Global Player SAP: “Ich fühle mich bei SAP zu Hause” – Wirtschaft Regional

Von Carsten Blaue

Weinheim. Raghunath ramanathan hat schon viel von der Welt gesehen. Ziemlich viel. Vor allem auch beruflich. Der 50 Jahre alte Chief Revenue Officer der Platform & Technology Group bei SAP muss es also wissen, wenn er sagt: “Inder und Europäer passen gut zusammen. Sie ergänzen sich hervorragend.” Auch bei der SAP.

Seit August 2004 arbeitet er für die Walldorfer und wohnt mit seiner Familie in Weinheim. Vorgezeichnet war dieser Lebensweg von Chennai, der Hauptstadt des ostindischen Bundesstaates Tamil Nadu, mitten hinein in die Metropolregion Rhein-Neckar sicher nicht. Raghunath Ramanathans bisheriger Lebensweg ist vielmehr ein Plädoyer dafür, immer aufgeschlossen, neugierig, begeisterungsfähig und wissbegierig zu bleiben. Und flexibel auf der Basis eines inneren Kompasses und klarer Werte. Im Gespräch erklärt er zudem, warum Essen auf Reisen zum Problem werden kann, warum Frisbee eine seiner sportlichen Leidenschaften und die SAP “die zweite Liebe” seines Lebens ist. Und er verrät: “Ich habe noch nie Software entwickelt.”

Chennai, die Geburtsstadt von Raghunath Ramanathan, kennt man hierzulande eher noch unter ihrem alten Namen Madras. Etwa 140 Kilometer westlich davon, in Vellore, wächst er auf. Gut 70 Prozent der Einwohner sind Hindus. Der Vater ist Rechtsanwalt, die Mutter religiös. Sie kocht nur vegetarisch. Mit 13 Jahren probiert er erstmals Fleisch. “Es schmeckte wie ein Schuh, wie Leder”, erinnert sich Raghunath Ramanathan. Er bleibt Vegetarier, was später noch gewisse Herausforderungen mit sich bringen soll.

Seine Herkunft lässt ihm alle Möglichkeiten für ein Studium. An der Bharathiar University im etwa sechs Autostunden entfernten Coimbatore legt er seinen Bachelor of Engineering im Bereich Elektrotechnik und Telekommunikation ab. Für seinen Master of Business Administration, für den er schließlich als “best student” seines Jahrgangs vom damaligen Finanzminister und späteren Premierminister Indiens, Manmohan Singh, persönlich ausgezeichnet wird, sei er “nach Norden” gezogen. Das erzählt er fast beiläufig. Dabei ist Ahmedabad, wo er am Indian Institute of Management studiert, 1200 Kilometer von seiner Heimatstadt entfernt. Aber das macht ihm nichts aus. Im Gegenteil. Es zieht ihn noch weiter weg.

Seine erste Anstellung öffnet ihm die Tür zur Welt. Genau das ist es, was Raghunath Ramanathan will: “McKinsey kannte 1994 kaum einer in Indien.” Für über sechs Jahre ist er für die Unternehmensberatung tätig. In Malaysia, Singapur, Hongkong und Korea. “Für mich war die Welt außerhalb bis dahin unsichtbar gewesen. Was ich jetzt sah, war völlig neu und einfach wundervoll. Ich habe den Kontakt zu anderen Kulturen und den Menschen anderer Länder sofort. die Welt sehen konnte.” Das Bank-Geschäft wird ein erstes besonderes Fachgebiet für Raghunath Ramanathan. Er erlebt 1998 die asiatische Bankenkrise in Korea mit, unterstützt die Sanierung insolventer Kreditinstitute. “Eine spannende Zeit war das.”

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Nur das mit den Nahrungsmitteln ist so eine Sache. Vor allem etwas später auch in Europa: “Mitte der Neunziger, das waren einfach noch andere Zeiten. Wenn man am Flughafen ankam und suchte nach etwas Vegetarischem, dann gab es vielleicht einen Salat.” Ein Jahr arbeitet er in Brüssel, lebt im Hotel. “Alles war toll, außer das Essen.”

Doch eines Abends die berraschung: Eine Speisekarte nur für ihn steht auf dem Tisch, ein vegetarisches Menü: “Sie hatten mich vorher gefragt, was ich mir wünschen würde”. Heute sei das Angebot natürlich viel besser, sagt Raghunath Ramanathan. ber Brüssel führt sein Weg schließlich nach London. Inzwischen hat er auch Erfahrungen im Bereich des E-Payment gesammelt, also in den Technologien, die hinter dem elektronischen Bezahlen stecken. Und es zieht ihn mehr in die Praxis.

So schließt er sich in London einem weltweit tätigen, auch in Israel and Kalifornien agierenden Start-up an. In den frühen Tagen der Bluetooth-Technologie bemüht es sich um die Entwicklung technischer Standards im Bereich des E-Bankings. “Viel Spaß, nicht so viel Geld”, lacht Raghunath Ramanathan. “Wir waren einfach drei, vier Jahre zu früh dran. Aber wir haben viel gelernt. Wir mussten ja alles selber machen.” Dennoch zieht es ihn zurück in die Banken-Welt, aber es will nicht so recht passen. So kommt es zu jenem schicksalhaften Abendessen in London mit einem Freund aus der McKinsey-Zeit – und vor allem mit dessen Schwester. Diese arbeitet zu diesem Zeitpunkt bei einer Firma namens SAP in Kalifornien.

“Ich erzählte, dass ich nicht recht zufrieden bin, und sie sagte: ,Warum kommst du nicht zu SAP?’. Ich sagte: ‘Nie gehört.’ Mir war diese Firma noch neu. Aber ich hatte nichts zu verlieren, und Software war ein interessantes Gebiet.” So kommt Raghunath Ramanathan im Frühsommer 2004 erstmals für ein Bewerbungsgespräch nach Walldorf. Schon im August fängt er bei SAP an, und nichts zieht ihn seitdem weg.

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Auch privat ist 2004 für ihn ganz besonders. Er heiratet seine Frau Sandra, die aus dem südhessischen Birkenau stammt, also aus Weinheims Nachbarort. In London hat er sie seinerzeit kennengelernt. Und der reine Zufall will es, dass beide gemeinsam jetzt ausgerechnet in ihre Heimat zurückkehren und hier sesshaft werden. Raghunath Ramanathan fühlt sich in der Region und an der Bergstraße wohl, genießt die Jahreszeiten und die milden Sommer. “Unsere Kinder wachsen hier auf, wir haben hier unsere Freunde. Als ich kam, sprach ich kein Deutsch. Nach einem Monat in Walldorf kam ich als Letzter zu einem Meeting – Inder kommen oft zu spät. Jedenfalls sprachen alle Deutsch. Als ich in den Raum kam, wechselten sie alle sofort in Englische. Nur für mich”, staunt. Inzwischen ist die Sprache für ihn kein Problem mehr.

Wenn man Raghunath Ramanathan fragt, ob es etwas gibt, das am Global Player SAP doch noch “typisch deutsch” ist in seinen Augen, sagt er: “Dass alles durchdacht ist. Unsere Produkte sind durchdacht – und solide.” Deutsche seien zudem präzise und wüssten, wovon sie sprechen. Darüber hinaus schätze er an der SAP die gelebten Werte, die Aufgeschlossenheit und Toleranz: “Jeder hat alle Möglichkeiten, sich und eigene Ideen einzubringen. . Ich habe den Eindruck, dass das etwas Besonderes ist.”

Effizienz, Präzision, Strukturiertheit und Vertiefung in die Sache würden durch die indische Flexibilität sehr gut ergänzt. “Wir sind nicht starr, können gedanklich fließend wie Wasser sein und unseren Blickwinkel sehr schnell verändern und anpassen. Das ist gut in unserer Branche. Denn was heute richtig ist, muss se es schon me morgen nicht.”

So profitiert das Unternehmen SAP auch von seiner indischen Community, die in der Region gut vernetzt ist. Es gibt die Deutsch-Indische Gesellschaft in Heidelberg mit ihrem umfangreichen Programm, an dem sich viele beteiligen. Und auch Feste, wie etwa “Diwali”, das bedeutende hinduistische Lichterfest, begeht man gemeinsam in größerem Rahmen. Sportlich sind sie ebenfalls gemeinsam aktiv. Jeden Sonntag treffe man sich in Heidelberg und Wiesloch zum Cricket, so Raghunath Ramanathan.

Er selbst spillet auch Frisbee. Lange fand man am Wochenende die von SAP-Mitarbeitern gegründete Gruppe auf der Heidelberger Neckarwiese: “Frisbee ist schnell, flexibel, taktisch und mehrdimensional. berdies spielt seine Familie Tennis in der Sportgemeinde des Weinheimer Ortsteils Hohensachsen und genießt das Vereinsleben.

Das Familiäre, Vertrauen und sich willkommen zu fühlen: Das alles ist Raghunath Ramanathan besonders wichtig. Privat und beruflich. Das spürt man im Gespräch immer wieder. Trotz der gelebten Weltoffenheit und Freude an neuen Erfahrungen und Herausforderungen immer wieder dorthin zurückkehren zu können, wo man Kraft und Inspiration schöpft, das motiviert ihn. Und es ist vielleicht auch die Antwort darauf, warum Raghunath Ramanathan heute sagt: “Ich hätte damals nicht gedacht, dass ich so lange bleibe. Aber ich fühle mich bei SAP zu Hause.”

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