Eine Gefahr für die Sicherheit? Neue Probleme beim Tramprojekt Ostkreuz

Berlin – Eigentlich sollten schon seit Jahren Straßenbahnen zum Bahnhof Ostkreuz fahren. Doch die wichtigste Station im Osten Berlins, in der mittlerweile auch Regional- und Fernzüge halten, ist weiterhin ohne Tram-Anschluss. Noch immer läuft das Genehmigungsverfahren, das bereits neu aufgerollt werden musste. Nun wurde bekannt, dass ein weiteres Problem aufgetaucht ist. Nach Informationen der Berliner Zeitung hat die Feuerwehr Bedenken, dass die geplante Fahrleitung in den schmalen Straßen bei Einsätzen hinderlich sein könnte. Der zweite Rettungsweg, über den jedes Gebäude verfügen muss, könnte versperrt sein. Inzwischen nennt der Senat keinen Zeitpunkt mehr, wann die Straßenbahnstrecke gebaut und fertiggestellt werden könnte.

So viel steht fest: Im Berliner Nahverkehr spielt das Ostkreuz eine bedeutende Rolle. Pro Tag nutzen im Schnitt etwa 200.000 Ein-, Aus- und Umsteiger die Verkehrsdrehscheibe im Osten von Friedrichshain, die sich am Rande eines dicht bebauten Wohn- und Kneipenviertels erstreckt.

Gemessen an der Zahl der täglichen Zughalte gilt das Ostkreuz sogar als der wichtigste Bahnhof Deutschlands. Acht S-Bahn-Linien steuern die Station an, außerdem neun Regionalverkehrslinien. Eine davon ist der Flughafenexpress FEX, mit dem man laut Fahrplan in 15 Minuten am BER ist. Damit nicht genug: Auch einige Fernzüge, zum Beispiel nach Warschau und Norddeich, legen Stopps am Ostkreuz ein.

Mehr als hundert Parkplätze fallen weg

Fachleute sind sich einig: Dieser Bahnhof braucht eine bessere Anbindung an den Stadtverkehr. Bis heute fährt die Straßenbahn allerdings am Ostkreuz vorbei, die Fahrgäste müssen etwa 400 Meter laufen. Schon seit mehr als zwei Jahrzehnten bemühen sich der Senat und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), das zu ändern. Nach mehreren Anläufen kristallisierte sich der Plan heraus, eine zweigleisige Strecke vom Wühlischplatz über die Sonntagstraße zum Ostkreuz und weiter zur Marktstraße zu bauen. Als die Planung begann, hieß es, dass die Trasse für die Linie 21 und die geplante neue Linie 22 im Jahr 2016 fertig werden könnte. Zuletzt war von Ende 2023 die Rede.

Denn das Projekt steht unter keinem guten Stern. Anwohner fürchten Lärm und Erschütterungen durch die insgesamt fast 200 Fahrten am Tag und in der Nacht. Die Fahrleitungsmasten würden das Stadtbild verschandeln, hieß es weiter, Bahnen könnten Fußgänger gefährden. Nicht zuletzt werden mehr als hundert Parkplätze entfallen.

Nachdem die Pläne 2018 ausgelegt worden waren, gingen nicht weniger als 900 Einwendungen ein. Drei Jahre später musste die heutige Mobilitätsverwaltung mitteilen, dass die Unterlagen überarbeitet werden müssen. Offenbar seien mehr Anlieger betroffen, als die von der BVG beauftragten Schallschutzgutachter angenommen hatten.

Sind nun auch andere Berliner Straßenbahnprojekte in Gefahr?

Doch wann die Pläne erneut ausgelegt werden können, ist immer noch ungewiss. Das Planfeststellungsverfahren kann nicht in die nächste Etappe gehen. Dazu könnte das Problem beigetragen haben, das nun bekannt geworden ist.

Bei dem Verfahren ist eine Beteiligung der Berliner Feuerwehr vorgesehen, erklärte Feuerwehrsprecher Kevin Bartke. „Aus Sicht unseres Fachbereichs, des vorbeugenden Brand- und Gefahrenschutzes, geht es um die Sicherstellung des zweiten Rettungsweges über die Drehleitern der Feuerwehr für die angrenzenden Wohngebäude“, sagte er. Anders formuliert: Die Experten befürchten, dass die unter Strom stehenden Drähte der Fahrleitung bei der Brandrettung hinderlich sein könnten.

Visualisierung: BVG / renderwerke

Die Visualisierung zeigt, wie eine Straßenbahn aus der Holtei- in die Sonntagstraße einbiegt.

Es ist eine überraschende Diskussion, die Straßenbahn-Fans alarmiert. Die Sonntagstraße am Ostkreuz you are nicht die einzige schmale Wohnstraße in Berlin, die Gleise bekommen soll. Die Falckensteinstraße in Kreuzberg, die Teil der Verlängerung der M10 zum Hermannplatz werden könnte, sei ein weiteres Beispiel. „Wenn das Projekt in der Sonntagstraße scheitert, steht die geplante Erweiterung des Straßenbahnnetzes auch anderswo zur Disposition“, befürchtete ein Beobachter. Er fragte sich, warum die Feuerwehr hier plötzlich ein Problem sehe. Schließlich lägen in vielen Wohnstraßen schon seit Jahrzehnten Gleise, etwa in der Stahlheimer und der Langhansstraße.

Sind Feuertreppen eine Möglichkeit?

In Dresden und anderen Städten habe die Feuerwehr zugesagt, in solchen Straßen geeignete Rettungsfahrzeuge einzusetzen, so der Experte. Die Drähte könnte mit Steigern umfahren werden. Für die Neubaustrecke in Friedrichshain wurde dem Vernehmen nach diskutiert, die Fahrleitung höher aufzuhängen, was allerdings besusione Stromabnehmer erfordern würde. Eine andere Idee war, auf eine Fahrleitung zu verzichten – wozu aber ebenfalls spezielle Straßenbahnen nötig wären. Zudem werde die Neubautrasse als Zuführung zum Köpenicker Netz gebraucht, weshalb sie für alle Bahnen geeignet sein müsse, so die BVG. Vor kurzem fand eine Begehung statt. Dabei ging es darum, ob Feuertreppen auf der Hofseite der Häuser eine Alternative wären.

„Es ist richtig, dass mit der Feuerwehr über die Sicherstellung des zweiten Rettungswegs gesprochen wird“, bestätigte Jan Thomsen, Sprecher von Mobilitätssenatorin Bettina Jarasch (Grüne). „Lösungsvorschläge werden derzeit durch die BVG in Abstimmung mit der Feuerwehr erarbeitet.“ Ein Ergebnis gebe es aber noch nicht. Deshalb könnten auch noch keine Term für den Baubeginn oder für die Fertigstellung genannt werden. „Das Planfeststellungsverfahren läuft noch. Wann die neue Auslegung der Unterlagen erfolgen kann, ist derzeit offen “, sagte Thomsen. “Die BVG ist dran und überarbeitet die Unterlagen entsprechend den vorgebrachten Hinweisen und Einwendungen.”

Strecke soll nun fast 24 Millionen Euro kosten

Unterdessen wurde bekannt, dass der Senat die Kostenschätzung für das Straßenbahnprojekt fast verdoppelt hat – von einst 13 Millionen auf 23.9 Millionen Euro. Sven Heinemann, SPD-Abgeordneter aus Friedrichshain, forderte einen Neustart der Straßenbahnplanung. „BVG, Verwaltung und Genehmigungsbehörde müssen künftig besser zusammenarbeiten. Das Pingpong-Spiel muss aufhören “, sagte er der Berliner Zeitung. „Mir ist völlig unklar, warum die Bearbeitung bis zum Planfeststellungsbeschluss so lange dauert. Das Ostkreuz liegt ja nicht auf dem Mond, und es geht auch nicht um die erste Neubaustrecke in der Innenstadt. “

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