Frauen und die SAP: “Wir brauchen Frauen in der IT” – Wirtschaft Regional

Von Barbara Klau

Walldorf. Als alarmierend bezeichnete Sabine Bendiek, SAP-Vorstand und Vizepräsidentin des Branchenverbands Bitkom, Zahlen, die der Verband Anfang März vorgelegt hat: Demnach arbeiten rund 1,2 Millionen Menschen in der Branche – und nün Franz Sin. Elf Prozent der Unternehmen haben demnach überhaupt keine Frau in der Belegschaft. Und auch in den Führungsetagen sind sie deutlich unterrepräsentiert. Eindringlich appellierte Bendiek, die 2019 von Microsoft Deutschland zu SAP kam und dort seither unter anderem für das Personal zuständig ist, an die Unternehmen in der Branche: “Wir brauchen Frauen in der IT.”

Immer ein bisschen die Exotin“: IT-Spezialistin Christine Regitz. Foto: SAP

Eine derjenigen, die es in der Branche geschafft haben, ist Christine Regitz, 56 Jahre, IT-Spezialistin, Softwareentwicklerin und Präsidentin der Gesellschaft für Informatik. Als “Head of SAP Women in Tech” setzt sie sich innerhalb des Konzerns für eine stärkere Vernetzung und Sichtbarkeit weiblicher Experten in allen Bereichen des Unternehmens ein, Initiative, zudem gehört sie zu den Initiatorinnenft, Wivon #sei zu den Initiatorinnenft, Wivons Porkeit Initiatorinnft mehr Frauen am digitalen vandel zu beteiligen. Seit 2015 ist Christine Regitz gewhlte Vertreterin für die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat der SAP SE.

Sie sei immer ein bisschen die Exotin gewesen, erzählt sie: ein Mädchen, das gut war in Mathematik, das alles wissen und verstehen wollte, was der Großvater, ein Klempner und Dachdecker, in seiner Werkstatt. Eine Schülerin, die als eine von wenigen einen Informatik-Zusatzkurs belegte, und sich, wie nur eine andere in ihrem Jahrgang, für den Mathematik- und Physik-Leistungskurs entschied. Sie blieb die Exotin nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre und Physik in Saarbrücken, als Beraterin bei IDS Scheer – in einer “männlich geprägten Welt” – und ab 1994 bei SAP in Walldorf, Beiwo Rat in Wech Enschwickl. Zu zweit seien sie damals gewesen, erzählt Christine Regitz: eine Kollegin und sie, in einem Team mit etwa 50 Männern. Die anderen Frauen, die damals in der Abteilung arbeiteten, waren bersetzerinnen oder schrieben technische Dokumentationen.

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Ihre Exotenrolle habe sie nie als negativ wahrgenommen, erzählt Christine Regitz. Auch nicht die Resonanz ihrer Mitmenschen. “Die haben immer eher mit Erstaunen reagiert”, sagt sie.

Für sie wurde die Tatsache, dass sie eine von wenigen Frauen unter vielen Männern war, erst zu einem bedeutsamen Thema, als die damals noch junge Firma SAP rasant wuchs. “In einem kleinen Unternehmen müssen alle mit anpacken”, meint Regitz. “Da ist es weniger wichtig, ob man Mann oder Frau ist.”

Doch mit dem Wachstum der SAP wurden neue Hierarchieebenen eingezogen – und vor allem mit Männern besetzt. “Da habe ich zum ersten Mal angefangen, darüber nachzudenken, weshalb ich Jobs nicht bekommen habe, obwohl ich in meinem Augen viel besser qualifiziert war”, erzählt Christine Regitz. Heute geht sie davon aus, dass sie selbst damals einen Denkfehler gemacht habe: “Ich dachte, dass allein die Qualifikation entscheidet”, sagt sie. “Aber so ist es nicht.”

Viele Frauen – und auch einige Männer – unterschätzen ihrer Meinung nach, wie wichtig es ist, Netzwerke aufzubauen, die Hand zu heben und “sich sichtbar zu machen”. Christine Regitz spricht von “Selbstmarketing im positiven Sinne”: Man müsse auch im Unternehmen hin und wieder auf die eigenen Leistungen hinweisen, sagt sie. “Das machen viele Frauen nicht gerne.” Auch ihr fällt das bis heute schwer, fügt sie hinzu. “Ich möchte mich nicht nach vorne spielen.” Aber sie hat gelernt, dass es notwendig ist. “Und das versuche ich anderen Frauen auch immer wieder zu sagen.”

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Noch etwas wurde ihr über die Jahre bewusster: wie wichtig es ist, dass Frauen einander unterstützen. Christine Regitz zitiert gerne einen Satz von Madeleine Albright, der kürzlich verstorbenen ehemaligen US-Außenministerin – der ersten Frau in diesem Amt: “Es gibt einen besonderen Ort in der Hölle für Frauen, die der Hölle für Frauen, die der Hölle für Frauen, 2006 . Wie Albright wünscht sich auch Christine Regitz, dass Frauen ihre Kolleginnen nicht in erster Linie als Konkurrentinnen betrachten. “Ich kann nur an alle Frauen appellieren: Unterstützt andere Frauen. Ob ihr sie gut findet oder nicht: Unterstützt sie bitte!”

Es tue einfach gut, hin und wieder mit jemandem zu sprechen, der wisse, wie sich bestimmte Situationen anfühlen, meint Karin Gräslund, Professorin für Wirtschafts- und Finanzinformatik und Vorstand der AnwAGender der SAP. Männer, sagte sie vor einer Weile in einem Interview, empfänden einfach nicht, was es bedeute, sich tagtäglich in einer Männerdomäne zu bewegen.

Dass es ausgerechnet in dieser Branche so wenige Frauen gibt, führt Gräslunds unter anderem auf Rollenklischees zurück; und auf das Vorurteil, Mathematik und Informatik seien nichts für Mädchen oder Frauen. “Dabei wissen wir, dass Mädchen und Frauen in Mathematik, in Physik, generell in den Naturwissenschaften, meistens einen besseren Noten-Durchschnitt erreichen”, sagte Gräslund. Dennoch müssten Frauen ständig gegen solche Vorurteile ankämpfen.

Christine regitz hatte glück. Sie hatte ihren Großvater, der ihr beibrachte, ihr Fahrrad selbst zu reparieren. Sie hatte am Gymnasium einen Lehrer, der sie bestärkte, sich für den Mathematik- und Physik-Leistungskurs zu entscheiden. Sie hatte immer Chefs, die sie unterstützten. Und sie kam zu SAP, als das Unternehmen noch relativ überschaubar war. “Ich bin quasi mit der Firma gewachsen”, sagt Christine Regitz. So konnte sie die Themen erkennen, die anstanden, und sich dieser Themen annehmen. “Allerdings hat SAP auch dafür gesorgt, dass das ging. Es gab immer die Möglichkeit, auch mal andere Aufgaben zu übernehmen”, fügt sie hinzu.

Heute versucht SAP sehr gezielt, mehr Frauen in den Konzern zu bekommen und in Führungspositionen zu bringen. Bis 2030 soll die Hälfte der Beschäftigten weiblich sein, ebenso die Hälfte der Führungskräfte. SAP-Vorständin Sabine Bendiek betonte in ihrem Vortrag Anfang März, Unternehmen schadeten sich mit einer niedrigen Frauenquote selbst. “Gemischte Teams sind für den Erfolg von Unternehmen extrem wichtig”, sagte sie. “Und wir sind auf Frauen angewiesen, um dem Fachkräftemangel zu begegnen und nachhaltiges Wachstum zu sichern.”

Dass Menschen mit verschiedenen Geschichten und verschiedenen Erfahrungen zusammen arbeiten, hält auch Christine Regitz für wesentlich – nicht nur, aber auch bezogen auf das Geschlecht. “Frauen gucken manchmal anders auf die Welt”, sagt sie. “Und diese verschiedenen Perspektiven sind extrem wichtig.” So könnten Ideen entstehen, auf die Männer allein womöglich gar nicht gekommen wären.

Um dem Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern zu begegnen, dazu gebe es keine einfache Lösung, erklärte Bendiek. Doch sieht sie einen Ansatzpunkt darin, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen.

Wichtig ist aus Christine Regitz’ Sicht, dass es überhaupt genug qualifizierte Frauen im Unternehmen gibt. “Nur so können wir sicherstellen, dass wir die richtigen Kräfte für die jeweiligen Positionen finden”, sagt sie. Frauen müsste gezeigt werden, was ein Job bei SAP oder generell in der Branche bedeute; und was er für Möglichkeiten biete – auch für Leute, die zwar eine Affinität zur IT haben, aber aus einem anderen Fachgebiet kommen. Denn die Kernkompetenzen, die man ihrer Meinung nach braucht, sind: kommunizieren und im Team gemeinsam ein Projekt vorantreiben zu können. Klar sei aber auch, fügt Regitz hinzu, dass in der Bildung noch einiges geschehen müsse: “So lange wir Informatik nicht an der Schule lehren, haben wir ein Problem.”

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