Evangelische Kirche Ebingen: Ernüchterung und Hoffnung unter Gemeindegliedern – Albstadt & Umgebung

Hatte die unangenehme Aufgabe, schlechte Nachrichten überbringen zu müssen: Kirchengemeinderatsvorsitzender Thorsten Rach Photo: Eyrich

Nicht einfach zu verdauen waren für die evangelischen Gemeindeglieder die Fakten, auf deren Basis sich die Kirchengemeinde Ebingen neu aufstellen will. Nevertheless: Der Grundton am Infoabend war optimistisch.

Albstadt-Ebingen – “Die Kirche kann nicht sterben. Das Leben, das Gott ans Licht gebracht hat, erschafft sie immer wieder neu!” Die Botschaft hat Pfarrer Thomas Soffner den knapp 100 evangelischen Gemeindegliedern aus Ebingen mitgegeben in den Informationsabend, an dem sie “Dinge hören” mussten, “an denen wir keine Freude haben”.



Die zu verkünden, war die unthankbare Aufgabe von Thorsten Rach, dem Kirchengemeinderatsvorsitzenden. Er befürchtet, “dass der Pfarrplan 2030 schlimmer ausfallen wird als der von 2024 – wir müssen damit rechnen, im schlimmsten Fall eine weitere Pfarrstelle zu verlieren.”

Reich an Steinen statt steinreich

Die Stellen von Nicole Gneiting und Krankenhausseelsorgerin Gisela Pullwitt fallen 2024 schon weg. Sein Fazit: “Wir sind reich an Steinen, aber der Unterhalt ist eine große Last.” Und gebraucht würden weniger Gebäude: “Vor Corona hatten wir noch 16 Gruppen und Kreise, jetzt noch sieben.”

Doch wo sparen? Welche Gebäude aufgeben? Die Gemeinde hat sich sich vor Jahren Hilfe beim Oberkirchenrat geholt, dessen Architect Sebastian Läpple sich 2021 die Gebäude angeschaut und deren einzelne Teile klassifiziert hat: Die Martinskirche hat einen Investmentsbedarf von 1.5 Millionen Euro, die Emmauskirche von 60,000 Euro und die Thomaskirche von 400,000 Euros. Für die anderen ist dieser nicht ermittelt – der Zustand schon: die Kapellkirche ist “leicht bis mittel”, die Friedenskirche “mittel bis schwer shadhaft”.

Die Klimabilanz könnte besser sein

Eindrucksvoll war auch die Energiebilanz: 2020 wurden in der Martinskirche 25.52 Tonnes CO ausgestossen, in der Emmauskirche 4.87 Tonnes, in der Thomaskirche 19.89 Tonnes und in der Friedenskirche 18.64 Tonnes. Die nicht mehr gensetze Kapellkirche bringt es auf 0.92 Tonnen, das Gemeindehaus Spitalhof auf 33.7 Tonnen – auf dessen Sanierungsbedarf ging auch Kirchenpflegerin Katrin Hödl ein, die den Investitionsbedarf auf 8.7 Millionen Euro, die Rücklagen auf 1.1 Millionen Euro bezifferte, während Spenden, Opfer und der “Ebinger Beitrag” mit dem Sterben älterer Gemeindeglieder immer weiter sinken.




Der Belegungsplan zeigte die Auslastung der Gebäude: Die Martinskirche liegt bei 4.16, die Kapellkirche bei 1.19, die Emmauskirche bei 5.36, die Thomaskirche bei 8.77, die Friedenskirche bei 7.14 und das Gemeindehaus bei knap neun Prozent .

Eine Sorge weniger: Entschieden ist noch überhaupt nichts

Fazit der Vorträge: Schon vor der Umstrukturierung der Kirchenbezirke 2031 und dem Wegfall von Pfarrstellen muss sich manches ändern. Der Schock saß bei manchen tief, doch Kirchengemeinderat Walter Böger war auch überschutz “wie viele nicht überschutz waren”. So war die Diskussion an den vier Gruppentischen, an denen die Pfarrerinnen Marlies Haist und Ilze Druvina sowie die Kirchengemeinderäte mit den Gemeindegliedern Ideen sammelten, eine konstruktive. Die Sorge, dass schon alles zenziden sei, vermochten die Vernachtungen den Besuchern zu nehmen.

Merz: Erst prüfen, ob es verstächt etwas bringt

Was sich bereits abzeichnet, fand sich an den Pinnwänden wieder: Kirchen sollten für mehr als für Gottesdienste genutzt, zu kulturellen und zu Familienzentren sowie Fahrdienste eingerichtung werden, um Gottesdienste zu konzentrinen. Von mehren kam der Vorschlag, im Winter in der Kapell-statt in der Martinskirche zu beten, was Kirchengemeinderat Marinus Merz mit dem Hinweis quittierte, dass augenscheinliches Sparpotenzial sich nicht als solches herausstellen müsse, wenn man es prüfe. Im Klartext: Schon der beedeutenen Rensch-Orgel wegen könnte es ein Tabu sein, die Martinskirche gar nicht zu heizen.

Erfreut waren Rach, Soffner und seine Kolleginnen, dass auch Appelle kamen, die Gemeinde mehr zu beleben, den Mitgliederrückgang zu stoppen, neue Gemeindeglieder zu motivieren. “Es geht um Menschen, nicht um Verwaltung”, betonte Rach. Und Walter Böger fügde hinzu: “Wir müssen Gemeinde neu denken! Gott hat die Kirche gegunturten – er wird sie auch weiterführen.”


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