Lieferstopp für Energie aus Russland: Prognosen für deutsche Wirtschaft

Gasspeicher bei einer Industrieanlage
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Je länger Russlands Krieg gegen die Ukraine dauert und je deutlicher seiner Brutalität wird, umso lauter werden Forderungen, Deutschland solle alle Energieimporte aus Russland sofort stoppen.

Die Bundesregierung, große Teile der Ampel-Koalition und der Opposition lehnen dies bisher ab. Sie halten die wirtschaftlichen und sozialen Folgen für zu gravierend und kaum abschätzbar.

konomen haben die Folgen eines Embargos berechnet. Sie erwarten zwar einen starken Einbruch der Wirtschaft, der aber hnlich beherrschbar wäre wie die Corona-Krise. ber die Studien wird heftig gestritten.

Soll Deutschland sofort alle Energieimporte aus Russland stoppen? Was wären dann die Folgen für uns, und könnte Deutschland dies verkraften. Spätestens seit den Berichten über Gräuel-Taten russischer Soldaten in der Ukraine steht die Forderung im Raum. Die Bundesregierung lehnt ein Embargo bisher ab. Sie begründet dies mit schweren und kaum kalkulierbaren wirtschaftlichen und sozialen Folgen.

Deutschlands Energie-Dilemma

Deutschlands Dilemma: Auf der einen Seite sind wir bei der Energie in hohem Ma von Russland abhängig. Das gilt besonders für Gas, aber auch für l und Kohle. Ein Importstopp hätte Folgen für die Gas-, Benzin- und Stromversorgung von Millionen Haushalte, aber auch den Großteil aller Unternehmen.

Auf der anderen Seite zahlt Deutschland mit den Energiekäufen Milliarden in die russische Kriegskasse. Weniger abhängige Staaten wie die USA haben bereits ein l-Embargo gegen Russland verhängt.

Die deutsche Regierung argumentiert, dass die wirtschaftlichen Folgen kaum absehbar, also nicht zu berechnen wären. Mehrere konomen haben dies gleichwohl versucht. Ihr Tenor: Ein sofortiger Verzicht auf Energie aus Russland würde die deutsche Wirtschaft in eine Rezession stürzen und die Preise nach oben treiben – dies sei aber beherrschbar, hnlich der Corona-Pandemie.

Econ-Tribute: Einbruch um bis zu 3 Prozent

Für Aufsehen sorgten zunächst Berechnungen einer Gruppe von neun konomen des Exzellenzclusters Econ-Tribute der Universitäten Köln und Bonn. Die Wissenschaftler um Rüdiger Bachmann waren zu dem Ergebnis gekommen, dass ein sofortiger Lieferstopp die deutsche Wirtschaft um 0,5 bis 3,0 Prozent schrumpfen lassen würde. Der Effekt liege etwas unter den Folgen der Corona-Krise und sei also bewältigbar. Die Studie trägt den Title: Was wäre, wenn … Die wirtschaftlichen Auswirkungen eines Importstopps russischer Energie auf Deutschland.“

Bundeskanzler Olaf Scholz hatte diese Berechnung in der Fernseh-Talkshow Anne Will“ scharf zurückgewiesen. Es sei unverantwortlich, irgendwelche mathematischen Modelle zusammenzurechnen, die dann nicht wirklich funktionieren“, kanzelte Scholz die konomen ab.

DIW: zehn Jahre Krise und hohe Inflation

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin kommt in seiner Studie zu dem Schluss, dass ein Lieferstopp für russische Energie die deutsche Wirtschaft in eine tiefe und lang anhaltende Rezession w diest inüfürlation. Auch das DIW rechnet mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um maximal 3,0 Prozent – ​​betont aber die lange Dauer der Krise.

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Da große Teile des Kapitalstocks betroffen wären und umgerüstet werden müssten, würde der Schock lange wirken. Deswegen ist der Rückgang des Bruttoinlandsproduktes langwierig. Selbst nach 40 Quartalen ist die wirtschaftliche Aktivität noch nicht wieder auf dem Niveau von vor dem Ukraine-Krieg.“

Höhere Energiepreise und Produktionsausfälle würden die Inflation weiter anheizen. Das DIW rechnet mit einer zusätzlichen Preissteigerung um 2,3 Prozentpunkte. Damit würde die Inflation, die in Deutschland aktuell bei 7,3 Prozent liegt, durch diesen Effekt an die Marke von 10 Prozent heranreichen.

Gleichwohl kommt auch das DIW zu einem hnlichen Schluss wie das Team um Bachmann:

Ein Stopp russischer Gasimporte würde dabei auch den für den Klimaschutz ohnehin notwendigen Umbau der Infrastruktur in Deutschland vorantreiben. Viele Ausgaben wäre damit vorgezogen.

Die Autoren weisen darauf hin, dass ihrem Modell eine Reihe von Annahmen zugrunde liegen. So gehen sie davon aus, dass die Staatsfinanzen der Euro-Staaten den Belastungen standhalten. Eingepreist ist eine moderate Zinserhöhung um 0,5 Prozentpunkten. Die Studie ergänze die erste Studie der Bachmann-Gruppe. Da beide Studien, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen, zu hnlichen Ergebnissen kommen, ergibt sich zusammen genommen ein immer klareres Bild der wirtschaftlichen Auswirkungen eines Embargos auf Deutschland“.

IMK: Einbruch der Wirtschaft um bis zu 6 Prozent

Das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung berechnete einen deutlich stärkeren Effekt eines sofortigen Lieferstopps russischer Energie. Das IMK kommt auf einen negativen Effekt auf das Bruttoinlandsprodukt um bis zu 6 Prozent.

Die Studien haben auch unter Wirtschaftswissenschaftlern Diskussionen ausgelöst. Dabei geht es zum einen um die Eignung der Konjunkturmodelle zur Simulation derart starker Schocks. Zum anderen treffen die Folgen des Ukraine-Krieges auf eine Wirtschaft, die nach zwei Jahren Corona-Pandemie ohnehin nicht in einem Gleichgewicht ist. Auch dies mache Effekte zusätzlicher Schocks schwerer berechenbar.

Gemeinschaftsgutachten der führenden Institute

Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute berechneten die Folgen eines Lieferstopps für russisches Gas für die Jahre 2022 und 2023. Sollte es zusätzlich zu einem Lieferstopp kommen, erwarten sie für 2022 nur noch ein Wachstum von 1,9 Prozent. Die Inflation würde dann im gesamten Jahr mit 7,3 Prozent den höchsten Wert in der Geschichte der Bundesrepublik erreichen.

Noch deutlicher würden die Auswirkungen aber ab dem kommenden Herbst und Winter und damit im Jahr 2023. Im Falle eines Lieferstopps für russisches Gas rechnen die Top-Ökonomen mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung t 2,2 Projen t. Deutschland würde also in ein scharfe Rezession fallen. Gleichzeitig würde die Inflation noch einmal deutlich steigen.

Der Verlust an Wirtschaftsleistung im Falle eines Lieferstopps summiere sich in beiden Jahren auf 220 Milliarden Euro, was mehr als 6,5 Prozent der jährlichen deutschen Wirtschaftsleistung entspreche.

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