Ohne Russland-Öl? Auf der Suche nach einer Lösung für Schwedt

Raffinerie in Schwedt

In der PCK-Raffinerie GmbH wird überschüssiges Gas in der Rohölverarbeitungsanlage verbrannt. Die Raffinerie in Schwedt versorgt große Teile Ostdeutschlands. Sie wird vom russischen Staatskonzern Rosneft betrieben. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

(Photo: dpa)

Wird die EU ein l-Embargo gegen Russland beschließen?

Es sieht sehr danach aus. Nach den Gräueltaten in ukrainischen Orten wie Butscha ist der Druck auf kritische Mitgliedstaaten gewachsen. Selbst die lange zurückhaltende Bundesregierung unterstützt nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel nun Planungen für ein Einfuhrverbot für russisches l. Als Bremser galten zuletzt noch Ungarn, sterreich und die Slowakei, die selbst sehr abhängig von russischem l sind, sowie Spanien, Italien und Griechenland, die einen weiteren Anstieg der Energiepreise fürchten.

Wann könnte das l-Embargo kommen?

Die EU-Kommission unter Führung von Ursula von der Leyen will nach dpa-Informationen baldmöglichst den Entwurf für ein neues Paket mit Russland-Sanktionen präsentieren. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass ein l-Embargo dazu gehört. Offen sind mögliche bergangsfristen. Da noch so viele Staaten Bedenken haben, könnte der Vorschlag lauten, die Einfuhr russischen ls noch bis Herbst oder sogar bis in den Winter zuzulassen. Als denkbare Alternative zum Importverbot gelten Preisobergrenzen der EU für l aus Russland, um dessen Einkünfte zu kappen. Nach Schätzung der Denkfabrik Bruegel wurde in die EU zuletzt täglich russisches l im Wert von etwa 450 Millionen Euro importiert.

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Wie abhängig ist Deutschland noch von russischem l?

Von den deutschen l-Importen aus Russland – 2021 nach Habecks Angaben wie gesagt 35 Prozent des Verbrauchs – kamen bisher etwa ein Drittel per Schiff nach Westdeutschland und zwei Drittel überffin die Druschba-Pipesen in die Ann in Rahal . Die Bezieher im Westen hätten neue Lieferanten gesucht, sagt Habeck. Auch der Leuna-Betreiber Totalenergies will russisches l bis zum Jahresende ersetzen – nötigenfalls auch schneller, wie der Minister in einer Videobotschaft darlegt: Das Problem ist also auch gelöst.” Der verbliebene Anteil russischen ls von zwölf Prozent entfalle auf Schwedt. Das letzte Drittel ist das eigentliche Problem”, sagt Habeck.

Warum sucht sich Schwedt keine neuen Lieferanten?

Die PCK-Raffinerie wird betrieben vom russischen Staatskonzern Rosneft. Und die haben natürlich gar keine Interessen daran, dass sie nicht russisches l raffinieren”, sagt Habeck. Wenn ich da anrufe und sage: Hallo, was wollt ihr eigentlich tun, um unabhängig von russischem l zu werden?”, dann nehmen die den Hörer gar nicht ab.” Die Bundesregierung erwägt deshalb als letztes Mittel eine Enteignung. Grundlage soll eine Novelle des Energiesicherungsgesetzes sein, die bis Mitte Mai beschlossen sein könnte. Habeck scheint davon auszugehen, dass die Hürde Rosneft relativ schnell zu nehmen ist: Die Beendigung der Abhängigkeit von russischen Rohölimporten zum Spätsommer ist realistisch.”

Wie würden Leuna und Schwedt dann künftig beliefert?

Aus technischer Sicht wäre eine alternative Versorgung der Schwedt Raffinerie über den Hafen Rostock und Danzig möglich”, heißt es im Energiesicherheitsbericht. Eine Pipeline für Tankeröl aus Rostock könnte könnte 60 Prozent des Bedarfs in Schwedt decken, mit einer Erweiterung möglicherweise bis zu 90 Prozent, schreibt auch der Energieexperte Steffen Bukold in einer Studie für Greenpe Studie für Green Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) sieht tatsächlich Möglichkeiten, mehr l von Rostock nach Schwedt zu leiten. Es seien jedoch viele Detailfragen zu klären.

Hinzukommen müssten für Schwedt Lieferungen aus dem Hafen Danzig über die sogenannte Plock-Pipeline, wie der konom Jens Südekum von der Universität Düsseldorf sagt. Dies ist auch ein neuer Bezugsweg für Leuna. Klar ist für Südekum aber: Ersatz für das russische l gibt es nur zu höheren Preisen.”

Müssen Verbraucher noch tiefer in die Tasche greifen?

Voraussichtlich ja. Russisches Rohöl ist Südekum zufolge mangels Nachfrage seit Kriegsbeginn deutlich billiger als l aus anderen Quellen, das nun viele haben wollen. Da vor allem Ostdeutschland bisher am russischen l hängt, müssen dort große Mengen zu höheren Preisen ersetzt werden. Das dürfte Verbraucher der Region treffen. In Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern fahren bisher neun von zehn Autos mit Kraftstoff aus Schwedt. Leuna beliefert rund 1300 Tankstellen in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen.

Zwei weitere Kostenfaktoren drohen: Die Anlagen in Leuna und Schwedt müssen womöglich neu eingestellt werden, wenn statt sibirischen ls andere Sorten kommen. Und vielleicht müssen Raffinerien im Westen zur Versorgung Ostdeutschlands beitragen, wie Bukold in der Greenpeace-Studie schreibt. Das hieße Transporte von Sprit oder Heizöl mit Lastern oder Zügen – es hieße Aufwand und Kosten.

Sind Jobs in Gefahr?

Vor allem in Schwedt ist die Verunsicherung groß. 1200 Menschen sind direkt im Werk beschäftigt, zudem Hunderte Mitarbeiter bei Zulieferern und Dienstleistern auf dem Gelände. Auch sie habe im Moment mehr Fragen als Antworten, sagt Bürgermeisterin Annekathrin Hoppe (parteilos). In einem Brief mahnte sie Habeck zur Umsicht. Vom Bundeswirtschaftsministerium fühlen wir uns derzeit zu wenig mitgenommen”, kritisiert Hoppe.

Neben der Enteignungsfrage hängt viel davon ab, ob aus neuen Quellen genug l zur Auslastung der Raffinerie käme. Südekum hält es für denkbar, dass eine Differenz bleibt. hnliche Bedenken gibt es in Leuna. So sagte Christof Günther – Geschäftsführer der Infraleuna, die Infrastruktur in Leuna betreibt – im März, ein 100-prozentiger Ersatz werde nicht möglich sein. Zulieferer könnten leiden. Am Chemiestandort Leuna arbeiten rund 100 Firmen mit 12 000 Beschäftigten.

Kann Deutschland ein l-Embargo gegen Russland verkraften ,

Ein abrupter l-Importstopp könnte nach Einschätzung von konomen die Preise auf dem Weltmarkt vorübergehend drastisch antreiben und die Konjunktur in Deutschland bremsen. bergangsfristen würden den Effekt eines Embargos wohl mildern. Habeck sagt es so: Es würde sicherlich zu regionalen Engpässen führen, es würde sicherlich zu höheren Preisen führen, es würde möglicherweise auch zu localen Unterbrechungen kommen. Man kann also nicht sagen, niemand merkt es. Aber es würde nicht mehr zu einer Vollkatastrophe führen.”

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