Droht der deutschen Wirtschaft eine Stagflation? 2 Faktoren sind entscheidend

Derzeit wird unser Geld laut Statistikamt Eurostat um 7,5 Prozent entwertet. Und es könnte im Verlauf des Jahres noch schlimmer werden. Die Corona-Hilfsmaßnahmen, die wiederanziehende Konjunktur nach der Pandemie und die hohen Energie-Preise sorgen 2022 im Euro-Raum für eine Inflation, die es so seit der l-Krise in den 1970ern nicht gegeben hat.

Doch das Ende der Fahnenstage ist womöglich nicht erreicht. Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank und Chef Banken-Verbands, meinte vergangene Woche, dass die Inflation in diesem Jahr temporär zweistellig werden“ könne, sollte sich die Bundesregierung für Energiesland.

Die Wahrscheinlichkeit wäre dann groß, so der Bankenprsident, dass die deutsche und wahrscheinlich auch die europäische Wirtschaft in eine Rezession verfällt mit langfristigen Folgen“. Also weitere Entwertung von Geld und Sparguthaben und ein Anstieg der Arbeitslosigkeit.

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konomen wie Professor Niklas Potrafke von Ifo-Institut sehen die Europäische Zentralbank nun in der Pflicht: Die EZB sollte so schnell wie möglich den Leitzins erhöhen. Das ist dringend notwendig, um die Inflation in Schach zu halten.” Doch die EZB verharrt in mediterraner Beschaulichkeit. Auch die Federal Reserve Bank in den USA, die Fed, kommt bei der Zinserhöhung nur schwer in die Gänge. Zu verführerisch ist für viele Länder bei niedrigen Zinsen weiter günstig Schulden aufzunehmen.

IW-Ökonomen identifizieren sechs Einflussfaktoren für eine Stagflation

Wie ernst ist nun die Lage? Und welche Faktoren könnten nun zu einer Stagflation führen – also einem Einbruch der Wirtschaft bei gleichzeitiger starker Geldentwertung? Und bewirken staatliche Hilfspakete, die zwar gut gemeint sind, aber auch noch mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf pumpen, nicht das Gegenteil?

Markus Demary, Senior-Ökonom am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, blickt mit Sorge über den Atlantik: Insbesondere in den USA wirkt die Ausgabenpolitik inflationär, da sie konsum sie dier Nachfrage ethön öhgutön etwa du. In Europa waren die Staatsausgaben während der Pandemie auf den Erhalt der vom Lockdown betroffenen Unternehmen durch Liquiditätshilfen und Kurzarbeitergeld beschränkt, welche beide die Nachfrage nicht erhöht haben.“

Dies ndert sich aber nun, so IW-Forscher Demary: Denn die Investitionen in die Energiewende und die höheren Militärausgaben erhöhen die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen.“ Der Staat pumpt weiter Geld. in inflationäre

Das IW hat nun sechs Einflussfaktoren für eine Stagflation identifiziert:

  • De-Globalisierung: Die Null-Covid-Strategie in Asien haben über Lockdowns an den Häfen zu einem Containerstau geführt. Wichtige Rohstoffe und Zwischenprodukte kommen nicht oder verspätet an. Der Anstieg der Frachtraten hat die Lebensmittelpreise verteuert. Die Invasion Russlands in Ukraine hat die Situation verschlimmert. Es haben sich nicht nur l und Gas, sondern auch Kohle und Uran verteuert.
  • Decarbonisierung: Der steigende CO2-Preis soll fossile Energieträger verteuern und damit die Transformation en zur Klimaneutralität forcieren. Da die Haushalte aber nicht sofort in klimaneutrale Alternativen investieren können, steigen durch den CO2-Preis erst einmal die Lebenshaltungskosten.
  • Demography: Durch die Knappheit an Fachkräften lassen sich höhere Löhne verhandeln. Eine Lohn-Preis-Spirale ist vor allem in den USA der Fall, wo aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit viele Arbeitsverträge neu verhandelt werden müssen und gleichzeitig eine Frühverrentungswelle eingesetzt arbeit k, sinperäs. In Europa hat der Einsatz des Kurzarbeitergeldes diesen Effekt abgemildert.

Krieg und Energiewende: Staatsausgaben steigen weiter und treiben Inflation

  • Digitalisierung: Die Digitalisierung hat die Inflation in den letzten Jahren abgebremst. Viele Elektrogeräte haben einen Qualitätssprung gemacht, ohne sich nennenswert zu verteuern. Das geht negativ in die Inflationsberechnung ein. Durch den Chip-Mangel ist dieser Effekt erst einmal weg.
  • Staatsausgaben: Durch Russlands Krieg gegen die Ukraine muss Europa die digitale und klimaneutrale Transformation beschleunigen. Investitionen in Cybersicherheit und Investitionen zur Abmilderung der Energieabhängigkeit sind erforderlich. Zudem müssen die Militärausgaben erhöht werden. Dadurch steigt die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen. Die Knappheit durch die Containerstaus in Asien wird dadurch verschärft.
  • Geldpolitik: Die Geldpolitik wirkte in den Jahren nach der Finanzkrise nicht inflationär, da Staaten und auch Unternehmen sparten. Aufgrund der notwendigen Investitionen in die Energiewende und die höheren Militärausgaben wirkt die Niedrigzins nun aber inflationär.

Chinas Null-Covid-Strategie: einer von zwei Haupt-Risikofaktoren

Und was sind nun aktuell die größten Risikofaktoren für eine Stagflation? IW-Ökonom Demary sieht zwei: Die Null-Covid-Strategie und die damit verbundenen Containerstaus an asiatischen Häfen sowie die Verknappung und Verteuerung von Energie durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine.“

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Nicht nur das IW aus Köln zeichnet ein Worst-Case-Szenario. Auch für Professor Achim Wambach besteht das Risiko einer Stagflation. Wambach, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim: für die Inflationsrate.”

Und auch Wambach sieht die größten Risiken für eine Stagflation in einem weiteren Anstieg der Energiepreise, etwa durch ein Energieembargo, und die Lieferkettenproblematik, verschärft durch die Lockdowns in China.

Die konomen in Köln und Mannheim sind sich in der Risiko-Analyse also hier einig. Wambach: Ein weiteres Risiko ist das Verhalten der Zentralbanken. Sie müssen die Inflation bekämpfen, ohne die Konjunktur abzuwürgen“, so Wambach: Es wird nicht einfach werden, die gestiegenen Inflationserwartungen wieder in den Griff zu bekommen.“