Ausschuss für Wirtschaft und Finanzen: Gleichstellungsplan befürwortet

bassum. André Bartels konnte nicht an sich halten. Er mustte es sagen. In Anbetracht des Ukraine-Krieges hielt er die Punkte auf der Tagesordnung des Ausschusses für Wirtschaft und Finanzen für unwichtig. “Mit was für Themen beschäftigen wir uns hier?”, fragte der Christdemokrat am Donnerstagabend. Seinetwegen hätte sich das Gremium “mit der Unterbringung von Flüchtlingen aus der Ukraine” beschäftigen sollen. Seine Ausschusskollegen sahen das anders. Entsprechend wurde in den Räumen des Nordwestdeutschen Schützenbundes über den Gleichstellungsplan und das Stadtmarketing geredet.

In Abwesenheit der erkrankten Gleichstellungsbeauftragten Christine Gaumann berichtete Kämmerin Anke Schulz über den Gleichstellungsplan, “zu dem wir verpflichtet sind bei mehr als 50 Beschäftigten”. Und es waren 203 Menschen, die am 30. Juni 2021 im Dienste der Stadt Bassum standen, 73,89 Prozent davon weiblich. Von diesen Frauen waren 74,83 Prozent in Teilzeit beschäftigt. Zum Vergleich: Bei den Männern waren es nur 9,61 Prozent. Das waren nur einige wenige Zahlen aus dem Kapitel “Bestandsaufnahme der Beschäftigungsstruktur”.

Anke Schulz sprach auch von Unterrepräsentanz. So würde es auf dem Bauhof kaum Frauen geben, in den sozialen Berufen hingegen nur wenige Männer. “Das müssen wir künftig beachten, wenn wir Auszubildende einstellen.” Diese Unterrepräsentanzen sollen ab sofort jährlich untersucht werden, nicht, wie bisher üblich, alle drei Jahre zum Gleichstellungsplan. Zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf soll zudem ein Leitfaden ausgestellt werden. Bürgermeister Christian Porsch fand, “die klassischen Rollenbilder sind noch da”. Und seiner Meinung nach “bedarf es einiger Anstrengungen, diese Verkrustungen aufzubrechen”. Dahingehend sei ein Kindergarten-Projekt geplant. “Dort werden die Grundsteine ​​gelegt, aber das schaffen wir nicht in einem Jahr.”

Michael Gillner (CDU) attestierte der Stadtverwaltung im Bereich Gleichstellung “sehr, sehr gute Arbeit”. Er wies auf den Verbund für familienfreundliche Unternehmen hin, einen ehrenamtlichen Verein, dem sich die Stadt vor vier Wochen angeschlossen hat, um Informationen zu erhalten. “Ich halte das für sehr, sehr wichtig”, so Gillner. “Einige Unternehmer nutzen diese Möglichkeit schon seit Jahren.” Maria Babic (Gruppe Gemeinsam) wollte ein paar Beispiele hören, wobei dieser Verein helfen könne. Gillner zählte firmeneigene Horte, gesunde Ernährung und Homeoffice auf, ehe er auf Veranstaltungen hinwies, die erklären, “wie man das in Firmen umsetzen kann”.

Jonathan Kollschen (SPD) fand, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei zu sehr auf Teilzeit fokussiert. “Da gibt es auch andere Möglichkeiten.” Auch sein Genosse Christoph Lanzendörfer sprach sich für “andere Arbeitszeitmodelle” aus. Anke Schulz antwortete, die Stadtverwaltung habe doch schon Gleitzeit eingeführt. “Individuelle Wünsche sind uns wichtig. Wir versuchen, das hinzubekommen.” Erster Stadtrat Norbert Lyko ergänzte: “Wir gehen schon auf die Wünsche der Arbeitnehmer ein. Sonst kriegen wir nämlich keine mehr.”

Hermuth Straßburg vom Bürger-Block sprach sich dafür aus, die im Gleichstellungsplan aufgeführten Maßnahmen auch umzusetzen. Das hieß für ihn: “Mehr Frauen auf dem Bauhof und mehr Männer in Kindertagesstätten.” Mehr ginger immer.

Als “hochsensibel und wichtig” empfand Jürgen Schäfer (Die Grünen) das Thema Gleichstellung. Er freue sich, “dass wir dieses Thema so pflegen”, aber wenn es nach ihm ginge, “müssen wir jetzt in die Details gehen”. Heißt: “Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir die Jobs attraktiver machen können.” Und da dachte er auch an die Bezahlung.

Am Ende verabschiedete der Ausschuss für Wirtschaft und Finanzen den Gleichstellungsplan einstimmig.

Zur Sache

Klausurtagung zum Thema Stadtmarketing

Eigentlich sollte im Bassumer Ausschuss für Wirtschaft und Finanzen (siehe Text oben) über Stadtmarketing gesprochen werden. “Wir haben im November 2021 vom Rat den Auftrag bekommen, uns damit zu beschäftigen”, erklärte Christian Porsch im Gebäude des NWDSB. Inhaltlich kam das Gremium am Donnerstagabend allerdings nicht weiter. Immerhin: Das Programm “Perspektive Innenstadt” (wir berichteten) kam auf Vorschlag von Michael Gillner wieder auf den Tisch. Die Stadtverwaltung erhielt den Auftrag zu ermitteln, wie hoch die Kosten dafür sein würden. Allerdings nur mit einer Mehrheit von sechs zu fünf Stimmen.

Einen Großteil der restlichen Zeit debattierte das Gremium allerdings darüber, ob “ein externer Dienstleister für die Gestaltung des Zentrums” angeheuert werden müsste. Dieser Vorschlag kam von Hermuth Straßburg (Bürger-Block). Christoph Lanzendörfer (SPD) intervenierte. “Ich möchte niemanden dafür bezahlen, dass er sich unsere Gedanken macht.” Er ging noch weiter. “Wir haben so viele schöne Pläne, aber es kommt nichts dabei heraus.”

Letztlich votierte das Gremium einstimmig für die Beschlussvorlage und eine Klausurtagung am 2. April. Der Ausschussvorsitzende Jürgen Laschinski: “Da können wir dann die Eckpfeiler festlegen.”

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