Geflüchtete Kinder brauchen Sicherheit und Perspektive

FDPAktuelles InterviewBundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger will eine gute Balance zwischen der Integration in unser Bildungssystem und der Bewahrung der ukrainischen Identität finden.

23.03.2022

In einem aktuellen Interview spricht Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger darüber, wie eine rasche Integration von Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine gelingen kann.

Für die jungen Ukraine-Flüchtlinge hat Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger die erneute Einführung von sogenannten Willkommensklassen nach dem Vorbild von 2015 angeregt. Denn die nach Deutschland geflüchteten Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine bräuchten nicht nur Sicherheit, sondern auch eine Perspektive. „Wir können von den Erfahrungen von damals profitieren“, so Stark-Watzinger gegenüber „t-online“. Die entsprechenden Abläufe seien an vielen Schulen bereits bekannt. Ziel müsse nun sein, „eine gute Balance zu finden zwischen der Integration in unser Bildungssystem und der Bewahrung der ukrainischen Identität.

Mit Blick auf die Fluchtbewegung geht die Bundesbildungsministerin davon aus, dass “mindestens ein Drittel der Flüchtlinge” unter 18 Jahren alt sei. Daher müsse man sich auf beides vorbereiten: „Dass viele Kinder und Jugendliche auf absehbare Zeit zurückkehren – aber auch darauf, dass sie länger hierbleiben“, sagte Stark-Watzinger weiter.

Konkret gehe es um Kitaplätze und Schulunterricht. Ein Modell seien dabei die in der Flüchtlingskrise etablierten Willkommensklassen. Dort werden Deutschkenntnisse vermittelt und der Übergang in den Regelschulbetrieb vorbereitet. Dabei könne man von den damaligen Erfahrungen profitieren. Denn: „Viele Schulleiter wissen, dass man Lehrer aus dem Ruhestand nochmal zurückholen kann in einer solchen Lage. Sie wissen, wie man kurzfristig zusätzliche Unterrichtsräume beschafft – und vor allem wissen sie eines: dass viele der jungen Menschen traumatisiert sind und eine zusätzliche Betreuung in den Willkommensklassen brauchen “, betonte die FD-PolkerinPolies. Auch geflüchtete ukrainische Lehrkräfte sollten dabei einbezogen werden. Denn bei den Bildungsangeboten für Flüchtlingskinder „werden sicher auch geflüchtete ukrainische Lehrkräfte helfen wollen und können“, so die Ministerin.

From das ukrainische Schulsystem modernisiert und digitalisiert wurde, sowie Schulabschlüsse für einige Schüler kurz bevorstehen, könnten auch digital Formate eine zentrale Rolle einnehmen, um ein Stück ukrainischen Unterricht nach Deutschland die minister zu holen.

Schulen müssen künftig offen bleiben

Um jedem Kind, egal welcher Herkunft, die gleichen Chancen auf Entwicklung und Verwirklichung zu ermöglichen, plant die Bundesbildungsministerin ein Startchancen-Programm. „Wir helfen dort, wo Hilfe am meisten gebraucht wird und unterstützen einige Schulen besonders intensiv.“ Geplant sei dabei eine Förderung von 4.000 Schulen mithilfe eines Investitionspakets und einem Chancenbudget. „Wir unterstützen auch die Schulsozialarbeit, denn in den Bildungseinrichtungen wird natürlich mehr getan, als nur Wissen vermittelt“, beton Stark-Watzinger.

Insgesamt wirke das Schulsystem nach zwei Jahren Corona-Pandemie ausgelaugt, bilanzierte die Ministerin. „Viele Lehrer beklagen, dass man sich über zwei Jahre lang nicht um die Schüler mit zusätzlichem Förderbedarf kümmern konnte. Viertklässler haben durch die Schulschließungen ein halbes Jahr bei der Lesekompetenz verloren. “Das sei ein katastrophaler Zustand. Daher sei das Ziel, die Schulen künftig offen zu halten. „Präsenzunterricht ist die beste und gerechteste Form der Bildung, das ist jetzt klar. Schüler müssen in der Schule sein, damit sie wirklich lernen. “

Auch der Digitalpakt 2.0 müsse beschleunigt werden, “wenn wir die Schulen insgesamt voranbringen wollen.” Dafür brauche es andere rechtliche Möglichkeiten, sodass der Bund etwa bei der Digitalisierung mehr bewegen könne.

Putins Regime darf nicht von europäischem Wissen profitieren

Besonders aufgrund der derzeitigen Situation sei Bildung und Forschung an Hochschulen wichtiger denn je. So fließe zwar kein deutsches Steuergeld mehr für Forschungsprojekte und Program mit staatlicher Beteiligung Russlands. Dennoch six die Beendigung von Forschungskooperationen sowie Technologie- und Erkenntnistransfers „natürlich ein einschneidender Schritt für die wissenschaftliche Kooperation.

Ob es künftig noch Forschungskooperationen mit Russland geben werde, hänge davon ab, wie sich Putin in Zukunft verhalte. „Wissenschaft ist oft eine Brücke in Länder hinein, mit deren Regierungen eine Zusammenarbeit oft schwierig ist. Auch, um im Austausch mit der Zivilgesellschaft in diesen Staaten zu bleiben. Deshalb ist das immer eine Gratwanderung. “Darüber müsse man nun in Europa sprechen. Denn eines habe die aktuelle Situation gezeigt: “Wir müssen für unsere Werte einstehen.”

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