Kriminalitätsstatistik: Görlitzer Polizei zieht Bilanz

“Es gibt einige Fälle, wo ich eine Bodycam gerne bei mir gehabt hätte”, erzählt Madlena Barth, eine junge Polizistin: “Das waren Auseinandersetzungen, wo verbal Attacken nahtlos in Handgreiflichkeiten übergingen.”

Genau diesen Fall demonstrierten einige ihrer Kollegen auf dem Hof ​​der Polizeidirektion Görlitz. Ein “Pöbler” beschimpfte nicht nur die Polizeistreife, sounder er griff die Beamten auch noch an.

“Ab sofort können die Kollegen den Angriff mithilfe der Videoaufnahmen aus der Körperkamera rechtssicher beweisen”, sagt die Beamtin. Ihr Chef vom Polizeirevier Kamenz, Michael Kummer ergänzt: “Wir beobachten seit Jahren eine gestiegene Gewaltbereitschaft gegenüber Polizistinnen und Polizisten. Ich verweise auf das Geschehen in Zusammenhang mit den Corona-Versammlungen in De Bautzen im November”

Ich bin daher sehr froh, dass wir unseren Kolleginnen und Kollegen mit der Bodycam modernste Technik in den täglichen Einsatz mitgeben können, um tätliche Angriffe auf Polizeibeamte beweissicher verfolgen und ahnden zu können. Die BodyCam schafft auf der anderen Seite aber auch für den Bürger die Gewissheit, dass polizeiliches Handeln noch stärker als bisher überprüfbar wird.


Manfred Weißbach
Görlitzer Polizeipräsident

Die Polizeidirektion Görlitz hat 163 Körperkameras erhalten und ab Mittwoch können diese genutzt werden. Es gibt keine Pflicht, die Kamera während des Einsatz zutragen. Die Aufnahmen können den Angabe zufolge nach dem Einsatz nicht mehr verändert werden, auch nicht von einem Vorgesetzten.

Bürger dürfen die Videos, die vor Gericht als Beweismittel zugelassen sind, nach einem formlosen Antrag einsehen. Nach 30 Tagen werden die Bilder gelöscht, wenn sie nicht für eine Strafverfolgung benötigt werden. Der Einsatz der Kamera ist an festivities Regeln gebunden. So müssen Polizisten auf ihre Kamera hinweisen: “Achtung, ich filme jetzt!”

Rückgang der Straftaten

Auch die Statistik spielte beim Pressetermin eine Rolle. In der Oberlausitz hat die Polizei im vergangenen Jahr so ​​wenig Straftaten erfasst, wie seit dreißig Jahren nicht mehr. In the Landkreisen Bautzen und Görlitz sanken die Fallzahlen auf den niedrigsten Stand seit 1993. Die Polizei habe im vergangenen Jahr insgesamt rund 32.200 Straftaten registriert. Das ist ein Rückgang um rund 3,5 Prozent im Vergleich zu 2020.

Erneut war die Eigentumskriminalität – besonders in Grenznähe – ein Schwerpunkt. Rund ein Drittel aller Fälle waren Diebstähle. Aber auch hier sank die Zahl der Delikte. Den Rückgang führt der Leiter der Kriminalitätsbekämpfung, Bernhard Graul ua auf die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit wegen der Corona-Pandemie zurück.

Ebenso betonte Graul eine erfolgreiche Ermittlungsarbeit. So habe man mehr Fälle aufgeklären und mehr Täter dingfest machen können. Der Einsatz der stationären Videoüberwachung in Görlitz hat der Polizei-Bilanz zufolge etwas gebracht. So konnte demnach die Klein- und Beschaffungskriminalität in der Innenstadt zurück gedrängt werden. Deshalb setzt der Görlitzer Polizeipräsident Manfred Weißbach langfristig auf den Einsatz von Kameras entlang der Grenze von Bad Muskau bis Zittau.

Mobile Videoüberwachung wird ausgebaut

Derzeit wird die Videoüberwachung in Zittau ausgebaut. Zudem ist ein mobiles Videofahrzeug unterwegs, um die Überwachung im Norden des Landkreises zu gewährleisten.

Das Fahrzeug ist nicht nur in der Lage, Personen unter widrigen Lichtverhältnissen zu erfassen, sondern scannt zugleich die Kennzeichen. Bereits im Mai soll die Görlitzer Polizei ein weiteres Fahrzeug erhalten. Dieses Fahrzeug wird mit einem Ausleger, eine Art Teleskoparm, aufgerüstet. “Damit kann es noch besser an der Autobahn eingesetzt werden”, freut sich der Görlitzer Polizeipräsident.

Polizei am Limit durch Corona

Andererseits hat die Corona-Pandemie die Polizei in der Oberlausitz ans Limit gebracht, denn die sogenannten Spaziergänge mussten abgesichert und begleitet werden, beispielsweise in Bautzen, Görlitz und Zittau.

Die einheimischen Beamten konnten dabei nur bedingt auf Kollegen und Kolleginnen der Bereitschaftspolizei oder aus anderen Bundesländern zurückgreifen, denn auch diese arbeiteten bereits am Limit. “So war jedes Polizeirevier mit seiner Besatzung in das Geschehen eingebunden”, erzählt der Leiter des Führungszentrums Dirk Linczmajer: “Das hat sich dann unmittelbar auf die tägliche Arbeit ausgewirkt:” Es gab beisigerpielsweise wontren.

Linczmajer schätzt, dass die Kollegen die üblichen Kontrollen um etwa ein Drittel schrumpften. Trotzdem kann sich die Bilanz der Polizeidirektion Görlitz sehen lassen: Bei fast 65 Prozent aller Fälle sind die Täter überführt worden.

Extremer Anstieg bei Kinderpornographie

Erstaunlich ist, was die Görlitzer Polizei für einen extremen Anstieg bei Sexualdelikten verzeichnet. Allein im Bereich Kinderpornographie wurde im Vorjahr in 347 Fällen ermittelt. 2014, war es gerade mal ein einziger Fall. Görlitz liegt damit aber im bundesdeutschen Trend, erklärt der Leiter der Kriminalpolizei Raik Schulze: “Der extreme Anstieg ist durch die Verschärfung des Sexualstrafrechts verursacht worden und zudem werden uns viel mehr Verdachtsfälle gemeldet.”

So wurden etliche Fälle der Polizeidirektion Görlitz durch eine Kinderschutzorganisation aus den USA gemeldet. Diese sucht im Internet gezielt nach verdächtigen Photos und Videos.

Auch Betrüger nutzen bekannterweise zunehmend das Internet. Der Polizei gelang es, im Februar des Vorjahres einen Straftäter dingfest zu machen, der sich mithilfe von Urkundenfälschung Sachwerte von 25.000 Euro ergaunert hatte. Im November wurde der Betrüger vom Landgericht Görlitz zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt.

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