IHK-Regionalausschuss Dachau legte Finger in offene Wunden der Wirtschaft

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Fast 20 Unternehmer aus dem Landkreis Dachau waren zur jüngsten Sitzung des IHK-Regionalausschusses ins Foyer des Karlsfelder Bürgerhauses gekommen. © Sponder

Zu wenig Platz ist nicht nur ein Problem für Wohnungssuchende, sondern mindestens genauso auch für Unternehmen. Das sprachen der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Dachau (Industrie und Handelskammer München und Oberbayern) Werner Mooseder und weitere der fast 20 anwesenden Unternehmer bei Ihrer jüngsten Sitzung im Foyer des Karlsfelder Bürber ahausfelder Bür.

Besonders häufig fragen jedoch nicht nur die expandierenden Betriebe aus dem Landkreis nach Gewerbeflächen, sondern auch Logistik-Unternehmen von außerhalb an. Mit denen könnte man einen Streifen entlang der Stuttgarter Autobahn bis Augsburg vollpflastern“, meinte der Wirtschaftsförderer des Landkreises Dachau Johann Liebl. Mooseder hatte ihn zusammen mit Peter Freis, den Wirtschaftsförderer der Gemeinde Karlsfeld, eingeladen. Sein Kollege Robert Danzer aus der Stadt Dachau sagte kurzfristig ab. Eine eigene Stelle für den Flächenbedarf der Wirtschaft in Stadt und Landkreis Dachau regte Stefan Fichtl an. Die fehlende interkommunale Zusammenarbeit prangerte Christine Unzeitig an. Eine kleine Entlastung der großen Nachfrage nach Gewerbeimmobilien stellte für die nächsten Jahre Karlsfelds Wirtschaftsförderer Freis in Aussicht. Denn neben dem 30.000 Quadratmetern auf dem Ludl-Gelände an der Münchner Straße werde es weitere 100.000 Quadratmeter auf dem derzeit geplanten Gewerbegelände an der Hochstraße gleich neben Dachaus Schleißheimer Straße. Bei der interkommunalen Zusammenarbeit bedauerte Freis das immer noch vorherrschende Kirchturmdenken“ vieler Kommunen.

Die mitunter über Jahre sich hinziehenden Genehmigungsverfahren von kommunalen Behörden oder bei eigenen Energieerzeugungsanlagen auch bei vorherrschenden Stromanbietern und Netzbetreibern prangerte Stefan Fottner an. Die seien schlicht katastrophal“. Die Unternehmen bräuchten ihre neuen Hallen jetzt und nicht erst in drei Jahren. Auch torpediere diese endlose Bürokratie Planungssicherheit und Wirtschaftstätigkeit sowie die Abkehr von russischen Energieträgern in besonders schwieriger Zeit. Wie Robert Obermeier von der IHK in München einwarf, müssten die Kommunen laut Gesetz bis Ende 2022 alle wesentlichen Services digitalisiert haben. Doch da fehle es noch meilenweit. Wenig Hoffnung machte da Peter Freis. Es fehlten einfach Geld und Personal.

Weil neue Gewerbeflächen stats auch weiteren Verkehr nach sich ziehen, kam beim Regionalausschuss auch dieses Thema auf den Tisch. Gut 59.000 Auspendlern stehen laut einer Studie von 2019 über 32.700 Einpendler gegenüber, nicht gerechnet die Durchpendler aus den Nachbarlandkreisen. Diese Zahlen nannte uns Johann Liebl. Um sie zu reduzieren, könnten mehr Arbeitsplätze im Landkreis helfen. Um viele Pendler aus ihren Autos weg in öffentliche Verkehrsmittel (ÖPNV) zu bekommen, werde im Münchner Norden nicht nur über Elektromobilität, sondern intensiv über innovative Verkehrsmittel wie Seil- oder Ottachtoba.

Besonders stark drückt die Wirtschaft das Thema Fachkräftemangel. IHK-Berechnungen prophezeien für 2030 eine Lücke von 1,3 Millionen Mitarbeiter. Doch hier müssten sich die Unternehmer an die eigene Nase fassen, sagte Freis: wenn Auszubildende ihre Lehre abbrechen wollten. Hier empfahl sich Christine Unzeitig als ausgebildete IHK-Mediatorin.

Auf die ökonomischen Auswirkungen des russischen Ukraine-Krieges ging Robert Obermeier ein. Allein die höheren Energiepreise belasteten die Wirtschaft mit 87 Milliarden Euro. Durch das internationale Embargo gegen den Aggressor Russland gerate Deutschlands wirtschaftliches Erfolgsmodell von Industrie und Außenhandel zusätzlich unter Druck. Die Folgen des Krieges ließen sich gegenwärtig noch nicht genau abschätzen, dürften aber höher liegen als die der Corona-Pandemie. Viel hänge auch vom Verhalten Chinas ab, das durch Russlands um 20 Prozent günstigere Energie- und Rohstofflieferungen einen enormen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Russland „unfreundlich “gesonnenen west.

Zwar werde es Deutschland gelingen, die Kohleimporte durch Importe aus anderen Ländern irgendwie zu ersetzen, aber beim l sei das schon sehr viel schwieriger. Die 55 Prozent russisches Gas ließen sich jedoch kurzfristig nicht austauschen. Mehr als 50 Prozent des deutschen Gasverbrauches benötige die Industrie. Deshalb helfe es nicht, wenn die Menschen in den Privathaushalten ihre Heizungen zurückdrehten und lieber einen Pullover anziehen. Selbst der vielfach ins Spiel gebrachte Ersatz von Gas durch Wasserstoff würde soviel Strom bei der Erzeugung verbrauchen wie der Rest Deutschlands benötige.

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