelassener um, sondern auch mit seiner Familie. Seiner Tochter möcht er ein wärmeres Familienklima bieten – vor allem mit mehr Gesprächen.

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