Die Sicherheit ihrer Kinder ist den Ukrainerinnen das Wichtigste

Im evangelischen Gemeindehaus in Sülzbach haben fünf ukrainische Mütter mit ihren zusammen neun Kindern, die dem Krieg in ihrer Heimat entronnen sind, erst einmal Zuflucht gefunden. Die Hilfsbereitschaft ist auch hier sehr groß. Photo: Berger, Mario

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Es sind nicht die Fortbewegungsmittel, die üblicherweise vor den Jugendräumen des evangelischen Gemeindehauses in Sülzbach stehen: Dreiräder und Roller sind jetzt “geparkt”. Diese sind für die Kinder aus der Ukraine gespendet worden, die mit ihren Müttern hier erst einmal Zuflucht vor dem Krieg in ihrer Heimat gefunden haben. In einem “Über-Nacht-Beschluss”, wie Heidi Zierhut, Vorsitzende des Kirchengemeinderats, berichtet, habe das Gremium einstimmig entschieden, diese Hilfe anzubieten, als Helena Rückert, eine gebürtige Ukrainerin aus dem Orts, vorte mehragre habe das Gremium einstimmig entschieden, diese Hilfe anzubieten, als Helena Rückert, eine gebürtige Ukrainerin aus dem Orts

Innerhalb von zwei Tagen war alles bereit

Aktuell sind fünf junge Frauen mit neun Kindern zwischen drei und 13 Jahren im Untergeschoss des Gebäudes untergebracht. Zwei Räume stehen ihnen zum Schlafen zur Verfügung, dazu ein Aufenthaltsbereich mit Küchenzeile. “Wir haben schon abwägen müssen, ob die Räume geeignet sind”, sagt Zierhut. So musste die Dusche, die als Getränkelager diente, ausgeräumt werden. “Es ist unheimlich schnell gegangen”, berichtet sie, dass in zwei Tagen alles bereit war. Über die sozialen Medien wurde organisiert, was benötigt wurde: Matratzen, Bettwäsche, Decken, Kissen und Lebensmittel. Es gab jemand, der eine Waschmaschine übrig hatte, ein anderer hatte einen Klempner an der Hand. Kleidung wird nach Bedarf über die Whatsapp-Flüchtlingsgruppe nachgefragt. “Ich finde es genial, was da angelaufen ist”, freut sich Zierhut.

Zu helfen, bringt Kraft und lenkt ab

Helena Rückert, deren Kinder in der Kirchengemeinde mitmachen, stammt aus Lwiw (Lemberg) im Westen der Ukraine. Seit Bomben auf ihre Heimat fallen, bringt sie sich als Helferin ein, auch über den ukrainischen Verein in Heilbronn. “Es hilft, wenn man anderen Menschen hilft. Das gibt Kraft und lenkt ab”, sagt die 39-Jährige. Von den Sorgen um die Eltern und andere Familienmitglieder in der Ukraine.

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Vier Tage unterwegs

“Alles gut”, sagt eine der vier Frauen, die am Tisch sitzen, auf die Frage, wie es ihnen geht. Vier Tage, so übersetzt Kristina Klaus aus Grantschen, war die Frau mit den langen schwarzen Haaren mit ihren beiden Kindern, einer Bekannten und deren Kind mit dem Auto unterwegs. Von Odessa gelangte sie über Russland, Moldawien, Rumänien, Ungarn und Österreich nach Deutschland. Überall habe es Stationen mit Helfern gegeben. Papiere, Geld und Essen – das war alles, was eine der anderen Mütter einpackte, die mit ihrem elfjährigen Kind per Zug die Flucht antrat.

Kontakt mit Konfirmanden

Die Sicherheit ihrer Kinder ist den Ukrainerinnen das Wichtigste

Privatleute haben für die Kinder Spielzeug zur Verfügung gestellt. Photo: Berger, Mario

“Sie fühlen sich wohl”, fasst Klaus die Aussagen der Frauen über ihre Zufluchtsstätte zusammen. Sie seien erstaunt, wie viel Hilfe sie erfahren, dass fremde Menschen mit ihnen fühlten. Wichtig sei ihnen, dass die Kinder in Sicherheit sind. Diese wollten nach Hause, weil sie ihre Freunde und die Schule vermissten. Der Aufenthalt hier fühle sich noch wie Urlaub an. Klaus hat die Frauen zum Sport mitgenommen, Pfarrer Rouven Genz die Kinder zum Konfirmandenunterricht eingeladen, bei dem ein Gebetsplakat gestaltet wurde, die Jungen wurden mit zum Fußballspielen genommen. Das sorgt für Ablenkung und Struktur.

Die Nationalität spielt keine Rolle

Über den Krieg und ihre Ängste wollen die jungen Frauen nicht reden, sonst ginge es ihnen schlecht, sagt Rückert. “Wir sprechen nicht über das Thema. Sobald es politisch wird? Hätte man mich bombardiert?”, Beendet Klaus die Sätze erst gar nicht. Sie ist froh, dass die Ukrainerinnen keine Vorbehalte gegen sie als Russlanddeutsche haben. “Es gibt keine Nationalität für mich. Wir sind alle Mütter”, stellt Klaus das heraus, was alleine zählt. “Hier wird das gelebt, was man sich für dort wünscht”, kommentiert Genz diese Aussage.

Wohnungen werden gesucht

“Wir sind das Auffangnetz. Wir versorgen die Menschen, bis von Seiten des Staats was kommt”, sagt Rückert. Als Kirchengemeinde könne man viel unbürokratischer helfen, meint der Pfarrer. “Wir sind dabei, Wohnungen zu suchen”, nennt Heidi Zierhut die nächste Aufgabe. Die Räume im Gemeindehaus könnten keine Dauerbleibe sein.

Jeden Dienstag Friedensgebet

Jeden Dienstag um 19 Uhr findet in der Vater-Unser-Kirche in Willsbach ein ökumenisches Friedensgebet statt. Es wird abwechselnd von den Obersulmer Kirchengemeinden gestaltet. In dieser Woche waren rund 60 Teilnehmer versammelt.

“Das hilft den Menschen, es bewirkt etwas”, ist Heidi Zierhut, Vorsitzende des Kirchengemeinderats der Protestanten in Sülzbach, Grantschen und Wimmental, überzeugt. “Wir haben die Friedensgebete gestartet, und dann sind uns die Flüchlinge vor die Füße gelegt worden.” Man bete also nicht nur, sondern man handle.

Bislang sind 46 Ukrainer in Obersulm angemeldet

Bürgermeister Björn Steinbach traf sich am Donnerstagabend mit den Obersulmer Kirchengemeinden. Bei dem Termin ging es darum, miteinander ins Gespräch zu kommen und Informationen in Sachen Flüchtlinge auszutauschen.

Auf Anfrage der Heilbronner Stimme teilt der Obersulmer Gemeindechef am Freitag morgen mit, dass aktuell 46 Menschen aus der Ukraine angemeldet sind. Es sei allerdings möglich, dass es bislang noch nicht alle Flüchtlinge zum Einwohnermeldeamt geschafft hätten und dies in den nächsten Tagen aber noch nachholen werden.

Wie andere Kommunen auch, hat die Gemeinde einen Aufruf gestartet und auf der Homepage ein Meldeportal für Unterkünfte für Flüchlinge frei geschaltet. Die Meldungen werden bei der Gemeinde gesammelt und dann an die Ukrainer weiter vermittelt. Steinbach ist froh, dass es bereits einige Rückmeldungen gab. Sieben Angebote sind bislang eingegangen.

Wer größere Immobilien oder Hallen mit einer Mindestfläche von 150 Quadratmeter kennt, soll dies dem Landratsamt Heilbronn, Telefon 07131 994-7200, oder per E-Mail unter wohnraumsuche@landratsamt-heilbronn.de mitteilen.

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