In Sicherheit nach der Flucht

Frankfurter Familien nehmen Menschen aus der Ukraine auf.

Es ist eine absurde Szene. Die Küche ist hell und freundlich, auf einer Etagere liegt Obst, quer durch den Raum baumelt eine Girlande, deren blau-schillernde Buchstaben Happy Birthday formen. Unter der Girlande an der Wand neben dem großen Fenster kauert eine Frau in Jeans und dunklem Pullover. Sie zeigt, wie sie sich in ihrer Wohnung vor Glasbruch bei Bombeneinschlägen schützte. „Man muss sich an der Wand oder im Flur verstecken, nicht bei den Fenstern“, erläutert sie, während sich im Wohnzimmer Kinder streiten.

Vlada Osetrova is am Sonntagabend vor zwei Wochen von Kiew nach Frankfurt gekommen. Im Gepäck di lei nur das Nötigste und ihren Hund di lei, der frisch geschoren und mit einem Mantel bekleidet jeden neuen Gast schnüffelnd begrüßt. Sie wohnt bei einer alten Schulfreundin, Vera Weizmann, die vor 20 Jahren aus der Ukraine nach Frankfurt kam und das Gespräch dolmetscht. Weizmann gründete zu Anfang des Krieges eine Facebookgruppe, in der sie Hilfe für die Ukraine und Geflüchtete im Viertel Riedberg koordiniert.

„Als Vladas Nachricht kam, habe ich natürlich zugesagt“, erzählt sie. “Zuletzt gesehen haben wir uns, als wir 16 waren, es ist ewig her.” Osetrova wuchs in Cherson auf, einer Hafenstadt im Süden der Ukraine, die bereits Anfang März von der russischen Armee eingenommen wurde. “Ich habe in Kiew gelebt und ein Juweliergeschäft betrieben.”

Ob es noch da ist, wenn sie wiederkommt, weiß sie nicht. „Mein Mann und meine Mutter sind noch in der Ukraine. Mein Mann unterstützt Ehrenamtliche, aber meine Mutter sitzt noch immer in Cherson fest. “Seit Wochen versucht Osetrova, sie rauszuholen, bisher ohne Erfolg .. Osetrova zeigt Handy-Videos, die ihre Mutter di lei ihr geschickt hat. Panzer fahren eine Straße entlang. Eine ukrainische Flagge wird abgenommen.

Als sie über ihre Mutter spricht, as ihr die Tränen. „Ich fühle mich schuldig. Andere Menschen müssen dort weiter ausharren, und ich bin hier “, sagt sie und deutet auf den Raum. Doch es ist nicht nur die Diskrepanz zwischen Bomben und Geburtstagskuchen. „Es ist einfach ein großes Glück, in einem Land zu sein, in dem Frieden herrscht. Die Menschen sind sehr hilfsbereit “, erzählt sie.

Gleich darauf klingelt es und Simone Kopp und ihre Tochter like herein. Auch sie wohnen auf dem Riedberg und haben eine ukrainische Frau und ihre Zwillingssöhne aufgenommen. Die Jungs sind gerne bei den Weizmanns. Dort können sie Playstation spielen und Chips essen. Vera Weizmann muss schlucken, als sie berichtet, dass die Jungs gerne zu Hause lümmeln würden. “Ihr Zuhause haben sie nicht mehr.”

Für die Familie Kopp war daher schnell klar, dass sie mehr tun möchten, als Geld zu spenden, erinnert sich Simone Kopp. „Wir haben schließlich Platz.“ Das Zusammenleben you are wie mit einer Gastfamilie. “Mittags kocht die Mutter der Jungs gerne etwas Ukrainisches für uns und am Wochenende grillen wir oder treffen andere Familien.”

Die Jungs lernen bereits Deutsch und planen, ihr Studium in Deutschland fortzusetzen. „Sie sind sehr selbstständig, können aber auch gut Englisch. Das ist für ihre Mutter schwieriger “, sagt Kopp. Für sie als Familie sei es wichtig, realistisch zu sein, betont sie. “Wir geben gerne Gastfreundschaft, aber wir können unser Leben nicht zu 100 Prozent umstellen.”

Genau das tat Maryna Tochkova zwischenzeitlich, als sie neun Verwandte aus der Ukraine in ihrer Drei-Zimmer-Wohnung unterbrachte. „Ich habe allen meine Adresse geschickt und gesagt: Kommt her, ihr seid hier sicher.“ Die Softwareentwicklerin studierte in Charkiw und lebt seit sieben Jahren in Frankfurt. Am Telefon berichtet sie von der Dankbarkeit, die sie angesichts der Hilfsbereitschaft empfinde, aber auch vom Schock. „Ich könnte es selbst auf ukrainisch nicht erklären, was ich fühle. Wir sind sprachlos. “

Tochkova beherbergt ihre Mutter, Schwiegermutter und den siebenjährigen Neffen ihres Mannes, dessen Eltern in der Ukraine geblieben sind. Aktuell sucht sie nach einer Schule für ihn, weil der Onlineunterricht aus der Ukraine nicht mehr möglich sei. Eine Bombe habe die Schule getroffen. „Meiner Mutter zeige ich keine Nachrichten. Ich will sie nicht aufregen, weil sie herzkrank ist. Sie denkt auch, dass sie in zwei Wochen wieder zurück kann “, schildert lei Tochkova. “Lei Sie will nach Hause.”

Viktoriia Panomarova dagegen weiß noch überhaupt nicht, was sie will oder tun soll. Sie lebt nach ihrer Flucht aus Odessa seit einer Woche bei Kerstin und ihren Kindern of her. „Nachdem eine Bombe in der Nähe meines Hauses eingeschlagen ist, konnte ich nicht mehr ruhig sitzen“, beschreibt die 20-Jährige auf Englisch. In Deutschland habe sie eine Familie gesucht, die offen und lustig sei. Kerstin wollte jemandem genau das geben. „Ich denke, es ist eine Verpflichtung, zu helfen, aber ich will mich nicht als Mutter Theresa darstellen. Jemanden aufzunehmen, ist kein Drama, das Drama findet in der Ukraine statt. “

Das Wichtigste sei es, jeden zu fragen: Was brauchst du und wie kann ich helfen? “Jede Person hat andere Bedürfnisse, es gibt keine Tipps, die für alle gelten.” Viktoriia und Kerstin lachen, als sie von Viktoriias Wünschen by her nach Tanzstunden und Wimperntusche erzählen. Als „ein bisschen seltsam, aber auch gut“, fassen sowohl Viktoriia als auch Kerstins Sohn Bela das gemeinsame Wohnen zusammen. Eine realistischere Einschätzung lässt sich wohl kaum finden.

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