München: Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Sport halten ein flammendes Plädoyer für Ausbildungsberufe

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Von: Katharina Brumbauer

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Werben für die Ausbildung: Der ehemalige Skirennläufer und gelernte Maler Markus Wasmeier, die DEHOGA-Bayern-Präsidentin Angela Inselkammer, die Geschäftsführerin der Stiftung Wertebündnis Bayern, Andrea Taubenb Professor Nin Philosöck (Andrea Taubenb Niö-Vöck-Präsidentin). © Markus Schlaf

Das Wertebündnis Bayern, ein Zusammenschluss aus 230 Stiftungen, Firmen und Kammern, trommelt kräftig für die Ausbildung. Auch viele Prominente haben am Mittwoch in München von den Vorzügen ihrer Lehre berichtet. Darunter ein ehemaliger Skirennläufer, die Landtagspräsidentin und eine Skispringerin.

München – Gleich zu Beginn räumt Julian Nida-Rümelin mit einem Irrglauben auf. Es gibt in Deutschland nicht so viele Akademiker, wie man immer meint.“ Der Philosoph und ehemalige Kulturstaatsminister der SPD betont, dass das Studium zumindest den Absolventenzahlen nach keinen höheren Stellenwert hat. Nur 20 Prozent der Menschen haben einen akademischen Abschluss. Die meisten Leute hier sind Facharbeiter.“ Wenn sich die heutigen Schüler dessen bewusst wären, würden sie doch viel eher eine Berufsausbildung anstreben. Davon ist der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Ethikrats überzeugt.

Das Wertebündnis Bayern hat gestern in München eine Initiative zur Wertschätzung beruflicher Bildung“ gestartet. Sechs Lehrlinge, darunter Skispringerin Katharina Althaus, bekamen eine Bühne, um für ihre Ausbildungen zu werben. Daneben hat der Zusammenschluss Projekte vorgestellt, die Jugendliche in der Mittelschule auf das Arbeitsleben vorbereiten, das Demokratieverständnis von Auszubildenden fördern, Werte wie Integration Empathie und Toleranz verm vermiten verbal am vermitteln.

Etwas zu erschaffen, was man sieht und was bleibt, ist ein super Gefühl

Eine Herzensangelegenheit“ sei das für die Vereinigung, betont Gastgeberin Gerti Oswald, Geschäftsführerin der Bayerischen Industrie- und Handelskammer. Eine Lehre fördert nicht nur die geistige Kompetenz, sondern auch Herz und Charakter.“

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Das hat auch Markus Wasmeier erlebt. Der ehemalige Skirennläufer absolvierte nach der Schule eine Ausbildung zum Maler und Lackierer. Da war er schon längt deutscher Schülermeister im Riesenslalom. Ursprünglich wollte der spätere Olympiasieger von 1994 eine Lehre bei einem Schreiner machen. Aber dann hätte er im Winter zum Skifahren nicht frei bekommen. So trat er mit Freuden in die Fußstapfen seines Vaters, eines Lüftlmalers. Etwas zu erschaffen, was man sieht und was bleibt, ist ein super Gefühl.“

Landtagspräsidentin Ilse Aigner betont fundamentale Bedeutung der Ausbildungsbetriebe

Auf seinem Freilichtmuseum in Schliersee (Kreis Miesbach) hat Wasmeier alle Häuser selbst sanier. Sein Wunsch: dass ein Handwerker das gleiche Ansehen hat wie ein Rechtsanwalt. “Da sind auch die Eltern gefragt, das den Kindern zu vermitteln.” Doch die bevorzugten oft ein Studium, weil sie wollen, dass es der Nachwuchs gerade finanziell einmal besser hat, erklärtin Landtagspräsigner Die CSU-Politikerin, die selbst gelernte Fernsehtechnikerin ist, hält das System der Berufsausbildung für elementar wichtig: Die breite Palette an Ausbildungsbetrieben ist fundamental für den Wirtschaftsstandort Bayern.”

Berufswahl bei Jugendlichen: Mehr Vertrauen in Talente

Nida-Rümelin vom Ethikrat wirbt darum, den Jugendlichen in der Berufswahl zu vertrauen, Studium und Ausbildung als gleichwertig anzusehen. Auch Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, ist zu Gast am Campus der BIHK.

Die Geschäftsführerin des Brauhauses Aying (Landkreis München) kann nicht oft genug betonen, wie hart sie der Fachkräftemangel während Corona getroffen hat. Sie appelliert an die jungen Leute, bei der Berufswahl auf die persönlichen Talente zu achten: Dann ist es, egal was man macht, ein erfülltes Leben.“

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Umfrage: Warum hast du dich für deine Ausbildung entschieden?

Katharina Althaus (25), Skispringerin aus Oberstdorf bei einer Veranstaltung des Wertebündnis Bayern, zur Initiative Wertschätzung Berufliche Bildung.“
Katharina Althaus © Markus Schlaf

Ich komme aus einem kleinen Dorf, meine ganze Familie macht beruflich etwas Handwerkliches. Vom Olympischen Sportbund gibt es das Angebot, neben dem Skispringen die Ausbildung zur Bürokauffrau zu machen. Alles andere wäre mit meinem Trainingsplan zeitlich nicht vereinbar gewesen. Auch ein Studium nicht, obwohl das am Anfang für mich schon eine berlegung war. Die Zeitspanne, in der du Profisportlerin bist, ist so kurz, da will ich etwas in der Hand haben, damit ich nach der Karriere beruflich sofort weitramachen kann.

Franziska Wieser (22) bei einer Veranstaltung des Wertebündnis Bayern, zur Initiative Wertschätzung beruflicher Bildung.“
Franziska Wieser © Markus Schlaf

Vor zwei Jahren habe ich Abitur gemacht, am Gymnasium haben alle Lehrer nur übers Studium geredet, aber ich wollte lieber eine Ausbildung machen. Also habe ich meine Lehre als Damenmaßschneiderin begonnen. Ich finde es wichtig zu wissen, wie man selbst etwas herstellt, ich trage zum Beispiel eine Hose, die ich selbst gemacht habe. Nachhaltige Produktion ist in unserem Betrieb auch ein großes Thema – was ich toll finde. Ich möchte später an der Berufsschule unterrichten, um im Ausbildungssystem etwas voranzubringen.

Wala Khalat Qojadi (26) aus München bei einer Veranstaltung des Wertebündnis Bayern, zur Initiative Wertschätzung beruflicher Bildung.“
Wala Khalat Qojadi © Markus Schlaf

Mit meiner Familie bin ich 2015 aus dem Irak nach Deutschland gekommen. In meinem Heimatland war es für Mädchen komplizierter, Bildung zu bekommen. Eigentlich haben wir zu wenig Bildung bekommen, würde ich sagen. Ob ich später eine Ausbildung mache oder studyiere, war mir und auch meinen Eltern also erst mal egal. In meiner Familie gibt es viele Handwerker, aber ich wollte überhaupt erst mal etwas lernen. Ich hab den Hauptschulabschluss gemacht und dann meine Lehre als Schneiderin angefangen.

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