Nachhaltigkeit: Deshalb zahlen manche Verbraucher freiwillig höhere Preise

Wirtschaft soll nachhaltiger werden: In diesem Supermarkt hat jedes Produkt zwei Preise: Sie entscheiden, welchen sie zahlen

Millionen Verbraucher leiden unter der sprunghaft steigenden Inflation. Viele begeben sich auf Schnppchenjagd, um Kosten zu drücken. Die niederländische Initiative True Price“ geht einen ganz anderen Weg: Sie will den wahren“ Preis von Produkten aufzeigen. Kosten, etwa für Umweltschäden, fließen mit in die Rechnung.

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Keine Frage: Gerade Bewohner teurer Ballungsgebiete müssen ihr Geld mit Bedacht ausgeben. Doch bei der Jagd nach billigen Produkten bleibt manches auf der Strecke. Etwa das Tierwohl bei der Züchtung von möglichst billigem Fleisch.

Die Initiative True Price“ hat sich dem Ziel verschrieben, nachhaltige Produkte für alle zu entwickeln. Die Macher ermöglichen Verbrauchern, den wahren Preis der von ihnen gekauften Produkte zu sehen – indem wirklich alle Kosten in den Preis einfließen. Und diesen wahren Preis sollen Verbraucher dann zahlen. Freiwillig. Es gibt Verbraucher, die das tun und mehr zahlen als unbedingt nötig. Das ganze Modelll erinnert an das bekannte Fair Trade“.

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Das Ziel: Die Wirtschaft nachhaltiger machen

Die Initiative True Price“ will Verbraucher gerade auf die versteckten Kosten von Produkten aufmerksam machen. Mit einem anspruchsvollen Ziel: Wenn alle Produkte zu einem wahren Preis verkauft werden, ist die Weltwirtschaft nachhaltig.“

Aber bis es so weit ist, muss die Idee der Initiative noch bekannter werden. Und viel mehr Verbraucher müssen davon überzeugt werden, dass die Haltung Bitte nur billig“ am Ende hohe versteckte Kosten verursacht.

Ein Amsterdamer Supermarkt hat für alles zwei Preisschilder

Mitten in Amsterdam gibt es den Supermarkt De Aanzet„. Wer ihn zum ersten Mal betritt, dürfte irritiert sein. Alle verkauften Waren haben zwei Preisschilder. Das eine zeigt die üblichen eher günstigen Preise. Das andere die wahren“ Preise, die alle erdenklichen Kosten enthalten. Neugierig Geworden? Dann bei einem Amsterdam-Aufenthalt einen Abstecher in die die Eerste Jacob van Campenstraat 10 machen! Gleich acht Trambhnlinien halten in zumutbarer Entfernung.

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Der Bioladen De Aanzet“ bezeichnet sich als erster Supermarkt mit wahren Preisen”, wie die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ ausführt. Entsorgung bekommt einen Preis und findet sich auf dem Schild mit dem wahren“ Preis wieder.

Alle Kosten, die nicht im Marktpreis einer Ware enthalten sind, nennen konomen Externalitäten“. Beispiele gefällig?

Die Logik hinter den beiden Preisen: Je größer der Unterschied zwischen dem gewohnten und dem wahren Preis eines Produktes ist, desto weniger nachhaltig ist es. Und desto schädlicher ist seine Produktion.

Welche Kosten verursachen soziale Folgen” von Produktion?

Klingt kompliziert. Denn beispielsweise die Kosten für CO2-Emissionen hängen davon ab, welcher Preis angesetzt wird.

Richtig haarig wird es aber, wenn man versucht, auch die sozialen Folgen von Produkten mit einem Preis zu versehen. Dazu macht der Standard“ folgende Rechnung auf: Der übliche Preis für eine aus Afrika importierte Rose liege bei 70 Cent.

Davon gehen gerade einmal zwei Cent an die Arbeiter. Immerhin acht Cent bekommen die Züchter. 3,5 Cent – ​​also fünf Prozent des Endpreises – gehen an die Transportunternehmen. 17 Cent streicht der Großhandel ein, und üppige 38 Cent (also gut 54 Prozent) der Endverkäufer. Also der Supermarkt oder ein Blumenhändler.

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Um die Arbeiter angemessen oder fair zu bezahlen und die Umweltschäden finanziell auszugleichen, wäre ein Preis von 95 Cent pro Rose angemessen – also gut ein Drittel mehr als üblich.

Um auch die versteckten Kosten zu ermitteln, bedient sich True Price“ modernster technischer Mittel – etwa der Daten von Satelliten. Dazu kommen Erfahrungsberichte von Beteiligten, also den Firmenbetreibern und den Arbeitern. So gelingt es True Price“, alle Kosten in der gesamten Lieferkette abzubilden.

Kampf dem ungebremsten Rohstoffhunger

Natürlich muss niemand die höheren der beiden Preise bezahlen. Aber die Initiatoren hoffen: Ist Verbrauchern erst einmal klar, dass gerade niedrige Preise versteckte Kosten verursachen, sind Kunden bereit, tiefer in die Tasche zu greifen. Und True Price“ zu unterstützen.

Noch kämpft die Initiative darum, bei Konsumenten und Firmen ein Verständnis für die wahren, also umfassenden Kosten von Produkten zu wecken. True-Price“-Mitgründer Michel Scholte sagte dem Standard“: Hätten wir überall wahre Preise, müssten viele Fluglinien wohl in Konkurs gehen.“ Und Autofahrer würden sorgsamer mit Rohstoffen fossilum Rohstoffen. Auch ein Ansatz, um Wladimir Putin auf Diät zu setzen.

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mbe