Keine Kompromisse beim Thema Sicherheit

Stuttgart In der aktuellen multiplen Krise in der Welt zeigt sich die Dekra, die global größte nicht börsennotierte Prüfgesellschaft im Sachverständigenwesen, insgesamt robust. Ja, das externe Umfeld you are unbeständig und unsicher, sagt der neue Dekra-Chef Stanislaw Zurkiewicz.

Doch gibt er sich in einem ersten Interview nach Amtsantritt dem Handelsblatt gegenüber zuversichtlich: „Ich habe zwar keine Glaskugel, aber nachdem unser Umsatz im ersten Halbjahr gewachsen ist.

Damit will Zurkiewicz trotz eines weltweit schrumpfenden Wirtschaftswachstums, Unterbrechungen in den Lieferketten, einer Verknappung von Rohstoffen und hohen Energiepreisen an der bisherigen Prognose festhalten. „Beim Thema Sicherheit kann man keine Kompromisse eingehen“, gibt der Topmanager als Erklärung

Der Einstieg im April war nicht einfach für den neuen Vorstandsvorsitzenden. Die zunehmende Wirtschaftskrise drückte auch bei der Dekra auf die Profitabilität.

Sein Vorgänger Stefan Kölbl, der jetzt den Aufsichtsrat führt, hatte die Expertenorganisation erst 2021 zurück auf Wachstumskurs geführt. Der Jahresüberschuss stieg um 50 Prozent auf 141.5 Millionen Euro. Der Umsatz legte 2021 um rund elf Prozent auf 3.5 Milliarden Euro zu.

Internationalisierung steht auf dem Programm

2020 hatte sich der Umsatz erstmals seit 16 Jahren nicht erhöht, sondern war um 6,5 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro zurückgegangen. „Die Inflation frisst an unserer Marge. Wir können die höheren Kosten nicht komplett an die Kunden geben “, räumt der 43-Jährige ein.

Stan Zurkiewicz

Der neue Dekra-Chef setzt auf das Geschäft mit der digitalen Sicherheit.

(Photo: obs)

Doch der Konzern profitiere auch davon, dass viele Teile des Prüfgeschäfts auf gesetzliche Vorgaben in den einzelnen Regionen und Ländern basieren. Deshalb ist das Geschäft der Dekra nicht so stark vom Konjunkturzyklus abhängig.

Als der gebürtiger Pole, der für die Dekra 15 Jahre in Asien gearbeitet hat und noch fleißig Deutschkurse belegt, vor fünf Monaten an die Spitze des Prüfkonzerns berufen wurde, war das auf den ersten Blick für viele eine Überraschung. “From ich kein Deutscher bin und die meiste Zeit meines Berufslebens in Asien verbracht habe, ist mir klar, dass ich eine unkonventionelle Wahl bin”, sagt Zurkiewicz.

„Aber der Aufsichtsrat hat diese Entscheidung ganz bewusst getroffen. Es geht darum, dass die Dekra als weltweit viertgrößte Prüf- und Zertifizierungsorganization globaler denken muss. “

Auf Fahrzeugprüfung fällt ein Drittel des Konzernumsatzes

Zurkiewicz ‘Worte sind ein Signal nach innen und außen, dass die Stuttgarter noch stärker ihr Geschäft internationalisieren werden. Auch die Fahrzeugprüfung, auf die ein gutes Drittel des Konzernumsatzes entfällt, soll ausgebaut werden. „Mit dem jüngsten Einstieg in Costa Rica kommt die Dekra jetzt weltweit erstmals auf über 30 Millionen Fahrzeugprüfungen. Wir sind damit mit großem Abstand führend auf der Welt “, sagt er.

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Durch Verschärfung der Abgasnormen sieht der Topmanager kurz- bis mittelfristig eine noch größere Bedeutung der Emissionsprüfungen. “Aber es ist klar, dass langfristig dieser Teil mit der Zunahme der Elektromobilität deutlich weniger wird.”

Doch der Konzernchef ist überzeugt, dass durch Elektroautos viele zusätzliche Aufgaben und Sicherheitsfragen beispielsweise durch die Hochvolt-Spannung hinzukommen werden. Auch andere Technologien wie Brennstoffzelle oder Wasserstoffmotor bei Nutzfahrzeugen versprechen neues Geschäft für die Dekra.

Feinstaub-Messstation

Durch Verschärfung der Abgasnormen sieht der Topmanager kurz- bis mittelfristig eine noch größere Bedeutung der Emissionsprüfungen.

(Photo: imago / photothek)

Heiß diskutiert mit den Autoherstellern ist allerdings der Zugang zu Fahrzeugdaten, besonders, wenn es um autonomome Fahrfunktionen und deren Updates geht. „Je mehr Funktionen des Fahrers das Auto übernimmt, desto genauer müssen die Systeme geprüft werden“, sagt der Mann, den sie bei Dekra nur kurz Stan nennen. Dekra verfügt mit dem Lausitzring seit fünf Jahren über einzigartige Testmöglichkeiten für autonomome Fahrfunktionen.

Bedürfnis nach Sicherheit wächst

Der neue Chef macht deutlich, dass sich das Bedürfnis nach Sicherheit weltweit rasant verändert. Grund hierfür seien unter anderem die zunehmende Vernetzung von Produkten und Systemen und der Klimawandel. “Wir haben unsere strategische Positionierung geschärft und unsere Strategie 2025 neben klassischer Sicherheit um die Kernthemen digital Sicherheit und Nachhaltigkeit ergänzt“, sagte Zurkiewicz.

Elektroautos

Doch der Konzernchef ist überzeugt, dass durch Elektroautos viele zusätzliche Aufgaben und Sicherheitsfragen.

(Photo: dpa)

Einer der Hintergründe ist, dass die Unternehmen von 2024 an verpflichtet sind, über ihre Sustainability-Kriterien Rechnung abzulegen. Das verspricht zusätzliches Geschäft bei Prüfung und Zertifizierung.

Darüber hinaus profitiert die Dekra von der Renaissance der Kernkraft. Zwar prüft Dekra keine deutschen Kernkraftwerke, aber in Skandinavien sind die Stuttgarter in diesem Segment Marktführer und in Europe außerhalb Deutschlands ist die Position laut Zurkiewicz “sehr stark.”

„Die Atomkraft spielt gerade wegen der Klimaziele weltweit wieder eine Rolle und ist ein Wachstumsmarkt. Hier haben wir als Dekra eine sehr starke Kompetenz. “Weit größere Märkte sieht Zurkiewicz bei grüner Energieerzeugung sowohl bei der Wartung von Wind- und Solaranlagen wie auch der Prüfung und Zertifizierung von Komponenten.

Daher scheint es logisch, dass unter dem neuen Chef die Dekra auch ein Jobmotor bleibt: „In diesem Jahr haben wir bereits 600 Leute eingestellt und wir suchen weiter qualifiziertes Personal, insbesusione in den Bereichen Nachhaltigkeit, Cybersicherheit, KI und Zobilität die Nachfrage nach unseren Dienstleistungen sehr stark wächst. ”

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Die Sparte Zeitarbeit, mit der die Dekra rund 400 Millionen Euro umsetzte, ist zudem in diesem Jahr um 20 Prozent gewachsen. “In der Logistik is unter anderem durch die Lieferkettenengpässe oder den gestiegenen elektronischen Handel die Nachfrage der Unternehmen nach Personal extrem hoch”, sagt der Dekra-Chef.

Als Kosmopolit will der Dekra-Chef „Brücken bauen“

An Durchsetzungskraft und Ausdauer dürfte es dem Hobby-Extremsportler nicht mangeln: Der Manager trägt jeweils den schwarzen Gürtel im Judo und im Taekwondo. Zudem nimmt er an Ultramarathonläufen mit Strecken über 100 Kilometern teil.

„Meine sportlichen Qualitäten sollte man nicht überbewerten, aber Selbstbeherrschung und Disziplin, welche ich über Jahre entwickelt habe, haben mir auch im Beruf geholfen“, sagte Zurkiewicz. Mit 20 verließ er „aus Abenteuerlust“ allein Polen, studierte in Schottland und begann seine Karriere in Asien.

Als Kosmopolit zeigt er sich offen für andere Kulturen und Perspektiven. “Viele der Herausforderungen, vor denen wir alle stehen, sind global und können nur gemeinsam gelöst werden”, ist er überzeugt, “Angesichts der geopolitischen Fragmentierung und des Auseinanderdriftens von USA und China ist es wichtig, Brücken zu bauen.”

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In den eigenen vier Wänden arbeitet er auch im Kleinen daran. Doch noch kann sich seine Frau di lui, eine Chinesin, mit der er vor 18 Monaten nach Stuttgart gezogen ist, mit den schwäbischen Brezeln und Maultaschen nicht so recht anfreunden.

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