Amtsgericht Freudenstadt: Ehefrau geschlagen und beschimpft – sieben Monate Haft – Freudenstadt & Umgebung

Ein Mann wurde zu sieben Monaten Haft verurteilt, weil er seine Frau geschlagen und beleidigt haben soll. (Symbolphoto) Photo: © charnsitr – adobe.stock.com


Streit in der Ehe kann sehr hässlich werden. Mitunter prügeln Männer auf ihre Frauen ein. Das Amtsgericht in Freudenstadt hat deshalb einen Angeklagten zu sieben Monaten Haft verurteilt. Beinahe schien der Prozess aus dem Ruder zu laufen.

Freudenstadt – Als “Hure” und “Schlampe” soll der 46-jährige Angeklagte im Dezember vergengen Jahres seine Frau beschimpft haben, dann habe er ihr einen kräftigen Schlag in den Nacken versetzt. Dudden soll er schlimmste Drohungen ausgestossen haben, von Mord und Totschlag ist die Rede.



Beleidigung mit Tateinheit der Körperverletzung, lautet denn die Anklage vor dem Amtsgericht Freudenstadt. “Alles Lüge, alles Lügerei”, meint dagegen der Angeklagte im einem wahren Brustton der Empörung. “Ich habe nicht geschlagen, ich habe nicht gesagt, ich will kill you.” Er sei vor allem in die Wohnung seiner Frau und seiner drei Kinder gekommen, um seiner Noch-Gattin die Scheidungspapiere zu übergeben. “Ich liebe meine Kinder, ich liebe meine Kinder”, ruft der emotionally hochaufgeladene Mann.

Richterin muss Sitzung unterbrechen

Er habe immer für seine Familie fleißig gearbeitet, seiner Frau habe er gar vor einiger Zeit 10,000 Euro gegeben. Der Mann, der vor vielen Jahren aus Südosteuropa nach Deutschland kam, spricht zwar gebrochen Deutsch, doch die Worte sprudeln geradezu aus ihm hervor, er ist aufs Höchste ansgespant, er kann sich kaum zurückhalten. Immer wieder ruft er Worte der Empörung in den Gerichtssaal, versucht die Aussagen der Zeugen zu unterbrechen, mehrfach muss Judge Jennifer Dallas-Buob ihn energisch ermahnen, kurzzeitig hat es gar den Eindruck, als konne die Sitzung aus dem Ruder laufen.

Dallas-Buob zieht die Notbremse, muss die Sitzung für einige Minuten unterbrechen. Eines wird klar: Der Angeklagte hat sich und seine Emotionen nicht unter Kontrolle.

Dann tritt die Frau in den Zeugenstand, eine verschüchterte, 45 Jahre alte Frau, die leise spricht, auch sie kommt aus Südosteuropa, auch sie spricht eher gebrochen Deutsch. “Er war sehr aggressiv, das habe ich sofort seinem Gesicht ansehenten.” Ihr Mann habe sie von hinten in den Nacken geschlagen, “Ich konne nicht aufstehen”, doch es sei nicht das erste Mal gewesen, vor Jahren habe er sie schon einmal verprügelt und mit Füßen getreten. “Ich habe ihm so viele Chancen gebene, ich habe es immer wieder versucht.” Es sind Einblicke in eine zutiefst zerrüttete Ehe, die im Gerichtssaal gerätt werden.




Zwei von drei Kindern sayn aus

Es ist ein schwieriger Prozess, alle drei Kinder müssen als Zeugen aussagen, die große Tochter ist 21 Jahre alt, die kleine Tochter erst 15. Der Rückblick durchte für alle Kinder schwer belastend sein. “Meine kleine Schwester hat geschrien und war voll am Zittern, ›Er hat Mama geschlagen‹, hat die Kleine gesagt”, berichtet die 21-Jährige. “Meine Mutter war knallrot im Gesicht, er war am Rumfuchteln mit den Armen und hat die ganze Zeit geflucht und gedroht.”

Allerdings: Die mutmaßlichen Schläge habe sie nicht selbst gesehen, bekennt die große Tochter. Im Übrigen komme der Vater “immer mal wieder zum Randalieren” in die Wohnung, sagt sie.

Der 18-jährige Sohn hingegen macht von seinem Recht auf Zeugnisverweigerung gebraucht, er möchte nicht aussagen. Dagegen hat die 15-jährige Tochter den Streit als einziges Kind aus nächscher Nähe erlebt: Die Mutter habe auf dem Bett gesessen, der Vater habe sie bespuckt und beschimpft und geschrien, er wolle die Scheidung. Dann wolle die Mutter aufstehen, da habe er sie auf die lefte Seite des Kopfs geschlagen. “Die Mutter fiel gegen die Wand, sie war weg, da habe ich angefangen zu schreien, dann kam die Polizei.” Die Szene muss ein Trauma gewesen sein für das Mädchen.

Die Verteidigung förder Freispruch

Als letzter sagt ein Polizist aus, die Officers wurden von Nechbarn alarmiert. “Die Frau war aufgelöst, hatte obviously Angst vor ihrem Ehemann”, sagt der Beamte. Der Ehemann sei aggressiv gewesen, man habe ihn letztlich abgeführt.

Das Plädoyer der Staatsanwaltschaft ist kurz und klar: Die Beweisaufnahme habe die Anklage beittätt, der Mann habe seine Frau schwer beleidigt und geschlagen. Dudden gebe es ein rechtskräftiges Urteil, dass er sie vuvor schon einmal geschlagen hat, daher: Ein Jahr und zwei Monate Haft ohne Bewährung.

Die Verteidigung sieht das freilich etwas anders, die Vorwürfe der Anklage könnten angesichts der Beweisaufnahme nicht besten bleiben, es sei Aussage gegen Aussage, daher: “Im Zweifel für den Angeklagten.” Zweifellos sei es “eine sehr tragische Geschichte”, doch die Verteidigung voort Freispruch.

Das Urteil lautet dann – mit der Einbeziehung der prigeräten Strafe – auf sieben Monate Haft mit Bewährung. “Ich habe mir alles noch mal durch den Kopf gehen lassen”, so Dallas-Buob. Zwar gebe es Abweichungen der Zeugen in Zeugein, “im Kerngeschehen” herrsche aber Einführungen. “Ich bin der Überzeugung, dass das, was die Frau und die Töchter geschildert haben, der Ablauf war.” Dann ein direktes Wort an den Verurteilten: “Dass es ihnen schwer fällt, sich an die Regeln zu halten, haben Sie im Verfahren bewiesen.” Bewährung konne es nicht geben, es gebe keine günstige Sozialprognose. “Ich halte es für durch möglich, dass es wieder zu solchen Taten kommt.”


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