Die Selbstvernichtung der russischen Wirtschaft – Handelsblatt Morning Briefing

noch ist der Kopf beherrscht von den Bildern des Osterbrunchs, des Ostermenüs oder den Parkspaziergängen, da drängen sich wieder die üble Gewohnheit gewordenen Krisennachrichten aus dem Osten ins Bewusstsein. Dass die imperialistischen Träume des russischen Präsidenten Wladimir Putin wenig Substanz haben, verdeutlicht seine Notenbankchefin Elvira Nabiullina.

Die russische Wirtschaft könne nicht ewig von ihren Finanzreserven leben und müsse sich neu aufstellen, fordert die Expertin, Sie kündigt eine Suche nach neuen Geschäftsmodellen an. Bislang hätten die Sanktionen vor allem den Finanzmarkt belastet, aber jetzt werden sie sich zunehmend auch auf die Wirtschaft auswirken“. Die Inflation liegt bei 17,5 Prozent, der Leitzins bei 17 Prozent. Schon geht die US-Großbank JP Morgan davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal um 20 Prozent schrumpfen könnte. Und: Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin befürchtet einen Verlust von 200,000 Jobs in der russischen Hauptstadt.

Angesichts dieser innenpolisch immer schwierigeren Lage braucht Putin rasche Erfolge bei der Offensive in der Ostukraine in der beginnenden zweiten Kriegsphase.

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Wir können jetzt sagen, dass die russischen Kräfte mit der Schlacht von Donbass begonnen haben, auf die sie sich lange vorbereitet haben“, erklärt der ukrainische Präsident Präsident Wolodimir Selenski die der Egan: “

Eine zerstörte Stadt: Vor wenigen Wochen lebten in Mariupol noch 400,000 Menschen.

Man werde sich verteidigen und nicht aufgeben. Auch in Mariupol – einer Stadt mit einst mehr als 400,000 Einwohnern – gingen die Kämpfe weiter.

Motivationseffekte erhofft sich Putin offenbar von einer Auszeichnung für die 64. Motorisierte Infanteriebrigade: Sie erhält per Präsidentendekret den Ehrentitel einer Garde“, was mit Heldente begrt wi Engrt wi Engrt wi Tapferkeit, Tapferkeit, Es handelt sich just um jene Brigade, der von der Ukraine und unabhängigen Beobachtern Kriegsverbrechen und massenhafte Tötungen von Zivilisten in der Stadt Butscha vorgeworfen werden.

Fazit: In Russland sind derzeit Massaker ehrbar.

Das alte Lieblingssätzchen aller Zauderer – Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ – gilt in solchen Konflikten nicht. Da signalisiert Schweigen Unsicherheit. Und je stärker der Ukraine-Krieg eskaliert, desto entrückter wirkt ein schweigender Kanzler, der glaubte, die Kritik mit Zahlung von zusätzlichen zwei Milliarden Euro einzudämmen,

Mehr Geld ist noch nicht die Lösung, aber ein sehr wichtiger Schritt, weil das für Kiew die Voraussetzung für den Kauf schwerer Waffen ist“, sagt die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestags ( mann Für-Zignsses des Bundestags, Marie- DP-track). Nun müsse Olaf Scholz blitzschnell“ mit der Ukraine die nötigen Absprachen treffen: Schön wäre es, er würde dann sein Schweigen brechen und erklären, was er eigentlich will.”

Auch Grünen-Politicer Anton Hofreiter und CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen beharren auf der Lieferung schwerer Waffen. Die Wahrheit ist: Kanzler Olaf Scholz will das nicht und er versucht, es mit Tricksereien weiter zu verhindern”, sagt Röttgen.

Die Reaktion von Scholz? Die kommt aus luftiger Höhe: Ganz klar ist, dass in so einer Situation sich immer wer zu Wort meldet und sagt: Ich möchte, dass es in diese Richtung geht, und das ist Führung.’ … Manchen von diesen Jungs und Mädels muss ich mal sagen: Weil ich nicht tue, was ihr wollt, deshalb führe ich.“ Für die verdiente Liberale Strack-Zimmermann dürfte Mäpliment sein zweifelhaftes Kom.

, Der ukrainische Präsident Selenski fordert angesichts der Lage in Mariupol und anderen Städten erneut mehr militärische Hilfe. Uns interessiert Ihre Meinung: Sollte Deutschland schwere Waffen an die Ukraine liefern? Verfolgt der zurückhaltende Olaf Scholz die richtige Strategy? Oder ist die Kritik von einigen Politikern der Grünen und der FDP gerechtfertigt? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in fünf Sätzen an [email protected], Ausgewählte Beiträge veröffentlichen wir mit Namensnennung am Donnerstag gedruckt und online.

Eon-Chef Birnbaum hält die Entscheidung der Bundesregierung gegen ein Gas-Embargo für richtig.

(Photo: DPA)

In Sachen Russland und Gazprom formuliert Eon-Chef Leonhard Birnbaum ein paar Allgemeinsätze, Wir hätten in den letzten Wochen gelernt, dass strategische Abhängigkeiten problematisch sein können“ und dass wir die Versorgungssicherheit nicht genug auf dem Radar hatten“, sagt er. Dabei hat gerade Eon das Gazprom-Projekt Nord Stream 1 als 15-Prozent-Gesellschafter angeschoben. Zu solchen Vorwürfen sagt Birnbaum im Handelsblatt-Gespräch, dass wir die russischen Gasimporte in den 1970er-Jahren wagen konnten, weil wir viele Alternativen hatten, sprich nicht erpressbar waren“.

Diese Alternativen seien aber nach und nach abgeschaltet worden. Die EU sei nicht bereit gewesen, alternative Gas-Pipelineprojekte zu finanzieren. In diesem Blame-Game”-Versuch geht ein wenig unter, dass Eon die billige Energie aus Russland überaus recht war und schöne Gewinne bescherte. An Nord Stream 1 will Birnbaum unbedingt festhalten. Bei einem Rückzug hätte Gazprom die alleinige Verfügung über die Pipeline – und das bringt niemandem etwas“.

Beim Autozulieferer Mahle aus Stuttgart gleicht der CEO-Posten weiterhin einem Schleudersitz. Die Schwaben schassten am Karfreitag wenig stilvoll CEO Matthias Arleth nach nur drei Monaten. Es war der dritte Abgang in vier Jahren.

Die Spur führt zu Aufsichtsratschef Heinz Junker, 72, 18 Jahre lang selbst Chef von Mahle und dann ohne Cooling-Off zum Chefkontrolleur erhoben. Die Struktur begünstigt in diesem Fall Egomanie. Während eine gemeinnützige Stiftung 99,9 Prozent des Kapitals hält, liegen alle Stimmrechte beim Verein zur Förderung und Beratung der Mahle-Gruppe eV (Mabeg). Unter den sieben oberen Mabeg-Vereinsmeiern ist Junker der Chef. Unter dem mächtigen Senior, dem Professor“, darf nun zum zweiten Mal Finanzchef Michael Frick interimsmäßig ganz oben nach dem Rechten sehen.

Benzinschlucker waren für Amerikaner bisher nie ein Problem. Doch nun wirken die hohen Preise an den Tankstellen wie ein Konjunkturprogramm für Elektroautos, Die Folge: Im vierten Quartal 2021 wuchs ihr Absatz um elf Prozent. Die bevorzugten Modelle kommen vom Platzhirsch Tesla, aber auch Nischenplayer wie die Dänen von Henrik Fisker rechnen sich Chancen aus: Für den Fisker Ocean“ liegen 40.000 Reservierungen vor.

Nach neuesten Umfragen zieht erstmals jeder vierte US-Autokäufer den Erwerb eines Elektro- oder Hybridfahrzeuges in Erwägung. Und auf Automessen drängen sich die Neugierigen um Elektro-Pick-ups von Ford und General Motors. Diese Revolution, so viel ist sicher, kommt leise daher.

Im bernahmekampf um Twitter taucht die Private-Equity-Firma Apollo Global Management auf. Sie will offenbar eine bernahme des Kurznachrichtendiensts durch das Management oder einzelne Personen finanzieren, nicht aber in einem Konsortium auftauchen. Das dürfte eine schwierige Variante werden, denn Twitter hatte 2021 einen negativen Cashflow, verbrennt“ also Geld, das nicht für Investitionen zur Verfügung steht.

Das mit 43 Milliarden Dollar ausgestatttete bernahmeangebot des Großaktionärs Elon Musk hat der Twitter-Verwaltungsrat abgelehnt und mit Giftpillen“ beantwortet. Darauf wiederum twitter der Tesla-Chef nur Love Me Tender“. Offenbar drückt er mit dem Songtitel von Elvis Presley aus, den Aktionären direkt ein Angebot machen zu wollen: Love me tender, love me sweet / Never let me go“.

Und dann ist da noch ein Werbebanner im Bielefelder Fußballstadion, das in die große Politik kam. Stop War, Putin!“, stand da am Ostersonntag beim 0:3 der heimischen Arminia gegen Rekordmeister Bayern München. Wir wissen nicht, was passiert wäre, wenn zu lesen gewesen wäre: Stop Special Operation, Putin!“ So aber brach der russische Bundesliga-Lizenznehmer MatchTV die bertragung nach knapp 30 Minuten ab. Fußball und Sport sind unpolisch“, proklamierte der Sender. Bereits vor zwei Wochen wurden wegen solcher Friedensslogans in Stadien zwei bertragungen abgebrochen.

Die Abschaltserie von MatchTV entzaubert die Deutsche Fußball Liga (DFL), die am Vertrag mit MatchTV festhielt, um mit Friedensbotschaften aus den Stadien die Menschen in Russland zu erreichen“. Die englische Premier League oder die Ligue 1 aus Frankreich gingen dagegen gleich dazu über, ihre Verträge für bertragungen in Russland auszusetzen.

So denken wir zum Schlusspfiff über William Faulkner nach: Was man als Blindheit des Schicksals bezeichnet, ist in Wirklichkeit bloß die eigene Kurzsichtigkeit.“

Es grüßt Sie herzlich

Ihr
Hans-Jürgen Jakobs

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