Daten-Leak: Reiche Russen verstecken ihr Geld in Dubai vor Sanktionen

Daten-Leak enthüllt: Reiche Russen bringen ihr Geld in Dubai vor Sanktionen in Sicherheit

Vermögende Russen haben ihr Geld zu Tausenden in Immobilien in Dubai investiert und dabei womöglich vor drohenden Sanktionen in Sicherheit gebracht. Das belegt ein neues Daten-Leak, das erstmals einen umfassenden Einblick in die Eigentumsverhältnisse auf dem Dubaier Immobilienmarkt ermöglicht.

Die geleakten Daten, ein Abbild des Grundbuchs von Dubai mit Stand von Anfang 2020, waren zuvor dem Washingtoner Center for Advanced Defense Studies (C4ADS) zugespielt worden, einer gemeinnützigen Organization, die internationale Kriminalität und Konflikte untersucht. Von diesem Dienstag an werden die Recherchen unter dem Titel „Dubai uncovered“ weltweit veröffentlicht. Eine Recherchekooperation von 20 internationalen Medienunternehmen, darunter die „Süddeutsche Zeitung“ hatte das Daten-Leak zuvor ausgewertet.

Unter den Eigentümern von Luxus-Apartments und Villen in Dubai konnten so gut 100 Mitglieder der politischen Elite Russlands, Beamte und russische Geschäftsleute identifiziert werden, von denen viele dem Kreml oder auch Präsident Putin nahestehen. Dazu gehören Mitglieder der Nationalversammlung Duma und weitere Politiker sowie Oligarchen und deren Familienangehörige. Einer von ihnen ist Ruslan Baisarow, ein Vertrauter des tschetschenischen Machthabers Ramsan Kadyrow, der mit Soldaten und militärischem Material Putins Invasion in der Ukraine unterstützt und auf internationalen Sanktionslisten steht. Der bislang nicht sanktionierte Baisarow ist einer der reichsten Geschäftsmänner Russlands. Die enge Verbindung zu Tschetscheniens Präsident brachte ihm den Spitznamen „Kadyrows Geldbörse“ ein. Ihm gehören fünf Wohnungen und eine Strandvilla auf der künstlichen Insel Palm Jumeirah.

Dubai verhängte bisher keine Sanktionen gegen Russen

Zu den prominenten Russen in den Daten gehört auch Roman Lyabikhow, Mitglied der Kommunistischen Partei, den mehrere westliche Staaten sanktioniert haben. Eine Wohnung an der Südseite der Palm Jumeirah is auf den Duma-Abgeordneten Alexander Borodai von der Putin-Partei „Einiges Russland“ registriert. Er wurde kurz nach Russlands Invasion der Ukraine im Jahr 2014 international als „Premierminister“ der selbsternannten Volksrepublik Donezk bekannt. Die USA, die EU und Großbritannien haben auch ihn sanktioniert. Borodai, Lyabikhow und Baysarow reagierten nicht auf Anfragen.

Insgesamt finden sich in den Daten mehr als 5000 Bürger der Russischen Föderation als Eigentümer von mehr als 9700 Immobilien in Dubai. Russland liegt damit in der Spitzengruppe der Länder, deren Bürger dort investiert haben. Dubai hat sich den internationalen Sanktionen gegen vermögende Russen bislang nicht angeschlossen.

2000 im Leak enthaltene Eigentümer wohnen in Deutschland

In den “Dubai uncovered” -Daten finden sich zudem die Namen mehrerer Verdächtiger, gegen die Behörden unter anderem in Deutschland, Dänemark und Belgien wegen steuerschädlicher Cum-Ex-Aktiengeschäfte ermitteln. Prominentestes Beispiel ist der Brite Sanjay Shah, der im Verdacht steht, mit seinem Hedgefonds den dänischen Fiskus um umgerechnet mehr als eine Milliarden Euro erleichtert zu haben – auch unter Ausnutzung deutscher Banken. Hierzulande wird ebenso gegen ihn ermittelt, in Hamburg liegt gar eine Anklage vor. Shah bestreitet jedes Fehlverhalten.

Insgesamt umfasst das Leak etwa 800.000 Eigentumsanteile an Immobilien in Dubai sowie 274.000 Personen und Firmen aus 197 Ländern und Territorien. 191,000 von ihnen sind ausländische Eigentümer. Bürger und Firmen aus Indien und Großbritannien bilden die größten Gruppen, gefolgt von Pakistan und Saudi-Arabien. Mehr als 2000 in dem Leak enthaltene Eigentümer wohnen in Deutschland, mit knapp 4500 aufgeführten Immobilien.

Bundesregierung kaufte für two Millionen Euro ein fast identisches Leak

Seit bald elf Monaten werten zudem auch Finanzbeamte in den Bundesländern die Daten aus. Bereits im Juni 2021 hatte die Bundesregierung für etwa two Millionen Euro ein fast identisches Leak angekauft. Die Ergebnisse scheinen, soweit sich die Länder überhaupt dazu äußern, bislang allerdings dürftig zu sein. Lediglich Bayern nennt in einer SZ-Umfrage unter den Finanzministerien der Länder eine konkrete Zahl. Dort gehen Ermittler in sechs Fällen dem Verdacht einer Steuerstraftat nach, bei insgesamt 281 Prüffällen. Das Saarland schreibt auf Anfrage von Fällen „im niedrigen einstelligen Bereich“; in Baden-Württemberg ist die Rede von einer einstelligen Zahl an Ermittlungsverfahren.

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