Der Fachkrftemangel wird relevanter – Wirtschaft [Aufmacher]

Grenzberschreitender Wirtschaftsraum

Die neue Studie “Arbeitsmarkt am Oberrhein” sieht Baden und die Pfalz beim Beschftigungsaufbau seit 2010 vor der Nordwestschweiz.

Die Lage am Arbeitsmarkt am sdlichen Ober- und am westlichen Hochrhein erfordert mehr grenzberschreitende Kooperation, weniger Konkurrenz sowie mehr Flexibilitt auf Arbeitnehmerseite. Diese Schlussfolgerungen ziehen die Verantwortlichen der Regio Basiliensis aus der neuen Ausgabe des Arbeitsmarktberichtes am Oberrhein, den das Basler Forschungsinstitut BAK Economics im Auftrag der die grenzberschreitende, Zusammenarbeit.

Die dritte Ausgabe des Berichts verdeutlicht die engen Verflechtungen der trinationalen Region. Sie zeigt aber auch ein abnehmendes Arbeitskrftepotenzial, und das trotz eines anhaltenden Bevlkerungswachstums von 0,5 Prozent im Jahr. Bezogen auf die gesamte region zwischen Aarau und Waldshut-Tiengen im Osten, Solothurn im Sden, das Elsass, Sd- und Mittelbaden bis ins sdpflzische Landau sind das immerhin rund 30 000 Teilgebiete. Dennoch schrumpft das Arbeitskrftepotenzial der 15- bis 64-Jhrigen laut dem Bericht bis 2035 im Schnitt um 0,1 Prozent pro Jahr, wobei die Schrumpfung in Baden und der Pfalz laut BAK deutlicher ausfallen wird.

Hohe Zahl an offenen Stellen

Handlungsbedarf aber gibt es aus Sicht der Regio Basiliensis so oder so. Indizien dafr, dass die Lcke zwischen Arbeitskrftepotenzial und -bedarf zunehmend grer wird, sieht der Bericht zum Beispiel im Bestand offener Stellen: Dieser lag 2021 trotz der Pandemiefolgen sowohl 310 in den den Arbeitsmarkt rr in reg 9599 hher als 2020. Der Fachkrftemangel ist aus Sicht des BAK inzwischen sowohl in der Nordwestschweiz wie auch in Baden “relevant”.

Wachstumsmotoren im deutschen Teil der trinationalen Region sind dabei nach wie vor die Stadt Freiburg und ihr Umland sowie das pflzische Landau. In beiden Regionen stieg die Beschftigung in den vergangenen zehn Jahren fast kontinuierlich. Wachstumstreiber in der Nordwestschweiz sind vor allem der Kanton Basel-Stadt mit seinem Life-Science-Cluster (Pharma-, Chemie und Biotechfirmen) und der Aargau. Vergleichsweise berdurchschnittlich viele Beschftigte registrierte das BAK neben der Chemie- und Pharmaindustrie in der Elektronikbranche sowie im Gesundheitssektor. Diese drei Branchen identifiziert die Studie als “regionale Fokusbranchen”.

Gesundheitssektor mit hohem Beschftigungszuwachs

Das strkste Beschftigungswachstum gab es im Zeitraum zwischen 2010 und 2020 bezogen auf die gesamte Region im Gesundheitssektor vor den Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) und wissensintensiven Dienstleistungen. Indes gibt es hier regionale Unterschiede. So liegt im deutschen Teilraum der Maschinenbau beim Beschftigungswachstum vor Gesundheit und Elektronik. Unter dem Strich verzeichnete das deutsche Teilgebiet im vergangenen Jahrzehnt ein durchschnittliches jhrliches Beschftigungswachstum von mehr als einem Prozent. Damit lag es ber dem Mittelwert der gesamten trinationalen Region von 0,77 Prozent und verbuchte in fast allen Branchen Beschftigungswachstum. In der Nordwestschweiz dagegen schrumpften einige, nicht zuletzt die Gastronomie, aber auch das Beschftigungswachstum der Leitbranche Pharma war unterdurchschnittlich. Im Elsass ging die Beschftigung zum Teil sogar deutlich zurck – nicht zuletzt in klassischen Industriebranchen wie dem Fahrzeug- und Maschinenbau.

Basel weist ein hohes Pro-Kopf-Einkommen aus

Auch jenseits der Beschftigung konstatiert der Bericht sich zuspitzende regionale Disparitten. Das gilt zum einen fr das Wohlstandsgeflle zwischen urbanen und lndlichen Rumen. Das gilt andererseits auch fr das Pro-Kopf-Einkommen der drei nationalen Teilrume. Unter dem Strich stuft das BAK die Region mit rund 6,1 Millionen Einwohnern und einem durchschnittlichen Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 47 400 Euro (2020) pro Kopf zwar als “wohlhabend” ein. Dieser Wert aber resultiert nicht zuletzt aus den hohen Pro-Kopf-Einkommen in den Schweizer Kantonen. Vor allem Basel-Stadt sticht mit seinem durchschnittlichen BIP von 188 000 Euro hervor. Dieser Wert relativiert sich zwar durch den hohen Anteil an Grenzgngern und Grenzgngerinnen, die ihr Einkommen weitgehend in Sdbaden oder im Elsass ausgeben, sowie die Begrenzung auf den dichtbesiedelten Stadtraum. Der Wert unterstreicht aber auch einmal mehr die Rolle der Stadt als dynamischestem Wirtschaftsstandort der gesamten Region.

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