Mehrere Standbeine in der Landwirtschaft geben Sicherheit

Nicht jeder Betrieb sieht in immer mehr Tieren oder Fläche seine Zukunft. Mit neuen Produkten oder Betriebszweigen kann man auch mehr Wertschöpfung erreichen und das Risiko auffangen. Nicht zu unterschätzen ist die personal Motivation: Viele Betriebsleiter haben einfach Spaß an neuen Projekten. In Teil 2 unserer “Betriebsstrategien” series stellen wir euch zwei Höfe mit mehreren Betriebszweigen vor.

Die Sauenhaltung ausbauen oder sich breiter aufstellen? Vor dieser Entscheidung stand Christian Schulte Spechtel aus Kleve in Nordrhein-Westfalen vor zehn Jahren. “Die Berater haben mir damals empfohlen, ich müsse noch mehr Schweine als die bisherigen 220 halten, um die Größenvorteile zu nutzen.” Er entschied sich jedoch dagegen und hat stattdessen nach und nach viele verschiedene Betriebszweige etabliert. Heute betreibt er unter anderem auf 250 ha Ackerbau, erzeugt Biogas in einer 250 kW starken Anlage und übernimmt mit seinen Maschinen Lohnarbeit für Kollegen.

Dass er sich gegen die Spezialisierung und stattdessen für die Diversifizierung entschied, hatte mehrere Gründe. Zum einen wollte er seine Arbeitszeit nicht nur im Stall verbringen. Zum anderen hätte er noch zusätzliche Mitarbeiter einstellen müssen. Das war ihm wegen des Fachkräftemangels aber schon damals zu riskant. “Die Arbeit mit den 220 Sauen konnten mein Mitarbeiter und ich gut allein stemmen”, berichtet Christian Schulte Spechtel. Als dann aber die letzten Jahre die Rentabilität in der Sauenhaltung schrumpfte und sein Mitarbeiter di lui kündigte, gab er die Schweine 2020 endgültig auf.

70 has Dinkel

In seiner vielseitigen Fruchtfolge mit Weizen, Zuckerrüben, Mais, Ackerbohnen sowie Raps und Gras für die Vermehrung stechen heute vor allem 70 ha Dinkel heraus. Dinkel gehört in Deutschland immer noch zu den Nischenkulturen. Aus Sicht von Schulte Spechtel liegt das weniger am Anbau. Dieser sei, ähnlich wie die Weizenproduktion, gut beherrschbar. “Vielmehr ist die Vermarktung der Knackpunkt. Wer sich nicht im Vorfeld um den Absatz kümmert, braucht keinen Dinkel anbauen”, weiß er aus Erfahrung.

Schulte Spechtel hat sich für den Vertragsanbau entschieden. Anders als am freien Markt, erhält er daher einen zuvor ausgehandelten Preis, der sich zwar am Auf und Ab des Weizenpreises orientiert, insgesamt aber höher ausfällt. “Der Kurs für freie Ware is hingegen sehr volatil und schwankt noch stärker als der von Weizen. Er bewegt sich nicht selten zwischen 150 und 400 € / t”, I know Christian Schulte Spechtel. Außerdem hat er sich mit anderen Kollegen in der Erzeugergemeinschaft Rheinische Urkrone organisiert. Vorteil: Anders als ein einzelner Landwirt kann die Gemeinschaft mit ihrer höheren Dinkelmenge bessere Preise aushandeln.

Nachdem die Gemeinschaft den Absatz in den letzten Jahren stetig steigerte, geriet dieser in diesem Jahr zum ersten Mal ins Stocken. Schulte Spechtel führt das auf die Gaskrise zurück, weshalb die Verbraucher vermehrt zu günstiger Ware greifen, wozu Dinkelprodukte nicht gehören. Bislang mach er sich aber noch keine Sorgen. Er geht von einem kurzfristigen Effekt aus.

In die Lohnarbeit stieg der Landwirt etwa vor fünfzehn Jahren ein. Grund dafür war eine Missernte im Dinkel. Um Backqualität zu erreichen, muss Dinkel eine hohe Fallzahl erzielen. “Damals war es allerdings zur Ernte so nass, dass ich meine Ware an die Schweine verfüttern musste”, erzählt er. Daraufhin kaufte er sich eine Trocknungsanlage, um unabhängiger vom Wetter zu werden. Dann kam eins zum anderen. Irgendwann klopften andere Landwirte bei ihm an, ob er nicht für diese das Getreide trocknen könne. Mittlerweile spritzt er und fährt zudem Gülle für andere im Lohn. “Dadurch lasten wir unsere Maschinen optimal aus”, freut er sich.

Neues für die Zukunft

Seit Kurzem hält er außerdem 100 Pensionspferde und verpachtet den alten Wartestall an den Verein Tierfreiheit, der dort, ähnlich wie ein Gnadenhof, Schweine und Ziegen aus der Nutztierhaltung bis zu deren Lebensende pflegt. Erstaunlicherweise gab es bislang keinerlei Probleme mit den Tierrechtlern. Im Gegenteil. “Ich bin froh, dass wir uns austauschen können. So lernen beide Seiten einander kennen und verstehen”, ist der Landwirt überzeugt.

Er probiert immer wieder neue Kulturen aus. Vor vier Jahren hat er auf 20 ha schwarzen Emmer gesät. “Mich hat der Vermarkter angesprochen, der auch den Dinkel abnimmt, ob ich noch Emmer anbauen möchte. Allerdings bin ich nach zwei Jahren wieder abgesprungen.” From er nur 4 t / ha erntete, hätte der Emmer für ihn den doppelten Weizenpreis erzielen müssen. Das wollte ihm der Abnehmer nicht bezahlen.

Die Familie testet derzeit in einem abgetrennten Raum im alten Abferkelstall die Direktvermarktung ab Hof. “Wir haben uns gegen einen Verkaufsautomaten entschieden, weil er uns zu teuer is und wir Angst vor Vandalismus haben”, sagt Christian Schulte Spechtel. Bisher nutzen sie eine Vertrauenskasse. Einen Hofladen im großen Stil schließt Christian Schulte Spechtel für sich erst mal aus. Der Hauptgrund ist für ihn der Standort: “Hier wohnen zu wenig Menschen, das lohnt sich nicht”, sagt er.

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