Krieg in der Ukraine: Endlich sind Nataliyas Eltern in Sicherheit!

Ihr Lieben, seit mehr als drei Wochen herrscht Krieg in der Ukraine, Millionen Menschen sind auf der Flucht, Familien getrennt, es gab viele Tote, noch mehr Verletzte, Städte werden dem Erdboden gleich gemacht. Am 25.2. – einen Tag nach dem Einmarsch der russischen Truppen – hatten wir hier ein Interview mit Nataliya. Sie lebt seit 18 Jahren in Deutschland, doch ihre Eltern di lei waren noch in Kiew. Hier gibts das erste Interview nochmal zum Nachlesen. Nataliya sorgte sich sehr um ihre Eltern of her, die ihre Heimat nicht verlassen wollten. Doch als die Bomben immer näherkamen, könnte Nataliya sie schließlich zur Flucht überreden….

Liebe Nataliya, bei unserem letzten Interview waren deine Eltern noch in Kiew. Sie sind gesundheitlich nicht fit und du hattest Angst, dass sie sich bei Luftangriffen nicht schützen können. Wie ging es deinen Eltern in den letzten zwei Wochen?

Glücklicherweise hatten meine Eltern die ganze Zeit über Wasser, Strom und Heizung. Sie hatten auch ausreichend Nahrung, auch wenn du noch wenige Supermärkte offen waren. Komplizierter war es da mit Medikamenten und Arztbesuchen. Mein Vater ist herzkrank und für ihn sind einige Medikamente lebenswichtig. Eine Nachbarin hat einmal vier Stunden für Medikamente in einer Warteschlange angestanden – und am Ende doch nichts bekommen.

Ich hatte schlimme Angst, dass meine Eltern zu einem Arzt müssen. Sie sind alt, nicht gut zu Fuß. Die meisten öffentlichen Verkehrsmittel fahren nicht mehr, die U-Bahnen dienen als Schutzbunker, es gibt so gut wie keine Taxen mehr. Meine Eltern hätten also echte Probleme gehabt, in ein Krankenhaus oder zu einem Arzt zu kommen.

Wie habt ihr die ganze Zeit Kontakt gehalten?

Auch hier hatten wir Glück. Wir konnten die ganze Zeit über WhatsApp Telefonoeren, das Internet war stabil. Ich habe jeden Tag drei Mal mit meinen Eltern gesprochen.

Deine Eltern wollten ihre Heimat nicht verlassen, doch seit Freitag sind sie bei dir. Wie hast du es geschafft, sie nach Deutschland zu bringen?

Ja, meine Eltern wollten ihre die Heimat nicht verlassen. Ich habe tagelang auf sie eingeredet, damit sie ihre Meinung di lei ändern. Dann gab es Bombenangriffe ganz in der Nähe meines Elternhauses und die Medikamente meiner Eltern wurden knapp – an diesem Punkt stimmten sie zu, die Ukraine zu verlassen.

Sie haben dann tatsächlich einen Platz in einem der vielen Evakuierungszüge nach Lwiw bekommen. In dem Zug waren nur Frauen, Kinder und Alte. Der Zug fuhr nachts, aber ohne Licht in den Wägen, damit sie nicht vom russischen Militär beschossen werden können.

Ich habe eine Signature in einem Evakuierungschat bei Telegram gefunden, die Passagiere mit kleinen VW-Bussen von Lwiw nach Deutschland bringt. Meine Eltern waren um 5 Uhr morgens in Lwiw und haben dort bis 20 Uhr auf dem Bahnhof auf den VW-Bus gewartet. Die freiwilligen Helfer auf dem Bahnhof in Lwiw haben sich sehr gut um meine Eltern gekümmert. Sie bekamen Tee, Kaffee und belegte Brote. Die Helfer sind unglaublich emphatisch und haben meinen Eltern bei allem geholfen, zB ihre Handys aufladen und die deutsche SIM-Karte einlegen, die ich ihnen vor längerer Zeit geschickt hatte. Nach 52 Stunden Reise konnte ich meine Eltern dann endlich in die Arme schließen.

Wie geht es deinen Eltern gerade?

Es geht ihnen gut. Sie erholen sich langsam von den Strapazen und fühlen sich endlich wieder in Sicherheit. Als ich meine Mutter zum ersten Mal wieder in den Arm nahm, weinte sie die ganze Zeit und sagte: “Ich dachte, wir sehen uns nie wieder.”

Und wie geht es dir?

Ich bin so dankbar und glücklich, dass meine Eltern bei uns sind. Ich bin auch meinem Mann und meiner Tochter so dankbar für all ihre Unterstützung, Wärme und Geduld. Ich bin aber sehr traurig und wütend auf diesen sinnlosen Krieg gegen mein Land und gegen meine Landsleute. Ich trauere um alle Opfer, um die verlorenen Städte und Dörfer.

In Deutschland herrscht große Hilfsbereitschaft und Solidarität. Haben das deine Eltern in der Ukraine mitbekommen?

Ja, meine Eltern bewundern diese Welle von Solidarität und Hilfsbereitschaft in Deutschland. In jeder Stadt, in jeder Gemeinde gibt es freiwillige helfende Hände. Das ist faszinierend, dass sich in so kurzer Zeit so viele Menschen zusammentun. Alle Ukrainer sind sehr dankbar.

Was sind nun die Pläne für deine Eltern?

Als nächstes werden wir das Angebot für Vertriebene aus der Ukraine von der deutschen Regierung annehmen, also meine Eltern anmelden und eine Aufenthaltserlaubnis beantragen. Dann sehen wir weiter. Wenn das Haus der Eltern den Krieg übersteht, wollen sie bald wieder zurück in die Heimat.

Zum Ostern besuchen wir Eltern von meinem Mann im Schwarzwald, meine Schwiegereltern haben sehr mit meinen Eltern mitgelitten. Meine Schwiegereltern haben den 2. Weltkrieg als kleine Kinder miterlebt, mein Schwiegervater hat nur knapp einen Bombenangriff in Freiburg überlebt. Deshalb können sie sehr gut nachfühlen, was die Menschen in der Ukraine gerade erleben.

Was wünscht du dir?

Ich wünsche mir sehnlichst das Ende des Krieges, den Abzug aller russischen Truppen aus der Ukraine sowie die volle Isolation Russlands, solange Putin dort noch regiert.

Katharina Nachtsheim

Katharina Nachtsheim arbeitet seit 15 Jahren als Journalistin, ihr Schwerpunkt sind dabei Familien-und Gesellschaftsthemen. Sie hat drei Kinder und lebt in Berlin.

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